Geschlossener Raum

Klassik Radio Meinungssache

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"Die Räumlichkeiten des Generalkonsulats in Istanbul stehen am 13. November nicht zur Verfügung" – mit diesem Satz hat das Auswärtige Amt ein Konzert der Dresdener Sinfoniker in Istanbul abgesagt. Die Musiker wollten das Stück Aghet im Konsulat aufführen: es beschäftigt sich mit dem Völkermord an den Armeniern. Das Auswärtige Amt teilte mit, die Aufführung sei verschoben. Ein neuer Termin wurde allerdings nicht genannt. Die Pressestimmen.
Volksstimme

Der Klangkörper wollte im Deutschen Konsulat in Istanbul das Stück 'Aghet' aufführen, das an die Armenier-Massaker gemahnt, und hat sogar Präsident Tayyip Erdogan eingeladen. Das Konzert fällt aus. Weil das Auswärtige Amt den Saal nicht freigibt. So kann Erdogan die ungeliebte Einladung getrost entsorgen.

Leipziger Volkszeitung

Natürlich war es ein bisschen verrückt von den Dresdner Sinfonikern, das deutsch-türkisch-armenische Musikprojekt 'Aghet' in Istanbul aufführen zu wollen. Und natürlich war es noch verrückter, dazu den türkischen Präsidenten Erdogan einzuladen. Die Reaktion des Auswärtigen Amts kommt nun keineswegs überraschend, schließlich hatten sich die deutsch-türkischen Aufwallungen gerade beruhigt. Man darf die Absage diplomatisch klug nennen, aber auch feige. Es ist wohlfeil, sich türkische Zensurversuche zu verbitten. Hier macht man das gleich selbst.

General-Anzeiger

Das Einknicken schmerzt, denn anders als der Satiriker Jan Böhmermann mit seinem spätpubertären Erdogan-Poem transportieren die Dresdner Sinfoniker mit 'Aghet' ein seriöses Anliegen. Es geht den Künstlern nicht um Provokation, sondern um Versöhnung.

Neue Osnabrücker Zeitung

Frieden und Versöhnung beginnen mit der Einsicht in das Leid der anderen. Wer nicht auf das Schicksal anderer und zugleich auf eigene Fehler sehen kann, der wird niemals Ausgleich und Verständigung erreichen. Dieser Gedanke leitet Kulturprojekte wie die Konzertaufführung „Aghet“. Sie fokussieren Erinnerung, die alle einschließt. Umso trauriger, dass eine ohnehin schon entschärfte Aufführung im Istanbuler Generalkonsulat nun abgesagt worden ist.

Badische Neueste Nachrichten

Musik verbindet - sagt man. Musik kann aber auch trennen. Eigentlich wollten die Dresdner Sinfoniker Mitte nächsten Monat in Istanbul ihr Stück "Aghet" über den Völkermord an den Armeniern aufführen, doch daraus wird wohl nichts. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte gestern mit, dass die Räume des deutschen Generalkonsulats doch nicht zur Verfügung stehen. So etwas nennt man vorauseilenden Gehorsam. Aus Sorge, Staatspräsident Erdogan und die Regierung in Ankara könnten wieder verschnupft reagieren, zog man in der Bundeshauptstadt die Reißleine.
   

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