120. Todestag von Johannes Brahms

Musiker, Mensch, Virtuose

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„Guten Abend, gute Nacht!“ - viele Menschen lernen Brahms kennen, bevor Sie sprechen können, nämlich wenn sie abends von ihren liebenden Eltern in den Schlaf gesungen werden. Doch nicht nur für seine Wiegenlieder, welche er größtenteils für die Kinder Clara Schumannns komponierte, war das Genie bekannt.
Ein leichtes Leben hatte der am 07. Mai 1833 in Hamburg geborene Brahms nun wirklich nicht, doch seine Höhen lassen die Tiefen unwichtig erscheinen. Als zweites von drei Kindern trat er in die Fußstapfen seines Vaters Johann Jakob, welcher das Musizieren als Handwerk zum Broterwerb zu definieren pflegte. Auch der junge Brahms wurde, sobald sein Talent erkannt wurde, genötigt, zu spielen um das Einkommen der armen Familie zu erhöhen. Seine Fähigkeiten am Piano und seine Gabe des Komponierens wurden bereits in jungen Jahren entdeckt.

Die erste Veröffentlichung „Phantasien über einen beliebten Walzer“ erschien 1849, allerdings unter einem Pseudonym. Sie galten als Zeugnis eines virtuosen Klavierspiels.  Es brauchte jedoch einige Umwege und Empfehlungen, bis Brahms schließlich auf den Mann treffen sollte, der ihn berühmt machte: Robert Schumann. Dieser war derartig von dem jungen Hamburger beeindruckt, dass er in der von ihm publizierten „Neue Zeitschrift für Musik“  den ersten Artikel  über Johannes Brahms mit den Worten beginnen ließ: „Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten.“ Bei einer solch poetischen Einführung schien der Erfolg vorprogrammiert.

Zu Robert Schumann entwickelte Brahms eine Freundschaft, die an Innigkeit der seelischen Verflechtung nur von derjenigen zu Schumanns Ehefrau Clara übertroffen wurde. Diese liebte Brahms nicht nur, auch verehrte er sie Zeit seines Lebens. 
Die beiden führten einen umfangreichen Briefwechsel, den sie später einheitlich fast vollständig zu vernichten beschlossen. Als er Clara nicht erfolgreich umwerben konnte, verlobte Brahms sich mit Agathe von Siebold, doch diese Verlobung wurde schnell wieder aufgelöst. Brahms blieb Zeit seines Lebens unverheiratet.

Sein beruflicher Erfolg gestaltete sich zunächst seinem Talente zum Trotz als schwierig. So erfreute sich sein erstes Klavierkonzert op.15 in d-Moll keiner großen Beliebtheit. Als Getriebener seines Perfektionszwanges war er wohl selbst der größte seiner Kritiker. So zerriss er beispielsweise viele Kompositionen aus jungen Jahren, eine Handlung welche die Verfolgung seiner Jugendjahre ein wenig schwierig gestaltet. Brahms‘ Klavierstücke galten als schwer spielbar, so kommentierte Eduard Hanslick eine Probe des ersten Satzes der komplexen vierten Sinfonie folgendermaßen: „Den ganzen Satz über hatte ich die Empfindung, als ob ich von zwei schrecklich geistreichen Leuten durchgeprügelt wurde.“

Nicht nur Perfektionismus sondern auch großer Stolz zeichneten den teilweise sehr reservierten Johannes Brahms aus. Dem Bonmot „Das ist der Erbe Beethovens“ konnte er nicht viel abgewinnen. Zwar empfand er die Vergangenheit als verpflichtende Inspirationsquelle, seien es nun mittelalterliche Kirchentonarten, Bach oder Händel. Doch es kam ihm darauf an, etwas Neues zu schaffen und dies gelang ihm auch auf die virtuoseste Weise. Als Hans von Bülow Ähnlichkeiten zwischen Brahms‘ und Beethovens‘ Symphonien zu erkennen meinte, bemerkte Brahms nur gelassen: „Jawohl, und noch merkwürdiger ist, dass das jeder Esel gleich hört.“ 

Sein im Laufe seines Lebens unvergleichlicher Erfolg hatten jedoch keinerlei Einfluss auf seine Bodenständigkeit. Seiner Leidenschaft, der Musik, blieb er stets treu: „Wenn mir eine hübsche Melodie einfällt, ist mir das lieber als ein Leopoldsorden.“ Er war sehr wohltätig, lebte bescheiden und spendete viel. Vor allem unterstützte er aufstrebende junge Musiker und war für alle ihm bekannten Kinder wie ein lieber Onkel, der immer Süßigkeiten mitbrachte.

Berühmt war er nicht nur für seine Musik sonder auch für den großen Bart, den er sich ab seinem 45. Lebensjahr stehen ließ, und für seine beleibte Erscheinung. Als junger Mann hingegen war er sehr schlank.

Sein Freidenkertum und die Tatsache, dass er es faustdick hinter den Ohren hatte, lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass er zwar als Genussmensch einer guten Zigarre niemals abgeneigt war, es jedoch hasste, Importsteuern für den Tabak zu bezahlen. So beschloss er ganz einfach den Tabak in Strümpfen in den Untiefen seines Koffers zu schmuggeln. 

Seine oftmals harsche Art wird er sich wohl aus Selbstschutz angelegt haben; Brahms war eine sehr weiche Seele. „Hätte man mich zu rechter Zeit gewählt, so wäre ich ein ordentlicher bürgerlicher Mensch geworden, hätte mich verheiraten können und gelebt wie andere. Jetzt bin ich Vagabund.“
Ob glücklich oder traurig, vermutlich ein bisschen von beidem, in jedem Fall hatte er eine sehr tiefe Persönlichkeit. Das Vagabundentum und seine Empfindsamkeit waren essenziell, allein dadurch ergab sich die Möglichkeit, sich von der Muse küssen zu lassen und derartige Meisterwerke zu vollbringen.
   

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