Mr. Bundesrepublik ist gestorben

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mr-bundesrepublik-ist-gestorben © Fotolia_Orlando Bellini
Der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel ist mit 97 Jahren gestorben. Zahlreiche deutsche Medien erinnern an ihn. Die Pressestimmen.
Spiegel Online

Der Publizist Arnulf Baring hat Walter Scheel einmal den "Mr Bundesrepublik" genannt, die Verkörperung der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, ihrer Aufstiegsphase in den ersten Jahrzehnten. Doch sogar in seiner eigenen Partei wurde er auch als "Bruder Lustig" oder "Bruder Leichtfuß" tituliert. Denn er konnte - wie kaum ein anderer Politiker seiner Generation - Härte hinter Heiterkeit, hinter rheinischer Fröhlichkeit verbergen. Er war ein Mann, der mit Sektquirl, Havannas und maßgefertigten Anzügen Lifestyle schon praktizierte, als der Begriff in Deutschland noch unbekannt war. Als der "singende Bundespräsident" wird der bis zu seinem Tode populäre FDP-Politiker in Erinnerung bleiben, der schon 1979 aus seinem letzten Amt ausschied und über drei Jahrzehnte lang das Leben eines wohl bestallten Politrentners geführt hat. Mit dem Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" hatte er sich 1973 - damals Bundesaußenminister - ein für alle Mal in die Herzen der Deutschen gesungen. Das Lied wurde durch ihn zum Kulthit.

Die Welt

Scheels Leistungen lassen sich ohne Mühe mit denen Willy Brandts, Helmut Schmidts, Franz Josef Strauß' und Helmut Kohls vergleichen. Mit guten Gründen könnte man den 1919 bei Solingen geborenen Scheel sogar noch vor dem bis heute alles beherrschenden Hans-Dietrich Genscher nennen, wenn es darum geht, die Verdienste für die FDP und das Land insgesamt zu gewichten. Ähnlich wie Brandt war Scheel von der Notwendigkeit einer neuen Ostpolitik überzeugt. Anders als viele seiner Nachfolger im Amt des Außenministers verwaltete er nicht nur die Außenpolitik, sondern gestaltete sie auch.

Süddeutsche Zeitung

Scheel hielt es aber für seine Pflicht, immer gut gelaunt aufzutreten, er hielt das für die Pflicht aller Repräsentanten in einer Demokratie. Er war ein Mann von altrömischer Selbstdisziplin. Seine Heiterkeit, seine liebenswürdige Jovialität waren keine Maske, wie viele meinten, sondern echt. Aber es war nur die eine Seite dieses großen Politikers. Es hat nicht einen, es hat zwei Walter Scheel gegeben.

Stern

Richtig ist, dass Mut zum Risiko den Lebensweg Walter Scheels geprägt hat. Aber ebenso kennzeichnete zielstrebige Kalkulation das Handeln des 1919 in Solingen geborenen Sohns einer Handwerkerfamilie. Ihn trieb ausgeprägter Ehrgeiz an, freilich verbrämt mit betonter Höflichkeit und einnehmender Fröhlichkeit. Die geballte Faust war nicht sein Ding, eher die leichte Hand. Sie freilich setzte er mit raffinierter, zuweilen auch eiskalter Strategie ein.

Zeit Online

Das Lied Hoch auf dem gelben Wagen wird er so manches Mal verwünscht haben. Denn der Song, den Walter Scheel 1973 mit einem Chor zugunsten der Aktion Sorgenkind aufgenommen hatte und der ihm zu steiler Berühmtheit verhalf, überschattete fortan sein politisches Wirken. Er galt nun als rheinisch-fröhliche Leichtgestalt, fernab der Niederungen der normalen Politik. Und der Nachklang begleitete ihn auch noch in das Amt des Bundespräsidenten.

   

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