Britischer Bad Boy

Pianist James Rhodes auf Deutschland-Tour

britischer-bad-boy © Richard Ansett
Er hat sich den Namen Sergei Rachmaninoff in kyrillischen Buchstaben auf den rechten Unterarm tätowieren lassen, er trägt einen Dreitagebart und eine Hipsterbrille; er ist so eine Art „Nigel Kennedy des Klaviers“ – Pianist James Rhodes. Ein unangepasster Musiker, der jetzt zum ersten Mal auf Konzerttournee in Deutschland ist.
James Rhodes ist anders als andere Konzertpianisten – nicht nur, dass er mit T-Shirt und Turnschuhen auf die Bühne kommt, auch am Telefon ist er gnadenlos direkt und so euphorisch bei der Sache, dass er in seinem mitreißenden Redefluss nur schwer zu stoppen ist. Das erste Mal also ist er in Deutschland, im Land seiner musikalischen Helden. Bach, Brahms, Beethoven, alle Komponisten, die James Rhodes seit Jahren verehrt und bewundert, kommen aus Deutschland. Und deren grandiose Musik steht im Mittelpunkt seiner Konzerte.

Rhodes führt in die Werke ein, er erzählt, in welchem Kontext sie entstanden sind und was sie ihm bedeuten. Für ihn geht es einzig und allein um die Musik. Und die hat ihm mehrmals in seinem Leben gerettet, wie er in seiner Autobiografie „Der Klang der Wut“ schreibt. Er erzählt davon, wie er als Kind jahrelang von seinem Sportlehrer vergewaltigt wurde, er berichtet von seiner Scham, seinen Selbstmordversuchen und wie er in der Psychiatrie ruhiggestellt wurde. Und er beschreibt, wie ihm die klassische Musik das Leben gerettet hat, vor allem die von Bach.

Und deswegen ist es ihm auch ein so großes Anliegen, seinen Konzertbesuchern die Schönheit der Musik nahe zu bringen, sie in die Biographie des jeweiligen Komponisten einzuordnen. "Wir schalten unsere Telefone aus, das Licht geht aus, wir lassen alle sozialen Netzwerke außen vor und konzentrieren uns nur auf die Musik, lassen uns fallen und sind für zwei Stunden in einem anderen Kosmos. Das ist in den heutigen hektischen Zeiten absolut nötig. Das brauchen wir."

Rhodes spielt Beethoven, Chopin, Prokofjew und vor allem Bach und begeistert damit auch ein jüngeres Publikum, das bislang wenig Zugang zur Klassik hatte, aus mehreren Gründen: "Die Kartenpreise sind oft zu hoch", sagt James Rhodes, "die jungen Leute haben keine Lust, Anzug und Krawatte zu tragen und sich mucksmäuschenstill und andächtig zu verhalten. Die Musik sollte im Vordergrund stehen, nicht die Art der Darbietung, nicht das ganze Zeremoniell drum herum."

James Rhodes ist gerade auf seiner ersten Deutschland-Tournee, spielt in Dresden und in München – und nächste Woche ist er in Mainz, Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg zu erleben.

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