Bayerischer Löwe oder Bayerisches Kätzchen?

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bayerischer-löwe-oder-bayerisches-kätzchen © Fotolia_Orlando Bellini
Die oppositionelle Regierungsparteitag trifft sich zum Stelldichein – so hätte man den CSU-Parteitag in diesem Jahr überschreiben können. Die Kanzlerin wurde nicht eingeladen, Themen die weder CDU, noch SPD auf der Agenda haben, standen groß auf der Tagesordnung und der bayerische Löwe Seehofer wollte seine ganze Kraft präsentieren. Die Pressestimmen.
Märkische Oderzeitung

Der Titel verspricht Großes: 'Die Ordnung' heißt das neue Grundsatzprogramm der Christsozialen. Das erinnert ein bisschen an 'Star Wars' und 'Die Macht', deren Kraft in den Filmen immer wieder beschworen wird. Allerdings war es in den vergangenen Monaten eher Unordnung, die die CSU in die deutsche Politik gebracht hat. Die absurde Rolle, als Regierungspartei im Bund immer auch ein bisschen auf Opposition zu machen, spielte man jetzt beim Parteitag weiter. Getrieben ist die CSU nach wie vor vom Flüchtlingsthema und der Angst vor der AfD. Getreu dem Motto ihres Altvorderen Franz Josef Strauß 'Rechts von uns ist nur die Wand' singt man nun ein Loblied auf den 'starken Staat'. Bedenklich. Im neuen CSU¬Programm steht jedoch auch, dass man den Islam und seine Anhänger nicht grundsätzlich ablehnt - ein wohltuender Unterschied zur noch rechteren Konkurrenz.

Kölner Stadt-Anzeiger

Seehofer brauchte die Bühne für sich und nur für sich. Entsprechend ist sein Auftritt auf dem CSU-Parteitag ausgefallen: Nachdem er die Verunsicherung und das Auseinanderdriften selbst befördert hatte, zeigte er nun deutliches Bemühen, beide Tendenzen zu stoppen. Er warb so ausführlich um Vertrauen für sich, dass man es schon als Flehen begreifen konnte, abgemildert durch eine gehörige Portion Eigenlob. Sich selbst rief Seehofer zum Familienpatriarchen aus, nunmehr ohne eine Spur von Rückzugswillen. Die CSU verharrt also im Unruhestand.

Westdeutsche Zeitung

Die CSU scheint im Augenblick zwar so sicher an der Macht zu sein, wie eh und je. Doch ist der Abgrund nah. Das eine Problem ist die Konkurrenz der AfD, die in Bayern zwar noch nicht so stark ist wie andernorts, aber auch dort dazu führt, dass die CSU ihre absolute Mehrheit zu verlieren droht. Wenn sie aber mit anderen koalieren muss - womöglich sogar mit den verhassten Grünen oder der SPD - dann verliert sie ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit, dann ist sie eine Partei wie jede andere.

Tagespiegel

Wer diese Christlich-Soziale Union nicht nur als Karikatur kennt, war im letzten Jahr ja öfter mal versucht, die Partei gegen ihre eigene Führung in Schutz zu nehmen. Nein, der ministrierende Generalsekretär ist nicht repräsentativ für die letzte kleine, letzte große Volkspartei der Republik! Deren Spektrum reicht von der bürgerlichen Öko-Aktivistin über den tief christlich geprägten guten Samariter und eine breite Basis sehr pragmatischer und lebenstüchtiger Menschen bis, ja, an den Rand zur AfD. Nur ist das eben auch in der CSU bloß ein Rand. Diesen Rand haben Seehofer und seine Truppen ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit und der politischen Debatte gerückt.

taz

Sollte irgendjemand gehofft haben, die CSU würde doch noch damit rausrücken, was sie mit dem ominösen Begriff der Leitkultur genau meint, so wurde er beim Parteitag in München endgültig enttäuscht. Dabei hatte die Partei schon Anfang des Jahres großspurig gefordert, eben jene Leitkultur müsse unbedingt in die bayerische Verfassung. Offenbar ohne zu wissen, was darunter zu verstehen ist. Genauso gut hätte sie fordern können, die bayerische Wrdlbrmpfdigkeit in die Verfassung aufzunehmen.

Mittelbayerische Zeitung

Eigentlich müsste die CSU bestürzt sein, dass ihr im Deutschlandtrend soeben klar bescheinigt wurde, in erster Linie Eigeninteressen statt das bundespolitische Ganze im Blick zu haben. In der CSU verstehen sie das aber nicht als Vorwurf. Es ist Teil des Markenkerns, die Interessen der CSU und Bayerns gelten dabei als deckungsgleich. Das funktioniert, solange die Bürger im Freistaat dieser Logik folgen. Doch die Bindekraft lässt nach. Die Kapriolen der vergangenen Monate mögen von der CSU-Basis als Teil einer noch verborgenen guten Strategie akzeptiert werden. In ihrem Wählerklientel sieht man das weit kritischer.

Augsburger Allgemeine

Der Aufstieg der AfD hat die CDU ins Tief gestürzt und könnte die CSU 2018 die absolute Mehrheit in Bayern kosten. Es ist im gemeinsamen Interesse, die neue rechte Konkurrenz klein zu halten. Und das ist noch immer möglich, wenn sich Merkel und Seehofer auf eine Art Arbeitsteilung verständigen, die Kanzlerin die Lektionen von 2015 beherzigt und die CSU der ewigen Versuchung widersteht, im Kampf gegen rechts den Bogen zu überspannen und sich populistische Parolen zu eigen zu machen.
   

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