Mehr Verbrauch als Verstand

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was-erlauben-verbrauch © Fotolia_Orlando Bellini
Wie viel verbraucht ihr Auto? Die korrekte Antwort muss wohl lauten: Ich habe keine Ahnung. Laut einer Studie der Umweltorganisation verbrauchen die Autos im Schnitt 42% mehr als die Hersteller angeben. Die Antwort der Konzerne: Das ist alles legal – wie viel ein Auto verbrauche, hänge ja vor allem vom Fahrer ab… Was sagen die deutschen Zeitungen zum nicht enden wollenden Skandal um den Verbrauch beim Auto? Die Pressestimmen.
Neue Osnabrücker Zeitung

Automobilwirtschaft, Gesetzgeber und Kontrolleure sorgen für einen traurigen Rekord: Noch nie wurden Abgas- und Verbrauchswerte von Autos so stark geschönt wie aktuell. Die Täuschung der Verbraucher hat Methode: Zahlreiche Schlupflöcher erlauben es den Herstellern, ihre Dreckschleudern unter völlig unrealistischen Bedingungen zu testen, die mit dem Fahrbetrieb auf der Straße nur eines gemein haben: Die Räder müssen sich drehen. Zwar soll es bald neue Testverfahren geben, doch werden auch diese die Lücke zwischen Wahrheit und Dichtung nicht schließen, wie Experten voraussagen. Das zeigt: Die Kumpanei zwischen Politik und Wirtschaft ist noch lange nicht beendet.

Nürnberger Nachrichten

Ja, der laxe Umgang von Autoherstellern mit der Wahrheit ist schon lange bekannt. Und weil das so ist, stellen sich Fragen: Warum hat vonseiten der Politik nicht schon längst jemand den Herren in Wolfsburg, Stuttgart oder München auf die Finger geklopft? Warum kommen bei relevanten Prüfungen noch immer Institute zum Zuge, die von der Industrie abhängig sind? Und dann müssen auch wir uns fragen: Warum war es uns bisher eigentlich egal. wenn in bunten Autoprospekten bei den Abgaswerten gelogen wird wie gedruckt?

taz

Das Verkehrsministerium stimmt seine Aktivitäten in Sachen Abgas regelmäßig mit den betroffenen Konzernen ab. Nicht die Kontrolle der Unternehmen steht im Mittelpunkt, sondern die Vertretung ihrer Interessen. In Dobrindts Haus, wo Briefe schon mal "mit industriefreundlichen Grüßen" unterschrieben werden, ist diese Haltung so fest verankert, dass eine andere Herangehensweise aussichtslos erscheint. Die Konsequenz aus der Mauschelei kann darum nur sein, dem Verkehrsministerium und dem ihm unterstellten Kraftfahrtbundesamt die Zuständigkeit für die Abgasüberwachung zu entziehen und sie ins Umweltressort zu verlagern. Denn auch wenn das in Deutschland offenbar nicht selbstverständlich ist: Bei Abgasgrenzwerten geht es nicht um Industriepolitik - sondern um den Schutz von Klima, Umwelt und Gesundheit.

Westdeutsche Zeitung

Bis vor einem Jahr war der Ruf von Deutschlands Autobauern weltweit exzellent. Dann kam heraus, dass Volkswagen Stickoxidwerte manipuliert. Von Unrechtsbewusstsein ist in der Wolfsburger Konzernzentrale aber kaum etwas zu spüren. Und auch die Politik fasst die Branche weiter mit Samthandschuhen an. Ein fataler Irrtum. Die Arbeitsplätze in dieser für unser Land so wichtigen Industrie werden nur dann eine Zukunft haben, wenn die Autos umweltverträglich sind. Das Zeitalter der Verbrennungsmotoren läuft ab. Die Politik muss dafür den Rahmen setzen.

Süddeutsche Zeitung

Seit Jahren wird über die Tricksereien bei den Verbrauchsangaben berichtet. Passiert ist – nichts. Handelt es sich nur um kleine Tricksereien, sind das nicht handfeste Betrügereien? Die klassische Beschreibung des Betrugs – sie greift hier ziemlich perfekt: Täuschungshandlung, Irrtumserregung, Vermögensverfügung, Vermögensschaden, Bereicherungsabsicht! Gleichwohl gibt es bisher keine strafrechtlichen Ermittlungen. Die Autobauer tun so, als seien Angaben zum Spritverbrauch unverbindliche Anpreisungen wie 'Unbegrenztes Fahrvergnügen'

Frankfurter Rundschau

Die EU-Kommission will für Spritverbrauch und CO2-Werte ab 2017 ein neues, zwar strengeres, aber immer noch reines Laborverfahren einführen. Die Hersteller werden ihre Anstrengungen intensivieren, um dessen Unzulänglichkeiten mittels Manipulationen auszunutzen. Wieder einmal hat sich die Lobby insbesondere der deutschen Autobauer durchgesetzt – das ist unerträglich und muss sofort korrigiert werden.
   

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