Alltag ist nur durch Wunder erträglich.

Max Frisch - Einer der größten schweizerischen Schriftsteller des vergangenen Jahrhunderts

alltag-ist-nur-durch-wunder-erträglich © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Metzger, Jack / Com_L12-0059-8021 / CC BY-SA 4.0
Am heutigen Sonntag hätte Max Frisch seinen 105. Geburtstag gefeiert. Der Schweizer Schriftsteller erreichte mit seinen Theaterstücken und Romanen ein breites Publikum und fand mit „HomoFaber“ sogar Eingang in den deutschsprachigen Schulkanon.
Neben Homo Faber wurden vor allem seine Romane „Stiller“ und „Mein Name sei Gantenbein“, Als sein bekanntestes Theaterstück gilt Andorra, eine Erzählung über Rassismus, der einen jungen Mann das Leben kostet in zwölf Bildern.

Max Frisch wurde am 15. 1911 in Zürich geboren. Seine Familie lebte in einfachen Verhältnissen, wobei die Lage für die Eltern und die drei Kinder schwierig wurde, nachdem der Vater im Zuge des ersten Weltkriegs seine Anstellung verlor. Während seiner Zeit als Gymnasiast schrieb Max Frisch bereits erste Theaterstücke, die er versuchte zur Aufführung zu bringen. Da sie aber keinen Erfolg hatte, vernichtete er sie später.

Im Wintersemester 1930/31 begann Max Frisch ein Germanistik-Studium an der Universität Zürich. Doch das akademische Studium konnte ihm nicht das grundlegende schriftstellerische Handwerkszeug vermitteln, das er sich erhofft hatte. Im März 1932 verstarb Frischs Vater, was ihn dazu veranlasste, mehrere Artikel für die Neue Zürcher Zeitung zu schreiben, um seine Mutter finanziell zu unterstützen.

1935 veröffentlichte Frisch sein erstes Buch, das „Kleine Tagebuch einer deutschen Reise“. Da dieser Roman gänzlich unpolitisch war, konnte er ihn problemlos bei der Deutschen Verlags-Anstalt veröffentlichen, die damals bereits der nationalsozialistischen Zensur unterlag. 1937 folgte Frischs zweiter  Roman „Antwort aus der Stille“, über den er später selber vernichtend urteilte. Er entscheid sich, sein Leben als Schriftsteller zu beenden, verbrannte alle seine bisherigen Schriften und ließ die Berufsbezeichnung aus seinem Ausweis streichen. Bereits 1936 hatte Frisch ein Architekturstudium begonnen, um sich dem bürgerlichen Leben zuzuwenden und die künstlerische Laufbahn endgültig hinter sich zu lassen.

Zurück zum Schreiben kam Frisch durch den Beginn des zweiten Weltkriegs, währenddessen er Kanonier der Schweizer Armee war und bis 1945 im Dienst war. In dieser Zeit begann er wieder zu schreiben und veröffentlichte seine Notizen 1939 unter dem Titel „Aus dem Tagebuch eines Soldaten“ in der Zeitschrift Atlantis.

1951 folgte mit „Graf Öderland“ das Theaterstück, was laut Frisch sein Bedeutendstes war. Das Stück erzählt von einem Rechtsanwalt, der aus seinem bürgerlichen Leben auf der Suche nach Freiheit ausbricht und mordend als Anführer einer Revolutionsgruppe endet, was ihn mit all den Pflichten verbindet, vor denen er ursprünglich geflohen ist. Drei Jahre später kam dann mit „Stiller“ Frischs bahnbrechender Roman heraus. Der Roman, der sich mit einem Prozess beschäftigt, in dem der Protagonist gezwungen wird, seine alte Identität als Bildhauer anzuerkennen und auch zu seiner Frau zurückzukehren, wurde ein kommerzieller Erfolg und brachte Frisch ein breite Anerkennung als Autor ein.

1957 veröffentlichte Frisch mit „Homo Faber“ sein bis heute meistgelesenes Buch. Die Geschichte von einem Ingenieur, der mit seiner rational-technischen Weltsicht am realen Leben scheitert wurde in den deutschen Schulkanon der Literatur aufgenommen. Damit bestätigte er den ausgezeichneten Ruf als Schriftsteller, den er seit der Veröffentlichung „Stillers“ bereits innehatte. 1958 etablierte sich Frisch mit dem Theaterstück Biedermann und die Brandstifter als Dramatiker von Weltrang. Es handelt von einem Kleinbürger, der Hausierern einen Unterschlupf bietet und der trotz deutlicher Vorwarnungen nichts tut um die Hausierer am Niederbrennen seines Hauses zu hindern.

Das Folgedrama „Andorra“ lag Frisch sehr am Herzen, weshalb er fünf Versionen schrieb, bis es 1961 zur Uraufführung kam. Das Stück, in dem der vom Vater als Jude erklärte Junge Andri heftigen rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist, die schlussendlich zu seinem Tod führten, war bei Publikum und Kritik ein voller Erfolg. Doch wurde der Stoff in der damaligen Zeit auch kritisch gesehen, da Rassismus als allgemein menschlicher Fehler dargestellt wird, was von manchen als Schuldrelativierung der Deutschen im zweiten Weltkrieg aufgefasst wurde.

Nach Veröffentlichung von Andorra ging Frisch für längere Zeit auf Reisen. In diesen Jahren veröffentlichte er das „Tagebuch 1966-71“ und „Montauk“, die sein persönlichstes Buch wurde und in denen er all seine bisherigen Liebensbeziehungen aufarbeitete. Sein letzten beiden Romane, „Der Mensch erscheint im Holozän“ und „Blaubart“ beschäftigten sich vor allem mit Themen des Älterwerdens und der Vergänglichkeit. Insbesondere „Der Mensch erscheint im Holozän“, ein Erzählung über einen Pensionär, der an dem Verlust geistiger Fähigkeiten und mitmenschlicher Beziehungen leidet, war nochmals eine großer Erfolg und wurde 1980 in den USA als beste Erzählung des Jahres ausgezeichnet.

1989 wurde bei Max Frisch unheilbarer Darmkrebs diagnostiziert, dem er am 4. April 1991 mitten in den Vorbereitungen zu seinem achtzigsten Geburtstag erlag. Vor allem seine Werke „Homo Faber und „Andorra“ werden den schweizerischen Schriftsteller, der die Literatur des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat, jedoch noch lange in Erinnerung rufen.
   

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