Bomben in Dresden

Klassik Radio Meinungssache

bomben-in-dresden © Fotolia_Orlando Bellini
Die wichtigste Nachricht zuerst: bei den feigen Bombenanschlägen in Dresden gab es – zum Glück – keine Opfer. Die Polizei verstärkt die Präsenz in der sächsischen Hauptstadt. Die dreitägigen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit werden von 2600 Polizisten gesichert und alle Moscheen der Stadt stehen unter Objektschutz. Die Pressestimmen.
Westfalenpost

Noch sind die Täter unbekannt, doch es wäre schon sehr überraschend, wenn sie nicht aus der rechtsradikalen Ecke kämen. Der Sprengsatz gegen das Kongresszentrum, in dem der Bundespräsident am Tag der deutschen Einheit einen Empfang geben wird, ist ein symbolischer Anschlag auf die obersten Repräsentanten des Staates, und der Sprengsatz gegen die Moschee ist ein sehr konkreter Anschlag auf das Leben von Muslimen im Land. Die 'Fremdenfeindlichkeit', von der die Dresdner Polizei ausgeht, trifft es also nicht ganz: Der Terror richtet sich gegen die Bundesrepublik, ihre Werte und ihre Menschen.

Trierische Volksfreund

Dass es keine Toten gab, war Zufall. Rechts gibt es genau wie bei den Islamisten vernetzte Strukturen, ja regelrechte Terrororganisationen, wie es der NSU war. Rechts gibt es aber ebenso auch Einzeltäter, die sich selbst oder in kleinen Gruppen radikalisieren. Erst greifen sie Sachen an, Autos, Heime, Büros, Moscheen. Dann Personen - lokale Politiker, Ausländer. Die Radikalisierung der Rechten ist derzeit mit Händen zu greifen, die Zahl der Angriffe nimmt rasant zu. Zum 26. Jahrestag der Deutschen Einheit stehen nicht nur Dresden und Sachsen vor der Herausforderung, dagegen viel entschlossener als bisher vorzugehen.

Süddeutsche Zeitung

Fünf Jahre nach der Aufdeckung der Mordserie des NSU und 24 Jahre nach den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen hat sich am gewalttätigen Rassismus wenig geändert. Im Gegenteil: Die Gewalttätigkeit grassiert. Das Bundeskriminalamt spricht im jüngsten Lagebericht vom 'Klima der Angst', das Rechtsextremisten in weiten Teilen Ostdeutschlands geschaffen haben. Politik und Staat haben es in über zwei Jahrzehnten nicht geschafft, das Klima zu wenden. Das ist die bittere Botschaft der Anschläge von Dresden.

Leipziger Volkszeitung

Dresden und damit auch der Freistaat Sachsen stehen nach diesem Anschlag natürlich am Pranger, das Zentrum der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zu sein. Die Vorfälle in Heidenau, Freital und jüngst in Bautzen geben diesen Stimmen recht. Dies ist natürlich ein Zerrbild, das der Mehrheit der Sachsen nicht gerecht wird. Ministerpräsident Stanislaw Tillich bietet am Tag der Einheit Gelegenheit, das geradezurücken. Dafür muss er aber klar machen, dass es für Fremdenfeindlichkeit im Freistaat null Toleranz gibt und Sorgen nicht in Hass umschlagen dürfen. Hoffentlich gelingt das.

Berliner Zeitung

Die Anschläge von Dresden wirken wie Warnungen seitens der Täter. Man beließ es bei Sachschäden, hinterließ jedoch die Botschaft: 'Wir können auch anders.' Leider besteht daran kein Zweifel.

Neues Deutschland

Dresden will den Tag der deutschen Einheit feiern. Stellvertretend für die ganze Republik. Gibt es Grund dazu? Falls ja, welches Dresden, welche Republik will man präsentieren? So lendenlahm wie die Landesregierung agiert und Rassismus und Gewalt gedeihen ließ, reicht Weltoffenheit gerade noch bis zu Bier und Eierschecke. Beides soll Heuchlern wie Hetzern im Halse stecken bleiben.

Kölner Stadt-Anzeiger

Eher lose rechte Gruppen und  zunehmend auch Einzeltäter terrorisieren durch die schiere Zahl ihrer Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, Politiker und Journalisten  nicht nur  die Betroffenen, sondern  auch die offene Gesellschaft, in der wir leben. Sie versetzen die Beteiligten in Angst und Schrecken und versuchen,  ihnen ein entsprechend  defensives Verhalten aufzunötigen – mit Erfolg.

Neue Osnabrücker Zeitung

Die Täter wenden sich aber nicht nur gegen den Islam als Symbol für Fremdes und Veränderung. Sie haben einen weiteren Sprengsatz dort gezündet, wo der Bundespräsident am Montag den Tag der Deutschen Einheit feiert. Von Absperrband umflattert steht dieser Ort nun für eine neue Eskalationsstufe. Von „Merkel-muss-weg-Rufen“ über einen Anschlag ohne Verletzte ist es nicht mehr weit bis zu Gewalt gegen Repräsentanten einer Politik, die die Täter offenbar verabscheuen. Die Anschläge zeigen: Hier schreckt jemand nicht davor zurück, öffentlich und aggressiv Macht zu demonstrieren.
   

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