Ein paar Jahre mehr

Klassik Radio Meinungssache

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Wissen Sie wie lange sie noch arbeiten müssen? Geht es nach der Bundesbank werden es noch ein paar Jährchen mehr. Die schlägt nämlich vor, dass das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre steigt.
Berliner Zeitung

Bei aller Kritik an der Scheingenauigkeit von Langzeitprognosen im Allgemeinen und methodischen Schwächen der Bundesbank-Berechnung im Besonderen lenkt der provokative Ruf der Frankfurter Geldhüter nach der Rente mit 69 den Blick also in die richtige Richtung: Im Augenblick sind die Rentenkassen noch gut gefüllt. Doch schon in ein paar Jahren wird sich das ändern. Eine Abkehr von den rot-grünen Rentenreformen, wie sie von CSU-Chef Horst Seehofer bis zu SPD-Chef Sigmar Gabriel leichtfertig propagiert wird, mag kurzfristig populär sein. Langfristig würde sie das Dilemma des Umlagesystems dramatisch verschärfen.

Mitteldeutsche Zeitung

Bei aller Kritik an der Genauigkeit von Langzeitprognosen lenkt der Ruf nach der Rente mit 69 den Blick in die richtige Richtung: Die Kassen sind noch gut gefüllt. Doch schon in ein paar Jahren wird sich das ändern. Die Politik sollte daher überlegen, ob sie im Wahlkampf 2017 mit wohlfeilen Versprechungen werben will. Das wäre eine Kampfansage an die junge Generation.

Südwest Presse

Die Reaktionen sind seit Jahren gleich, und sie bleiben gleichermaßen skandalös bis beschämend. Sobald es um die Erhöhung des Renteneintrittsalters geht, rauscht ein Proteststurm durch Politik, Parteien und Verbände.Um die Klientel der älteren Wähler ruhig zu stellen, soll die Zukunft der heutigen Schüler, Azubis und Studenten mit einem Schuldenberg verbaut werden. Politik und Gesellschaft müssen endlich die Tatsache akzeptieren, dass die Generation der Jüngeren immer kleiner wird und wir alle miteinander immer älter. Die Zeit, in der wir Rente bekommen, wird deshalb immer länger. Auf Dauer ist das - im heutigen System - nicht leistbar. Diese Wahrheit hat die Bundesbank ausgesprochen. Mehr nicht.

Neue Westfälische

Die Bundesbank hat recht, aber nur teilweise. Tatsächlich ist die Altersvorsorge renovierungsbedürftig. Doch das muss flexibel gestaltet werden. Flexibler als heute und als von der Bundesbank vorgeschlagen. Sonst hat die Verlängerung der Lebensarbeitszeit nur zwei Effekte: Quälerei für Betroffene und deutliche Rentenabschläge mit Altersarmut. Denn angesichts extrem niedriger Zinsen funktioniert auch private Vorsorge nur mangelhaft. Also: Wer länger arbeiten kann und möchte, sollte das unbürokratisch tun können und auch Vorteile daraus ziehen. Individuelle Belohnung ist besser als kollektive Strafe. Wer aus gesundheitlichen Gründen eben nicht bis zum 69. Geburtstag schaffen kann, darf nicht mit Abschlägen bestraft werden. In einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt, in einer Zeit mit immer stärker gebrochenen Lebensläufen, können starre Altersgrenzen nicht mehr funktionieren. Das sollten auch die Bundesbanker bedenken.

Die Welt

Die Bundesbank tut, was viele Parteien und Politiker verdrängen: unangenehme Wahrheiten aussprechen. Zum Beispiel, dass es nötig sein wird, das Rentenalter bis 2060 auf 69 Jahre zu erhöhen, um das Versorgungsniveau zumindest ansatzweise zu stabilisieren. Der Wohlstand im Alter muss durch eine längere, andere Arbeitsbiografie verdient werden. Wertschöpfung und Wertschätzung der Mitarbeiter müssen in eine neue Balance gebracht werden.

Münchener Merkur

Bezog ein Mann im Jahr 1980 im Schnitt elf Jahre Rente, sind es heute schon 17,5. Da sich dieser Trend beschleunigen dürfte, muss sich der Staat mittelfristig etwas einfallen lassen, wie er das Rentensystem in den Jahren ab 2030 finanzieren kann. Schon immer galt: Nach der Reform ist vor der Reform. Gut möglich, dass dann nochmals über die Lebensarbeitszeit gesprochen werden muss. Doch das ist ferne Zukunftsmusik. Im Jahr 2030 wird Merkel 76 Jahre alt – und vermutlich ihren Ruhestand genießen. Dass sie mehr als ein Jahrzehnt vorher ein derart heißes Eisen anpackt, darf als ausgeschlossen gelten. Die Kanzlerin mag in der Flüchtlingsfrage erstaunliche Standhaftigkeit (ihre Kritiker sagen: Sturheit) beweisen – einen politischen Selbstmord plant sie vermutlich nicht.

Börsen Zeitung

Dass sich Politik und viele gesellschaftliche Gruppen nicht um Logik und Fakten scheren, musste die Bundesbank bereits einmal 2008 und 2009 erfahren. Damals hatte sie ebenfalls eine schrittweise Erhöhung des Rentenzugangsalters gefordert - und wütenden Protest geerntet. Noch vor wenigen Monaten löste das Institut der deutschen Wirtschaft mit einer ähnlichen Forderung einen regelrechten Shitstorm aus. Auch die Bundesregierung eiert bei diesem Thema herum und verschließt die Augen vor der Realität. Alle ihre Vorausberechnungen enden konsequenterweise 2030, in jenem Jahr, auf das sich die letzte große Rentenreform bezieht. Das hat seinen Grund: Danach steht der nächste Rentenschock bevor. Hätte man bloß frühzeitig Vorbereitungen getroffen, wird man einst der Politik vorwerfen.

Nordwest Zeitung

Der so genannte Generationenvertrag, der einerseits den Alten steigende monatliche Zahlungen in Aussicht stellt und andererseits der dank sinkender Geburtenrate schwindenden Gruppe der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine noch akzeptable Belastung versprach, war kein Vertrag - sondern ein Märchen. Die Bundesbank macht sich deshalb verdient, wenn sie mit der Hoffnung auf ein Happyend aufräumt. Die Losung 'Weiter so' führt nicht ins Paradies, sondern in die Pleite. In Wahrheit gibt es nur wenige Alternativen: Sinkende Renten, dramatisch steigende Abgaben für die kommenden Generationen oder ein späteres Renteneintrittsalter.
   

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