Ende der Sperrtafeln

Klassik Radio Meinungssache

ende-der-sperrtafeln © Fotolia_Orlando Bellini
Vor 7 Jahren wurde Barack Obama als erster schwarzer US-Präsident vereidigt, die EU und Kanada starten die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen Ceta, Slumdog Millionär erhält den Oscar als Bester Film, Michael Jackson stirbt und… der Streit zwischen dem Video-Portal YouTube und der Verwertungsgesellschaft Gema beginnt. Es geht um die Vergütung von Künstlern, die auf YouTube auftauchen. In Folge des Streits werden die entsprechenden Videos mit Sperrtafeln versehen und gesperrt. Dieser Streit ist jetzt vorbei. YouTube und die Gema einigten sich auf eine Vergütung für die Künstler – wie diese aussehen soll, wurde nicht bekannt gegeben. Die Pressestimmen.
Braunschweiger Zeitung

Die Verwertungsgesellschaft hat tatsächlich Youtube dazu gebracht, Geld zu zahlen, welches diese an Musiker ausschüttet. Der Gema ist damit gelungen, was deutschen Verlagen verwehrt blieb: am Gewinn von Google, hier in Form der Konzerntochter Youtube, zu partizipieren. Am zweifelhaften Geschäftsmodell der Gema ändert das wenig. Zwar ist die Grundidee gut, die Rechte von Musikern durchzusetzen, die Ausschüttungslogik allerdings bevorzugt große Plattenfirmen, während kleine Labels und unabhängige Künstler leer ausgehen. Zudem macht die Gema mit ihrem Gebührenmodell gerade kleineren Clubs und Discos das wirtschaftliche Überleben schwer. Es wäre also falsch, die Gema als Vorkämpfer für die Musikvielfalt zu feiern, in erster Linie hat sie ihre Machtposition weiter gefestigt.

Leipziger Volkszeitung

Erstmals unterwirft sich ein US-Internetgigant Regeln und Konventionen, die im Deutschland der Offline-Zeit entstanden sind. Bislang tun sich gerade Internetmultis aus den USA damit schwer. Youtube etwa hatte stets argumentiert, kein Musikdienst, sondern ein bloßer Plattformanbieter zu sein - und damit jede Verantwortung für die verbreiteten Inhalten von sich gewiesen. Mit der Einigung erkennt das Unternehmen an, dass es sich hier nicht davonstehlen kann.

Neue Osnabrücker Zeitung

Am Ende wird sich Youtube das Geld, das an die Gema fließt, zurückholen, vermutlich über Zusatzwerbung. Wer dem entgehen will, muss zahlen: Zurzeit bereitet Youtube ein werbefreies Abo-Modell vor. Das wäre ohne Gema unattraktiv, was das Ende des Streits erklärt. Den Frieden genießen dürfen die Verbraucher. Sie werden ihn auch bezahlen.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Auf den ersten Blick nur ein Ärgernis, vermittelten die Blockade und das längst zum Symbol gewordene Negativ-Smiley nämlich auch eine Ahnung davon, dass es sich bei der viel beschworenen Kostenlos-Mentalität im Internet in Wahrheit oft um Diebstahl geistigen Eigentums handelt. Legendär ist bis heute der Wutausbruch des Buchautors und Sängers Sven Regener, der vor vier Jahren mit energischen Kraftausdrücken darauf hinwies, dass der milliardenschwere Youtube-Eigentümer Google keinen Cent zu verdienen hätte, wenn es all die Kreativen und anderen Urheber nicht gäbe, die für Musik, Texte, Filme und, ja, auch Nachrichten sorgen.

Tagesspiegel

Was nutzt die Kunst, wen sie keiner sehen, hören, lesen kann? Youtube und Google werden zu Partnern. Die Einigung kann den Weg weisen. Auch für den Journalismus werden ähnliche Debatten mit Google geführt; auch hier geht es um den Umgang mit geistigem Eigentum, um eine wechselseitige Abhängigkeit. Wie die Lizenzvereinbarung zustande gekommen ist, außergerichtlich, erhöht auch den Druck auf die Politik. Denn noch immer wird um ein modernes, der digitalen Lebenswirklichkeit angepasstes Urheberrecht gestritten. Betroffen ist da noch viel mehr, nicht nur der Journalismus, auch die Wissenschaft mit ihrer „Open-Access“-Debatte ringt mit den Fragen zur Urheberschaft, zur digitalen Verfügbarkeit und zu Nutzer-Interessen. Das Ende des Streits zwischen Gema und Youtube kann befriedend wirken – und wegweisend. Alle, die sich in einem Kampf zwischen digitaler und analoger Welt wähnen, sehen, dass Zusammenarbeit unabhängig von Gerichten möglich ist. Und sogar weiterführt. Weitere Signale in dieser Richtung könnten rasch folgen. Hoffentlich.

Stuttgarter Nachrichten

Dass überhaupt bezahlt wird, ist ein Erfolg. Egal ob Wochenmarkt, Supermarkt oder Flohmarkt – überall gibt es Ware gegen Geld. Im Internet hat sich die Umsonstkultur breitgemacht. Vor allem die Schöpfer von geistigem Eigentum leiden darunter. Dies zu ändern ist ein langer und mühsamer Weg, aber er ist richtig. Wenn Youtube nun bezahlt, dann wird der Endverbraucher zunächst nicht zur Kasse gebeten. Er wird früher oder später dadurch bezahlen, dass er mehr Werbung über sich ergehen lassen muss.
   

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