Trauer um einen großen Dirigenten

Sir Neville Marriner ist tot

trauer-um-einen-großen-dirigenten © Richard Holt
"Ich würde sterben", sagte Sir Neville Marriner einmal der FAZ, "wenn ich aufhören würde zu dirigieren". Mit 90 Jahren leitete er sogar als ältester Dirigent die Sommerkonzertreihe Proms in der Londoner Royal Albert Hall. Am Sonntag ist der gefeierte Dirigent und ehemalige Violinist im Alter von 92 Jahren gestorben.
„Er war einer der außergewöhnlichsten Menschen, die ich gekannt habe". So würdigte Geiger Joshua Bell und jetztiger Leiter der Academy of St. Martin in the Fields einen legendären Vorgänger Sir Neville Marriner. Marriner habe sich durch Brillanz, Integrität und Humor ausgezeichnet, so Bell. Und - Marriner hat mit knapp 600 Aufnahmen die Klassik-Welt wie kaum ein anderer Dirigent geprägt und geadelt.

„Dieser Mann war so fleißig wie kaum jemand anderes im Musikbetrieb, nicht aus Geltungsdrang, sondern einfach, weil es ihm Spaß machte“, schreibt DIE WELT. „Seine Interpretationen haben nie Musikgeschichte geschrieben, aber sie haben, immer von hoher Qualität und makellosem Können, vermutlich mehr Menschen erreicht als die so mancher weit berühmterer Pultgröße. Eine höchst verlässliche Institution nicht nur des britischen, sondern des Weltkulturerbes, das war Sir Neville, bis zuletzt ein wacher, undogmatischer Orchestererzieher und Nachwuchsförderer, ein Dirigent, dem vom unverplüschten Barock bis zur Moderne nichts fremd war, der Opern und Filmmusik leitete. Man pflegte ihn bisweilen zu unterschätzen, weil bei ihm immer alles so glatt lief: Marriner war pure Perfektion.“

„Meister der Entschleunigung“, nennt ihn die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG in ihrem Nachruf: „Jahrelang, jahrzehntelang hat sich Neville Marriner mit urmusikalischem Kunstsinn und britischer Ritterlichkeit seinen eigenen aufführungsästhetischen Weg gebahnt, und viele Solisten sind ihm willig gefolgt. Seine Energie war schier unerschöpflich, knapp 2000 Aufnahmen sind derzeit noch im Handel, und man sah ihn noch mit 90 Jahren auf der Bühne stehen, als sei dies die selbstverständlichste Daseinsform.“

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG glaubt: „Durch die Aufnahme der Musik zum Film „Amadeus“ von Milos Forman und der Champions-League-Hymne für Fußball-Spiele entwickelte Marriner eine beachtliche Breitenwirkung. Mit knappen, effektiven, uneitlen Gesten wurde er einer der erfolgreichsten und medial fruchtbarsten Dirigenten des zwanzigsten Jahrhunderts. Sechshundert Aufnahmen mit über zweitausend Werken liegen von Marriner vor. Nur Herbert von Karajan hat diese Präsenz auf dem Schallplattenmarkt noch übertroffen.“ 

Und die FRANKFURETER RUNDSCHAU schreibt: „Es kommt nicht häufig vor, dass ein Dirigent der eher kleinen Form eine solche Popularität erreicht. Marriner wurde ja nicht als Maestro für Bruckner-Sinfonien und Wagner-Opern bekannt. Im Gegenteil: Er kam vom Kammerorchester, dirigierte zunächst viel Barockes. Seine echte Kernkompetenz allerdings war womöglich außerhalb der Partituren zu suchen – und zu finden in seiner besonderen Art, Musik machen und Mensch sein miteinander zu verbinden. Musiker jedenfalls schwärmten von der so einmalig kollegialen Zusammenarbeit. So sprach der Pianist Martin Stadtfeld von ihm als „einem der humorvollsten und warmherzigsten Menschen, die ich kenne“.
   

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