Die Rückkehr

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Bei der italienischen Mafia ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Pate nach verbüßter Haftstrafe die Führung der Organisation wieder übernimmt und sein Statthalter zurück in die zweite Reihe geschickt wird. Das schreibt die Stuttgarter Zeitung – und es geht nicht um eine mafiöse Vereinigung in Italien, es geht um den den FC Bayern München. Dort steht Uli Hoeneß vor seinem Comeback, im November soll er wieder zum Präsidenten gewählt werden. Die Pressestimmen
Spiegel Online

Die Position des FC Bayern läuft faktisch darauf hinaus, die Steuerhinterziehung von Hoeneß als private Verfehlung zu behandeln, wie ein Alkoholproblem oder Spielsucht. Hoeneß aber bekam als Präsident des Klubs Millionen von einem ehemaligen Adidas-Boss überwiesen. Adidas war und ist einer der wichtigsten Partner des FC Bayern. Es ist deshalb keine Missachtung der großen Verdienste von Hoeneß, wenn man feststellt, dass es gute Gründe dafür gäbe, jeden Anschein von Interessenkollisionen zu vermeiden. Aus symbolischen Gründen hätte man zumindest die Konsequenz ziehen können, eine andere Rolle für Hoeneß zu finden. Der FC Bayern aber hat lieber seine Satzung geändert.

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Jeder hat eine zweite Chance verdient. Niemand verbietet einer Person nach einer abgebüßten Haftstrafe, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Im Gegenteil. In einem der prestigereichsten Fußballklubs der Welt ist so eine Personalie dennoch heikel. In den kommenden Monaten und Jahren wird Hoeneß unter dem Brennglas stehen. Jede Aussage, jede Handlung, jede Geste wird interpretiert und im Zweifel angegriffen werden. Da muss man kein Prophet sein. Das könnte einem Verein auf Dauer schaden, dieses Risiko ist offenbar und geht der FCB bewusst ein. Nicht jeder Klub und nicht jeder Mensch könnte diesen Druck und diese vorprogrammierte Polarisierung ertragen. Sowas geht nur bei den Bayern.

Zeit Online

Zweifel werden auch gegen den Präsidenten und Aufsichtsratschef Hoeneß ins Feld geführt, vereinzelt sogar unter den Mitgliedern. Sie sind moralischer Art. Er ist durch sein Gezocke nicht nur seiner Rolle als Führungskraft nicht gerecht geworden. Er hat vor allem ein Verbrechen gegen das Gemeinwohl begangen. Allerdings hat er es verbüßt. Kurios ist auch, dass bald die Aufsichtsräte Hoeneß und Winterkorn die FC Bayern München AG kontrollieren werden. Jedenfalls gilt aber das Prinzip der Resozialisierung auch für Fußballpräsidenten.  Ohnehin ist das kreative Steuermodell beim FC Bayern eine von vielen Traditionen. Karl-Heinz Rummenigge ist vorbestraft, weil er Luxusuhren nicht verzollte. Franz Beckenbauer musste schon als Spieler Millionen Mark ans Finanzamt zurückzahlen. Selbst Boris Becker durfte in den Verwaltungsbeirat, obwohl er wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Nicht die einzigen Beispiele.

Stuttgarter Zeitung

Bei der italienischen Mafia ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Pate nach verbüßter Haftstrafe die Führung der Organisation wieder übernimmt und sein Statthalter zurück in die zweite Reihe geschickt wird. Im deutschen Fußball ist es dagegen keine Selbstverständlichkeit, dass der Präsident nach einem Gefängnisaufenthalt zurück an die Spitze kehrt. Der FC Bayern und der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Uli Hoeneß, der im November wieder Karl Hopfner als Präsident ablösen soll, sorgen für ein zwiespältiges Novum.

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Bayern braucht Hoeneß wieder. Nach innen als Korrektiv, denn auch beim Rekordmeister läuft nicht alles meisterhaft. So mischte Hoeneß in seiner Freigänger-Zeit die Nachwuchsabteilung auf. Nach außen, weil er die Herzen der Bayern-Fans berührt und die Bundesliga bewegt. Mal polternd, mal charmant, immer interessant.

Westdeutsche Zeitung

Die Rückkehr vollendet die Zeit eines merkwürdigen ethischen Verständnisses in diesem Verein. Ein Verständnis von Verharmlosung des Rechtsbruchs, das an der Säbener Straße über die Zeit der Hoeneß-Haft am Leben gehalten wurde – und die Rückkehr des Wurstfabrikanten nun erst möglich macht. Hoeneß selbst hatte den Urteilsspruch des Richters seinerzeit zwar hingenommen, aber nie wirklich akzeptiert. Das passte nicht zum überhöhten Selbstbildnis, zum Leben mit Macht und Moneten. Zunehmend ohne persönlichen Kompass hatte er sich eine Umgebung von Schleimern und Profiteuren geschaffen, die stets bei ihm blieben – und nun – folgerichtig – kein Wort erheben. Um es klar zu sagen: Hoeneß Steuerbetrug war von erheblicher Dimension, eine Rückkehr ins Amt auf diesem Niveau ist wohl beispiellos. Demut hätte ihm besser zu Gesicht gestanden, vielleicht als Berater des Clubs. Stattdessen hat Club mit platzierten Nachrichten und Interviews aus der Parallelwelt Fußball über Monate die Rückkehr vorbereitet. Tenor: Unersetzlich, feiner Kerl, gut, dass er wieder da ist.
   

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