Der Zirkus geht zuende

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Email-Affäre, Mauer zu Mexiko, geheime Auftritte vor der Wall Street, Einreiseverbot für Muslime, intransparente Spenden an die Stiftung, Beleidigungen, Lügen, Häme, Drohungen… Dieser US-Wahlkampf war einer der schlimmsten aller Zeiten: Heute findet er endlich ein Ende: Amerika wählt. Morgen wachen wir entweder mit einer Präsidentin Hillary Clinton oder einem Präsidenten Donald Trump auf. Die Pressestimmen am Wahltag.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Sicher ist: Die Sonne wird aufgehen, und mutmaßlich wird feststehen, wer Barack Obama im Weißen Haus nachfolgen wird, jenem Präsidenten, der vor acht Jahren Hoffnung und Versöhnung angeboten hatte und der doch einen politisch-gesellschaftlichen Graben hinterlässt, der noch tiefer und breiter geworden ist. Einen Geist der Versöhnung, der Einigkeit und der Zivilität hätten die Vereinigten Staaten bitter nötig. Der Wahltag, eigentlich ein Festtag der Demokratie, mahnt zur Besinnung. Amerika darf seine politischen Leidenschaften nicht bis ins Zerstörerische treiben. Jetzt hat es die Wahl.

Leipziger Volkszeitung

Die Deutschen sind immer klüger. Denn sie erlauben sich den Luxus, erst mal den Ausgang der Dinge abzuwarten - und dann ihre Noten zu verteilen. Genau diese Zuschauerhaltung aber wird Washington ihnen in Zukunft nicht mehr durchgehen lassen, auch dann nicht, wenn, wie es die Mehrheit der Deutschen wünscht, Hillary Clinton gewinnt. Was sagt Berlin, wenn eine Präsidentin Clinton Flugverbotszonen in Syrien durchsetzen will, auch um den Preis einer Krise mit Russland? Die Wahrheit ist: Es wird, egal wer gewinnt, immer Stress geben mit den USA.

Neue Osnabrücker Zeitung

Egal, ob Hillary Clinton oder Donald Trump die Wahl gewinnt, jeder Kandidat ist belastet. Bei dieser Wahl rächt sich zudem, dass sich das politische Establishment von der Basis entfremdet hat. Die weiße Mittelschicht fürchtet den Abstieg, die von Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung ist nicht vollendet, die Infrastruktur in einem schlechten Zustand, die Hälfte der Amerikaner hat noch nicht einmal 1000 Dollar Ersparnisse. Obama hinterlässt große Aufgaben, etwa in Syrien, wo sich die Weltmacht Amerika nur zögerlich engagierte. Sollte Clinton gewinnen, wird sie kaum Gestaltungsmöglichkeiten haben, auch weil sie nicht in beiden Parlamentskammern eine Mehrheit hinter sich haben dürfte. Alles in allem denkbar schlechte Voraussetzungen zum Regieren.

Stuttgarter Zeitung

Ein Triumph Trumps wäre nicht der Auftakt zur Apokalypse, aber ein Albtraum für Amerika und viele andere in der Welt -  nicht zuletzt für die Bundesregierung. Wenn Trump die Wahl gewinnen sollte, würde das die Architektur der globalen Ordnung ins Wanken bringen und Zweifel an der Überlebenstauglichkeit von Demokratien liberaler Prägung schüren.

Nürnberger Nachrichten

Totgesagte leben länger, auch in der Weltpolitik. Wichtige Faktoren, die Amerikas Rolle als weltweit führende Supermacht verankern, dürften zumindest auf mittlere Sicht in Kraft bleiben. Beispiel militärische Machtprojektion: Die USA verfügen über mehr Flugzeugträger als alle anderen Länder der Erde zusammen. Ihre Volkswirtschaft ist größer als die kombinierte Wirtschaftsmacht von China und Russland. Es gibt derzeit kein anderes Land, das die USA als Weltmacht herausfordern könnte. Das amerikanische Jahrhundert dauert an - ist aber keine Garantie für weltpolitische Stabilität.

Mitteldeutsche Zeitung

Die USA sind so polarisiert wie seit dem Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert nicht. Die gesellschaftliche, politische und mediale Kluft im Land ist sehr tief. Es existieren nur noch parallele Lebenswelten, die nicht mehr miteinander kommunizieren. Es werden nicht mehr Argumente oder Meinungen ausgetauscht, sondern Unterstellungen - oder es fliegen gleich die Fäuste

Die Welt

Trumps rhetorisch beispiellos niveauloser Wahlkampf hat in den USA einen gesellschaftlichen Comment politischer Manieren zerstört, den bisher alle Parteien beachtet und geachtet haben. Das ist nun anders geworden, auch auf der Linken. Clinton wäre in der Lage, solchen Zorn einzuordnen. Sie war als Teenager rechtskonservativ, als Studentin weit links, heute ist sie eine harte Verfechterin der Mitte. Unterstellt, sie gewinnt die Wahl: Clinton ist führungsstark, auf sie kann Deutschland bauen.

Badisches Tageblatt

Experten setzen auf ihre Verlässlichkeit und ihre Berechenbarkeit - auch wenn das, was so berechenbar ist an Hillary Clinton, nicht unbedingt nach rosigen Zeiten für Europa klingt. Ukraine, Syrien, Putin: Man kann davon ausgehen, dass die einstige First Lady als US-Präsidentin einen deutlich härteren Kurs fahren wird als Barack Obama. Und das bedeutet, dass die militärische Karte wohl deutlich mehr Gewicht erhalten wird. Nach der Wahl sind die Europäer deshalb auf jeden Fall stärker gefordert: Siegt Trump, sind sie in der Pflicht, um das gemeinsame Schiff auf Kurs zu halten, gewinnt Hillary Clinton, werden sie in die Pflicht genommen.
   

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