Amor schießt Pfeil – und trifft Meldorf

Simone Kermes zu Gast beim Schleswig-Holstein Musikfestival

amor-schießt-pfeil-–-und-trifft-meldorf © Sony
Ein besonderer Abend und ein ganz persönlicher Rückblick auf ein ungewöhnliches Konzert: Klassik Radio Praktikant Milad Kuhpai berichtet.
„Eines, meine Damen und Herren, kann ich Ihnen versichern: Klassisch-spießig wird dieser heutige Abend mit Sicherheit NICHT“.
Wohl wissend, aber ruhig und bedächtig, kündigt Ina Brinkmann, Pastorin der St.-Johannis-Kirche – dem Meldorfer Dom – den Gast des Abends an.

Star-Sopranistin Simone Kermes gab ein Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals. Der Name ihres Program ist schlicht und einfach: „Love“ – so auch der Titel ihres neuen Albums, welches im Frühjahr 2016 erschien.

Das Ensemble beginnt, das Tor geht auf, leise geheimnisvoll und in aufwendigem Kostüm bekleidet, betritt Simone Kermes die Empore und zieht ihre Zuhörerschaft von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Mit ihr musiziert das hervorragende Ensemble „La Magnifica Comunità“ unter der Leitung von Enrico Casazza. Doch damit nicht genug: das Publikum wird passend zur Musik von zwei jungen Nachwuchstänzern der Staatlichen Ballettschule Berlin verzaubert. Dies ergibt eine perfekte Mischung aus Musik, Szene und Tanz und sogar Lichttechnik.

Nun wird man sich fragen, ob eine Kirche der richtige Ort dafür sei? Absolut!
Einen passenderen Ort hätte man für diesen erlebnisreichen Abend kaum wählen können. Denn als Botschafterin der Liebe führte Simone Kermes ihr Publikum zu einer wahrlich göttlichen Eingebung - eine Reise zurück zum Innersten, dem wesentlichen Kern der menschlichen Existenz: die Liebe. Sehnsucht, Verliebtheit, Treue, sowie Verführung, Melancholie, Leidenschaft - bis hin zu Eifersucht, Verlassenheit und Frustration waren zentrale Themen dieser Werke.
„Sie ist das Ureigenste, was uns Menschen im Inneren bewegt und antreibt“ so Kermes in ihrem Programm. Sorgsam ausgewählt entführte sie ihre Zuhörer auf eine Reise in die Zeit von 1580 bis 1700. Es erklangen Werke von Komponisten wie Monteverdi, Vivaldi, Purcell und Cesti.

Simone Kermes - ihre Gestaltungskraft, ihre sensible Erzählerkunst zusammen mit den anmutenden Tänzen und den feinen Linien des Ensembles, die auch feurige Akzente zu spielen vermochten, verschmolzen zu einer perfekten Einheit, wie es schöner hätte nicht sein können.
„In der Musik ist die Liebe das Thema überhaupt. Sie inspirierte Komponisten und Dichter – nicht selten litten sie auch unter ihr. Und häufig hatten sie gerade dann ihre produktivsten Schaffensperioden“, so Kermes weiter in ihrem Programm.

Die Sängerin, die ihren Fans bisweilen eher als „verrückter Typ“ bekannt ist, besticht durch ihren Charme, ihre Bodenständigkeit und vor allem durch ihre ungewöhnlich, gar mütterliche Zugewandtheit – sowohl zum Publikum als ihrem Ensemble gegenüber.
Nach dem Konzert holt sie jedes einzelne Mitglied aus ihrem Team persönlich nach vorne zum gemeinsamen Verbeugen.
Auch das Publikum hatte seinen Spaß, nachdem die besondere Sängerin beim Abtreten mit jedem Zuschauer, der gerade zur Stelle war, einmal kräftig die Hand abklatschte, nach dem Prinzip: „High five!“ – oder ausgerechnet mir persönlich, der zu den eher jüngeren Konzertbesuchern gehörte, im Vorbeilaufen mal eben die Wange streichelte.

„Es war einfach unglaublich“, so eine ebenfalls jüngere Zuhörerin aus dem Publikum mit hochrotem Kopf. „Ich habe noch nie die Kombination aus Tanz und Gesang so überzeugend gesehen.“

Ein Abend, der sich auch in mir tief verankert hat und noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wer nun also auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich den 29.03.2017 in seinem Terminkalender frei halten. Dort wird Simone Kermes jenes besagte Programm um 20:00 in Hamburg aufführen.
Was für ein Abend, was für eine Frau und Künstlerin!
   

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