Milliarden für die Schulen

Klassik Radio Meinungssache

milliarden-für-die-schulen © Fotolia_Orlando Bellini
Kreide und Tafel anstatt Laptop und Whiteboard – sie sieht es an vielen deutschen Schule aus… Das will Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) jetzt ändern. Ihr Plan: fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schule. Der Koalitionspartner SPD steht dem Vorstoß grundsätzlich positiv gegenüber, will aber auch mehr in die Sanierung der Schulen investieren. Die Pressestimmen.
Nürnberger Nachrichten

Viel wird von dem pädagogischem Begleitkonzept abhängen, das Wanka so vehement einfordert. Denn es nutzt ja nichts, wenn teure Geräte angeschafft werden, aber dann von damit allein gelassenen Lehrern nicht bedient und deshalb nicht genutzt werden können. Das ist eine fragile Balance; weltfremde Nerds nutzen Kindern auch nichts. Denn für gute Erziehung braucht es zuallererst ein großes Herz.

Berliner Zeitung

Keine Frage, auch Tafel und Kreide haben ihre Berechtigung - und allein der Einsatz von Internet und Computern macht noch keinen guten Unterricht. Aber: Genauso, wie wir privat oder in Unternehmen nicht mehr auf die Vorteile der Digitalisierung verzichten können, dürfen wir sie auch nicht in den Schulen außen vor lassen. Dabei reicht es nicht, die Technik anzuschaffen. Die Lehrer haben auch Anspruch auf Fortbildung. Am Ende können auch sie nur davon profitieren, wenn individuelle Förderung im Klassenraum mithilfe kluger Lernprogramme leichter möglich ist.

Märkische Oderzeitung

Die Initiative von Bildungsministerin Wanka (CDU) ist überfällig. Dass sie dabei in die Kompetenzen der Länder eingreift und die Prinzipien des Föderalismus zumindest beugt, sollte niemanden bekümmern. Schließlich blamieren sich die Länder hier so gut wie sie können: Viele Klassenräume sind nur noch nutzbar, weil die Eltern sie selbst herrichten. Für technologische Neuerungen gibt es kein Geld. Von intelligenten Computer-Tafeln, sogenannten Smartboards, haben viele Lehrer bislang nur gerüchteweise gehört. Dabei kann die technische Ausstattung nur der Anfang sein. Sie alleine reicht nicht aus. Viel wichtiger ist es, die Lehrpläne an die neue Zeit und ihre Bedürfnisse anzupassen. Ein Umgang mit Algorithmen muss schon in den ersten Schuljahren vermittelt werden.

Südwest Presse

Die Aufgabe der Schule ist es, Kinder und Jugendliche auf ihre Zukunft vorzubereiten – und die wird erheblich von der Digitalisierung geprägt sein. Die Welt ist im Wandel, wie sie es immer schon war. Schule muss, wie immer schon, darauf reagieren.

Neue Osnabrücker Zeitung

Die Initiative der Bundesregierung ist richtig: Das Internet gehört in die Schulen und auf die Lehrpläne. Doch es fehlt nicht nur die Technik, es fehlt auch an qualifizierten Lehrkräften. Ein großer Teil der Lehrer ist in einer Zeit ausgebildet worden, in der der grafische Taschenrechner das Höchste aller digitalen Gefühle war. Die Milliarden aus Berlin wären verschenkt, würde nicht auch in die notwendige Weiterbildung des Personals investiert.

Frankfurter Neue Presse

Wer nun entgegnet, um Goethe und Schiller zu verstehen, binäre Formeln auswendig zu lernen und die Grundsätze der Flugphysik zu begreifen, brauche es lediglich einen wachen Geist und ein gutes Lehrbuch, der hat offenbar schon lange nicht mehr die Schulbank gedrückt. In der Realität lernen viele Kinder mit Unterrichtsmaterialien, die nicht selten älter als sie selbst sind. Die gleichen Texte könnten mühelos auf einem Tabletcomputer bearbeitet werden. Veraltete Lehrbücher ließen sich zudem durch Updates ersetzen, ohne dass tonnenweise Altpapier anfiele. Auch das Argument, dass der digitale Wandel die Lernfähigkeit der Schüler vermindere, ist kaum mehr als eine Unterstellung. Gleiche Befürchtungen wurden geäußert, als im 18. Jahrhundert die Gattung des Romans populär wurde. Damals hieß es, „Lesesucht“ verderbe den Charakter. Auch beim Aufkommen des Fernsehens beschworen viele das Ende der Geisteskultur herauf.

Donaukurier

Die digitalen Legastheniker von heute sind die Leidtragenden bei der Jobsuche von morgen. Doch ist es mit einem Investitionsprogramm nicht getan. Schließlich braucht es auch qualifiziertes Lehrpersonal, das den Unterricht per Computer geben kann. Und nicht zuletzt bedarf es auch Investitionen in die klassische Infrastruktur. Bröckelnde Wände und marode sanitäre Anlangen sind eine Schande für Deutschland.

Tagespiegel

Nur wird hier nicht nur die Gegenwart verschlafen, sondern die Zukunft gleich mit. Wenn es irgendwann mal ein deutsches Facebook, Google oder Amazon geben soll, müssen dafür früh die technischen, politischen und kulturellen Grundsteine gelegt werden. Die Schule wäre ein guter Ort dafür. Doch stattdessen wird lieber davor gewarnt, dass sich Schüler und Lehrer nicht auf Facebook vernetzen sollten. Viele Lehrkräfte sind da weiter, nur stoßen sie an Grenzen – auch bei den Eltern der Schüler. Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka reiht sich da nun ein. Sie stellt ein richtiges Paket spät zusammen und verschiebt es gleich auf die nächste Legislaturperiode. Schüler und Lehrer können ihre Laptops also vorerst zuhause lassen. Aber vielleicht geht die Reparatur der Toiletten ja schneller.
   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Musik der Extraklasse

Finden Sie im Klassik Radio Shop

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Länder dieser Erde

Von gutem Geschmack für guten Geschmack

Die Webcam

Der schönste Blick auf Augsburg