Des Kaisers neuer Skandal

Klassik Radio Meinungssache

des-kaisers-neuer-skandal © Fotolia_Orlando Bellini
Zeit Online nennt ihn den Scheinheiligen, die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt Lichtgestalt Beckenbauer nur noch eine dubiose Figur und der Kölner-Stadt Anzeiger meint auch Fußballgötter haben ein Verfallsdatum. Die Verstrickung von Franz Beckenbauer in die Skandale um die WM 2006 kommt wieder ins Rollen. Neuer Akt des traurigen Stückes: Beckenbauer soll 5,5 Millionen Euro Honorar vom Wettanbieter Oddset kassiert haben – und das obwohl er stet betont hatte ehrenamtlich im Dienste des Landes tätig zu sein. Die Pressestimmen:
Bild

Acht Jahre lang hat Franz Beckenbauer seine ganze Kraft in den Dienst der WM 2006 gestellt. So entstand das Sommermärchen, von dem Deutschland in jeder Hinsicht profitiert hat. Jeder hätte verstanden, wenn Beckenbauer dafür vom DFB angemessen bezahlt worden wäre. Aber alle Beteiligten betonten, dass er als OK-Chef ehrenamtlich arbeite. 5,5 Millionen Euro sind aus dem WM-Sponsorentopf an Beckenbauer geflossen. Und der DFB hat die Zahlung zunächst nicht mal versteuert. Es ist das nächste traurige Kapitel rund um das Turnier. Ermittlungen wegen Untreue, Betrug und Steuerhinterziehung laufen ja schon. Was kommt als Nächstes raus?

Spiegel Online

Beckenbauer war ein Schönmaler, ein Schlawiner, ein Scheinheiliger, zumindest jenseits des Rasens. Er hat schon immer die Hand aufgehalten, wo es ging; die Höhe seiner Werbeverträge war legendär, sein Umzug in das Steuerparadies Schweiz in den Siebzigern Nachweis eines ausgeprägten und ausgelebten Erwerbstriebs. Damit war Beckenbauer schon früh so, wie heute das ganze Fußballgeschäft ist: vollgestopft mit Geld, aufgepumpt von Gier. Der Unterschied ist, dass sich heute Profis dazu bekennen, zunächst mal dem größten Vertrag und erst dann dem Ball hinterherzurennen. Beckenbauer aber wollte beides sein, ein Fußballprofi, der alle Tricks drauf hat, und eine höhere Instanz, die so etwas nicht nötig hat. Nicht das schnöde Geld, nicht die schmutzigen Tricks. Was bleibt, wird eine Lebensbilanz sein, die besser mit dem Titel als Weltmeistertrainer abgeschlossen gewesen wäre.

Die Zeit

Der Skandal bekommt eine neue Dimension. Beckenbauer und seine Bande standen bislang nur im Verdacht, das Sommermärchen gekauft zu haben. Doch nicht nur weil der letzte Beleg fehlte, kamen sie bei vielen Fans damit durch, auch bei Rudi, Wolfgang, Uwe und den Fußballkameraden. Man ließ es Beckenbauer durchgehen, ihn wieder Bild-Kolumnen schreiben, nach dem Motto: Es musste eben sein, er tat es für sein Land.

Frankfurter Rundschau

Auch Fußballgötter sind sterblich. Je länger und je intensiver sie an ihre Unsterblichkeit glauben, desto schneller nähern sie sich dem Verfallsdatum. Kein anderer deutscher Fußballgott hielt sich so lange und so intensiv für unsterblich wie Franz Beckenbauer – umso dramatischer, vor allem umso komischer ist jetzt seine Verwandlung vom Göttlichen ins Menschliche.

Westfälische Nachrichten

Er hat es doch nur gut gemeint und hat die WM, die er 1974 als Spieler und 1990 als Trainer für Deutschland gewonnen hat, eben auch 2006 ins Land geholt. Warum? Weil er es konnte. Für Deutschland, nicht für sich selber. Diese Mär hat jetzt ein Ende: endlich. Franz Beckenbauer hat immer viel Wert darauf gelegt, ehrenamtlich für Deutschland und den Fußball gearbeitet zu haben. Amtlich ist jetzt aber nur, dass sein Engagement mit Ehre nichts zu tun hatte.

Tagesspiegel

Wenn Idole fallen und Fußballkaiser abdanken, dann verliert die Öffentlichkeit ein Stück freudiger Erinnerung. Die WM 2006 war ein Ereignis der Weltläufigkeit und der Leichtigkeit, das ein neues Bild von Deutschland schuf. Eines, das nach außen leuchtete und nach innen einte. Nur dass die Weltmeisterschaft nicht leicht zu bekommen war in einer korrupten Funktionärswelt. Die Frage, wie das Märchen Wahrheit werden konnte, wurde im Moment des Glücks lieber nicht gestellt. Deutschland hat es sich allzu leicht gemacht. Wie Beckenbauer.

Die Welt

Schon bei der Geschichte um jene 6,7 Millionen Euro, die sein Organisationskomitee angeblich an den Weltverband Fifa zahlen musste, um im Gegenzug WM-Zuschüsse zu bekommen, wand sich Beckenbauer in dünnen Rechtfertigungen. Er habe blind unterschrieben, was immer seine Berater ihm vorgelegt hätten. Von der einstigen Lichtgestalt Beckenbauer bleibt zunehmend weniger übrig, je mehr sie ausgeleuchtet wird
   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Beste Adressen

Deutschlands Besten Adressen

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Länder dieser Erde

Von gutem Geschmack für guten Geschmack

Die Webcam

Der schönste Blick auf Augsburg