Ausgekaisert?

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ausgekaisert © Fotolia_Orlando Bellini
Die Badischen Neusten Nachrichten schreiben von Götterdämmerung – Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat in der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland hat die Schweizer Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen Franz Beckenbauer eingeleitet. Die Vorwürfe: Verdacht auf Betrug sowie Veruntreuung und Geldwäsche. Weitere Beschuldigte: die damaligen WM-Organisatoren Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst Rudolf Schmidt. Bei Twitter schreibt die Frankfurter Rundschau: Überraschend an den Ermittlungen gegen #FranzBeckenbauer ist nur, dass erst jetzt ermittelt wird. Die Pressestimmen:
Frankfurter Rundschau

Überraschend ist an der Nachricht, dass auch gegen Franz Beckenbauer wegen des Verdachts der Untreue und Geldwäsche im Zusammenhang der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ermittelt wird, allein, dass erst jetzt gegen ihn ermittelt wird. Seit längerem führt die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Verfahren gegen die anderen damals Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Ausgerechnet Beckenbauer, der ehemalige Chef der deutschen WM-Bewerbung, blieb unbehelligt und erklärte sich zum Trottel: Er habe 'immer blind unterschrieben, wenn sie meine Unterschrift brauchten' und 'nichts Unrechtes getan'. Dieses 'Sommermärchen' wird er den Schweizer Ermittlern erläutern müssen.

Kölner Stadtanzeiger

Das Verfahren macht klar, dass offenbar selbst einer wie Franz Beckenbauer sich nicht unbefleckt am Rand des Korruptionssumpfs halten konnte, der bis heute als Fifa firmiert. Das ist eine Organisation mit mafiösen Strukturen. Inzwischen ist nicht mehr die Frage, welche Turniere gekauft waren, sondern ob vielleicht doch welche regulär vergeben worden sein könnten. Die Fußball-WM 2006 gehörte nicht dazu.

Westfälische Nachrichten

Der Druck hat sich erhöht, jetzt drohen sogar Gefängnisstrafen. Gut so. In diesem Fall geht es nicht um das Sommermärchen, das uns Fußball-Deutschen ohnehin niemand mehr nehmen kann, sondern um Transparenz, Recht und Gerechtigkeit im Sport.

Leipziger Volkszeitung

Er hat Lässigkeit zu oft mit Fahrlässigkeit verwechselt. Beckenbauer hat erst lange geschwiegen, sich dann in typischer Kaiser-Manier als vertrauensseliger Herrscher inszeniert, der alles unterschrieben hat, was ihm seine Vasallen vorgelegt haben. Drängenden Fragen wich er aus.

Badische Neusten Nachrichten

Mit welcher Nonchalance Beckenbauer die schwerwiegenden Korruptionsvorwürfe im vergangenen Jahr rund um die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 abbügelte, war schon atemberaubend.

Tagesspiegel

Es klingt wie eine Räuberpistole. Und doch ist es eine ernste Sache. Denn ihr Verlauf kann ja ungeheuerliche Folgen haben. Für 'ungetreue Geschäftsbesorgung' drohen in der Schweiz eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis, in besonderen Fällen sogar bis zu fünf Jahre Haft.

Südwest Presse

Eine Überraschung ist es nicht, allenfalls eine Klärung der Situation. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der WM-Affäre 2006 also nicht nur gegen Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst Schmidt, was bekannt war, sondern auch - und zwar völlig zu Recht - gegen Franz Beckenbauer. Somit drohen auch dem "Kaiser", der das Endturnier letztendlich nach Deutschland geholt hat, strafrechtliche Konsequenzen, bis hin zu Gefängnis. Das deutsche WM-Macherquartett wird sich bald wegen des Verdachts der Untreue, Betrugs und Geldwäsche konkret äußern müssen. Die akribisch arbeitenden Schweizer Ermittler werden die "Wir-wissen-von-nichts-Masche" von Beckenbauer & Co. ganz schnell und systematisch bearbeiten und hoffentlich zur Wahrheit vorstoßen - Sommermärchen hin oder her.

Der Westen

Es gibt Franz Beckenbauer, den Entzauberten. In der Frage, wie die WM 2006 tatsächlich nach Deutschland kam, ist er in Erklärungsnot geraten. Es geht um dubiose Zahlungen und Verschleierungen. Was auch immer die Ermittlungen der Berner Bundesanwaltschaft ergeben werden: Es wird Franz Beckenbauer nicht mehr gelingen können, seinen alten Ruf wiederherzustellen.

Westfalenpost

Der Fußball-Kaiser hat vor Gericht keinerlei Sonderbehandlung verdient. Was selbstverständlich klingt, könnte unter Sportfunktionären auch anders gesehen werden. Welches Rechtsverständnis in den Führungszirkeln der großen Verbände herrscht, zeigte ja unter anderem der inkonsequente Umgang des IOC mit Russland im Dopingskandal. Was das mit Beckenbauer zu tun hat? Einiges. Denn im Sport hatte und hat es Methode, dass die Mächtigen an sich selbst ganz eigene Maßstäbe anlegen und sich gelassen über sonst allgemeingültige Regeln hinweg setzen.

Abendzeitung München

So einfach, wie die Gebrüder Grimm ihre Figuren in gut und böse einordnen, ist die Realität wahrscheinlich auch im Falle der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland nicht. Aber möglicherweise gelingt es ja mit Hilfe der Schweizer Behörden, mehr Licht auf die Hintergründe des Sommers 2006 zu werfen. Bevor das Märchen zur unendlichen Geschichte wird.
   

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