Goldene Bilanz?

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Das war es, aber wie war ES? Diese Frage stellt sich nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Und die deutschen Zeitungen versuchen sie zu beantworten. Die Pressestimmen.
Frankfurter Rundschau

Thomas Bach, als Reformer angetreten, entpuppt sich mehr und mehr als Reaktionär. Wenn der Deutsche an der Spitze der olympischen Bewegung nicht willens oder dazu fähig ist, seine aristokratisch geprägte Organisation in einen demokratisch legitimierten Sportverband zu reformieren, dann muss das IOC wenigstens im Kampf gegen Doping Führungsstärke beweisen. Nach dem verheerenden Signal, russische Sportler trotz eines vom Staat organisierten Betrugssystems an den Spielen in Rio teilnehmen zu lassen, müssen starken, aber hohlen Worten endlich Taten folgen. Der Anti-Dopingkampf, den es in manchen Ländern gar nicht gibt, muss losgelöst werden von nationalen Verbandsstrukturen, die immer auch zum Vertuschen und Täuschen einladen.

Nürnberger Nachrichten

Mit seiner Entscheidung, den staatlich gedeckten russischen Betrugssport in großen Teilen starten zu lassen, hat das IOC diesen Spielen und der olympischen Idee schweren Schaden zugefügt. Die verantwortungslose Devise 'Augen zu und durch' mögen die Olympier um Thomas Bach als probates Mittel zur Problemlösung empfunden haben - für Millionen von Sport-Fans in aller Welt ist es eine Bankrotterklärung. Und was fast noch schlimmer ist: Nicht nur der Großteil des Publikums empfindet das so, sondern auch die Mehrzahl der Aktiven. Wenn aber jene Organisation, die genau für faire Rahmenbedingungen und damit für den Schutz der Athleten da ist, bei den Hauptdarstellern nicht mehr glaubwürdig ist, dann ist höchste Gefahr im Verzug.

Die Welt

Nichtsdestotrotz wird das IOC auch diesen Ringezyklus wieder als Riesenerfolg feiern. Dabei war die Organisation durch das Nationale Olympische Komitee Brasiliens alles andere als optimal. Im olympischen Dorf fehlte bei einigen Delegationen die halbe Einrichtung; die Handwerker hatten sie vorsorglich mitgenommen.  Einen der größten Aufreger hatte es schon vor Rio gegeben. Die IOC-Entscheidung, Russland das Startrecht zu geben, sorgte während der Wettkämpfe für entsprechenden Frust. Die Olympiamacher präsentierten der Welt potemkinsche Dörfer. Rund um die olympischen Sportstätten war alles aufgeräumt. Am krassesten zeigte sich diese aufgepropfte Planwirtschaft im Stadtteil Barra da Tijuca. Weit weg vom Zentrum war dort der olympische Park angesiedelt. Das ganze Viertel versprühte den aseptischen Charme jener Märklin-Welt, die Horst Seehofer bei sich im Keller aufgebaut hat. Wer sich während der Spiele nur hier aufgehalten hat, der konnte zwar in die Köpfe der IOC-Herren schauen. In die Seele der Brasilianer aber nicht.

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Dieser wunderbar friedliche Wettstreit der Nationen, der zeitgleich rund um den Globus erlebt, wahlweise bejubelt und durchlitten, aber in jedem Fall heiß diskutiert wird, ist unendlich viel wert. Zu diesem Kern könnten die Olympischen Spiele zurückkehren. Das jedoch wird nur gelingen, wenn der seit Jahren laufende Kampf gegen Doping und Korruption gewonnen wird. Die Probleme lasten schwer auf dem internationalen Sport. Das Interesse an den Spielen lässt bereits nach, in Rio wie auch hierzulande. Da hilft - wie in den Sportstätten - nur der Wille zur Anstrengung und zum Fair Play. Wenn der Glaube an den olympischen Gedanken verloren ginge, würde ein Licht ausgehen, die Welt wäre dunkler. Wer will das verantworten?

Sächsische Zeitung

Das Problem ist nicht das Abschneiden der deutschen Sportler. Das Problem ist das, was nachkommen soll, also der Nachwuchs. Und da, sagen die deutschen Rio-Olympiasieger fast durchgängig, kommt nicht viel. 1980 hieß es nach dem Marathon-Olympiasieg von Waldemar Cierpinski, die Väter sollen Mut haben und ihre Neuankömmlinge doch Waldemar nennen. Heute möchte man rufen: Liebe Eltern, habt Mut, und schickt eure Kinder zum Judo, Kanu, Ringen, Rudern…

Badische Neueste Nachrichten

Olympia in Rio - es war eine Veranstaltung unter ungünstigem Stern - und das lange bevor die XXXI. Ausgabe der Neuzeit eröffnet war. Das Internationale Olympische Komitee, repräsentiert durch seinen Präsidenten Thomas Bach, hat versagt. Die Whistleblowerin Julia Stepanowa, durch deren Hinweise das russische Staatsdoping aufgedeckt wurde, durfte nicht starten. Das Signal, das blieb, war fatal: Dopen, die Klappe halten und sich nicht erwischen lassen - geht. Dopen, auspacken und erwarten, unter neutraler Flagge resozialisiert zu werden - unmöglich.

Südwest-Presse

Sepp Blatter und die Fifa. Das müsste Warnung genug sein. Gewaltig ist der Scherbenhaufen, den korrupte Funktionäre und Absahner im Weltfußball hinterlassen haben.  Spektakulär ist nun in Rio Patrick Hickey im Bademantel abgeführt worden. Die letzten Tage der Sommerspiele erlebte der Ire, Mitglied in der mächtigen Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), in einer brasilianischen Zelle. Wie sich die Bilder doch mit denen der Fifa-Razzien gleichen. Hickey soll in einen blühenden Schwarzhandel mit Eintrittskarten verstrickt sein. Das wirft sofort die Frage auf: Was läuft beim IOC hinter den Kulissen alles noch? IOC-Präsident Thomas Bach muss aufpassen, dass die Marke Olympia nicht immer mehr Kratzer bekommt.

Stuttgarter Zeitung

Die Sommerspiele in Rio wurden von einem oftmals überforderten Gastgeber einfach nur abgewickelt. Hinsichtlich der Sportstätten wurden olympische Standards erfüllt, doch anderswo zeigten sich eklatante Defizite. Es waren die Spiele der viel zu langen Wege, der teils mangelhaften Unterkünfte und auch die Spiele der Improvisation. Die lebensfrohen Brasilianer haben zwar für Stimmung gesorgt, doch als etwas Besonderes wird Rio 2016 nicht in Erinnerung bleiben.
   

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