Schafft Sie das?

Klassik Radio Meinungssache

schafft-sie-das © Fotolia_Orlando Bellini
"Höchst Bedrohlich" - so nennt CSU-Chef Horst Seehofer die Lage für die Union nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern- Und jetzt? Die Debatte um Bundeskanzlerin Merkel ist (wieder) im vollem Gange - Die Pressestimmen.
Tagesspiegel

Die Erfolge der AfD resultieren zum größten Teil aus der fehlenden Repräsentanz besorgter Bürger in den anderen Parteien. Hinzu kommt eine generelle Feindseligkeit gegenüber dem Islam, verstärkt durch Unkenntnis, Xenophobie und Antireligiosität. Dieses Motivationsamalgam erschwert die Auseinandersetzung mit der Partei. Ersetzen lässt sich das Streitgespräch nicht. Eine klare Zusage Merkels, vor einem Jahr in erster Linie situativ gehandelt zu haben, würde helfen - den Helfern ebenso wie den Besorgten.

Die Welt

Warum hat Merkel - bis jetzt - nur ihre Politik, nicht aber ihre Rhetorik angepasst? Warum weiter 'Wir schaffen das' statt 'Wir haben verstanden', wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder nach Wahlniederlagen sagte? Der Vorwurf des politischen oder gar persönlichen Trotzes ist albern. Die Kanzlerin, die eine Meisterin darin ist, ihre Politik anzupassen, wird auch ihre Sprache anpassen. Die Hoffnung der Union, der Wähler würde glauben, die Flüchtlingskrise sei vorbei, trog in Mecklenburg. Das Wahlergebnis hat sein Gutes: Vor der Bundestagswahl kann man es noch mit einer ehrlichen Debatte versuchen.

Bild

Ein klares „Kurs halten“ und ein verdruckstes „Es läuft auch wegen mir nicht rund“. Das ist Angela Merkels Antwort auf das historische Tief der CDU in ihrer politischen Heimat Mecklenburg-Vorpommern. Kommt die Kanzlerin ans Ende ihres Lateins? Die Kanzlerin ist wie an sich selbst gefesselt. Und die CDU an sie. Hoffen kann Merkel nur, dass sich die Vernunft – ihre Vernunft – beim Wähler neu durchsetzt. Sicher ist das nicht.

Badische Neueste Nachrichten

Für die Union ist dies ein Alarmsignal: Der Amtsbonus der Kanzlerin ist aufgebraucht, die Regierungschefin, vor drei Jahren noch im Alleingang Garantin des Unionssieges bei der Bundestagswahl, zieht nicht mehr, sondern macht den politischen Gegner stark, der sich noch dazu im eigenen Lager ausbreitet und somit die Axt an die Wurzeln von CDU und CSU legt. Wird Angela Merkel zur Belastung für die Union?

Stuttgarter Zeitung

Die CDU wäre daher schlecht beraten, dem Ruf nach noch mehr Härte nachzugeben. Erstens, weil viele beschlossene Maßnahmen noch gar nicht wirken. Zweitens zeigt die Erfahrung, dass die Wähler lieber dem Original die Stimme geben als jenem, der versucht, es zu kopieren. Und drittens geht es vielen Kritikern nicht um die Sache, sondern allein um Merkels Kopf – als Strafe dafür, überhaupt so viele Menschen nach Deutschland hineingelassen zu haben.

Münchener Merkur

Nüchtern betrachtet hat Merkel längst wesentliche Teile ihrer Politik aufgegeben. Scheibchenweise, damit die Korrekturen möglichst niemand bemerkt. Ihre Kritiker warten jedoch auf ein emotionales Zeichen, das nie kommen wird. So dreht sich die Flüchtlingsdebatte innerhalb der Union seit Monaten im Kreis: Am kommenden Wochenende wird der CSU-Vorstand bei seiner Klausur in der Oberpfalz ein paar neue und viele alte Forderungen aufstellen. Die Kanzlerin wird sich winden, irgendwann etwas nachgeben – nur die Diskussion verstummt so nicht. Das schwächt nicht nur die Kanzlerin. Auch die CSU steckt in einem Dilemma. Sie bleibt an Merkel gebunden, egal ob sie einen (nur in Bayern wählbaren) eigenen Kanzlerkandidaten oder einen Superminister nominiert. Die Chefin heißt Merkel. Und es sieht auch nach dem Debakel in Mecklenburg-Vorpommern nicht so aus, als ob sich in der CDU eine Mehrheit findet, die das ändern will.

taz

Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern wird auf die Kanzlerin eingeprügelt, sie ist der Sündenbock beziehungsweise die Sündenziege. Die Parteien links der Union geben sich einer Dynamik hin, die von der AfD ausgeht. Die Rechtspopulisten haben gekonnt Angst und Aggression angefacht, vor der sich SPD, Linke und Grüne nun fürchten. Den Missmut möchten sie an sich vorbeiziehen lassen, indem sie ihn auf Merkel lenken. Doch was sich daraus ergibt, ist ein bizarrer Schulterschluss mit der AfD, eine ganz große Kampagnenkoalition gegen die Kanzlerin. Die ständige, fast höhnische Wiederholung des „Wir schaffen das“ verrät, dass die Kritik Befindlichkeiten abfischen will. Auf einmal entstehen viele Anti-Merkel-Parteien, bei denen es gegen die Selfie-Kanzlerin und ihren ach so gefährlichen Symbolsatz geht. Von dieser Erzählung wird allerdings nur das Original profitieren: die AfD.
   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Beste Adressen

Deutschlands Besten Adressen

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Länder dieser Erde

Von gutem Geschmack für guten Geschmack

Die Webcam

Der schönste Blick auf Augsburg