Kleines Land ganz rechts

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Von einem Aufstand an der Küste schreibt der Münchener Merkur, eine Klatsche für die Etablierten sie die Westfälische und bei Twitter scheibt ein Nutzer nur: Was für ein Debakel. – die Pressestimmen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Berliner Zeitung

Die AfD ist in ihrer heutigen Gestalt und Einflussbreite ohne den Krieg in Syrien und die Fluchtbewegungen aus den arabischen und afrikanischen  Ländern nicht zu denken. Die Partei hat 2015 geschickt umgeschwenkt. Der Euro ist kein Thema mehr, heute mobilisiert sie ihre Wähler einzig und allein mit der Angst vor Fremden. Ihre Lösung: Abschottung. Wer heute AfD wählt, wählt keine real existierende Partei. Er wählt Protest und eine Stimmung. Die AfD bietet sich als ideale Projektionsfläche für Wut, Resignation, Gefühle von Benachteiligung und vor allem Angst an. Keine etablierte Partei, keine anständige Partei macht den Menschen vor, sie könne ihnen die Unwägbarkeiten des Lebens abnehmen. Die AfD tut genau das.

Frankfurter Rundschau

Die Überzeugten, die Verängstigten, Abgehängten und Frustrierten haben es wieder getan. Diesmal in Mecklenburg-Vorpommern. Sie haben mit der Alternative für Deutschland (AfD) eine illiberale, frauen- und ausländerfeindliche Partei gewählt und ihr zum neunten Mal in einen Landtag dieses Landes verholfen. Diesmal hat der Souverän sie gleich zu einer der stärksten Fraktion gemacht. Viele werden nun schreiben von einem Wirbelsturm, hohl, aber zerstörerisch. Andere werden davon reden, dass der Kampf für die Demokratie und ein weltoffenes Land nun endlich geführt werden müsse. Doch die AfD ist weder ein Naturphänomen noch wird sie nach verbalen Attacken verschwinden. Und was machen die etablierten demokratischen Kräfte? Das, was sie bei viel zu vielen Wahlen zuvor auch schon getan haben. Sie versuchen ihre Stimmenverluste schönzureden, weil es ja nur Sieger geben darf.

Die Welt

Es ist eine kleine, eher unwichtige Wahl, aber sie kommt ein Jahr vor der großen, superwichtigen Wahl. Für die Sozialdemokraten hat sich ihr geschmacksarmer Wahlkampf gelohnt. Der zweite große Sieger heißt AfD - mit einem Spitzenkandidaten, der so sympathisch aussieht wie Schlagersänger in der Bonner Republik. Längst reicht der Alternative ein ziemlich durchschnittlicher Wahlkampf zu wirklich außerordentlich beeindruckenden Ergebnissen. Warum? Weil die politische Konkurrenz, Teile der selbstgerechten Zivilgesellschaft, aber auch viele Medien die Rechtspopulisten durch Dämonisierung und historische Übervergleiche unfreiwillig heroisieren.

Tagesspiegel

Noch einen perversen Nebeneffekt hat dieses Wahlergebnis. Die AfD wurde nur deshalb nicht noch stärker, weil die Wahlbeteiligung lediglich verhalten stieg. Steigende Wahlbeteiligungen, so die politische Theorie, sind aber gut für die Demokratie. Wahlenthaltung hingegen ein Indiz für Bürgerferne der um Mandatewerbenden Parteien. Wenn also die Wahlbeteiligung wegen der AfD steigt, ist das eine Ohrfeige für die Volksnähe von CDU, SPD, Linken und Grünen.

Berliner Zeitung

Die Partei hat 2015 geschickt umgeschwenkt. Der Euro ist kein Thema mehr, heute mobilisiert sie ihre Wähler einzig und allein mit der Angst vor Fremden. Ihre Lösung: Abschottung. Wer heute AfD wählt, wählt keine real existierende Partei. Er wählt Protest und eine Stimmung. Keine etablierte Partei, keine anständige Partei macht den Menschen vor, sie könne ihnen die Unwägbarkeiten des Lebens abnehmen. Die AfD tut genau das.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es kommt einiges zusammen, nicht allein 'Merkel muss weg'. Abgelehnt wird auch der Kompromisscharakter der Politik, wie er in den Verhandlungen mit der Türkei zum Ausdruck kommt, oder die Globalisierung, für die TTIP und Ceta die Chiffren sind. Der Furor, der sich aus dieser Entfremdung speist, richtet sich indes nicht gegen eine Partei, sondern gegen alle. Wer meint, ihn nicht ernst nehmen zu müssen, der kommt darin um.

Rheinische Post

Eine 180-Grad-Drehung bei der Flüchtlingspolitik wäre übrigens nicht der richtige Weg. Dieses Land muss und wird immer Verfolgten Schutz bieten. Es wäre auch ein Schlag ins Gesicht der vielen Helfer, die immer noch Menschen ein Dach über dem Kopf bieten, die sie nie zuvor gesehen haben, deren Sprache sie nicht kennen, die vielleicht eine dunklere Haut haben als sie und eine andere Religion. Kleinmütige Angst hatten diese Helfer nicht. Es wird Zeit, dass sich die Politik diesen Menschen zuwendet. Und die Rechten rechts liegen lässt.

Merkur

In der Heimat der Kanzlerin haben sich Multikulti-Träume heute in Albträume verwandelt: für Grüne und Linke, die ein Drittel ihrer Wähler verloren. Noch mehr für die CDU, die in einer ebenso historischen wie demütigenden Niederlage erstmals von den Rechtspopulisten geschlagen wurde. Am meisten aber für die Kanzlerin selbst. Denn es ist ihre ultraliberale Migrationspolitik, die die von Überfremdungsängsten geplagten Wähler in Massen in die Arme der AfD trieb. Merkel-Land ist abgebrannt.

Spiegel Online

Politisch betrachtet ist Mecklenburg-Vorpommern eine Miniatur von einem Bundesland, nahezu gänzlich ohne Bedeutung. Normalerweise. Bei dieser Wahl aber war das anders. Denn diese Landtagswahl war im Grunde genommen eine Kanzlerwahl, oder genauer: eine Merkel-Wahl. Das macht sie so bedeutsam.
   

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