Andreas Scholl

andreas-scholl © insidesonymusic/ Marco Borggreve
Als Countertenor hat man es nicht immer leicht. Manchmal sind die Leute im Publikum irritiert von der unterwartet hohen Stimme und fangen an zu lachen. Das weiß auch Andreas Scholl aus eigener Erfahrung. Er gehört zu den führenden Countertenören der Welt und kann manche solcher Geschichten aus dem Konzertsaal erzählen. Die Toleranz und Akzeptanz von Countertenören verbessere sich jedoch ständig, sagt er.

Andreas Scholl wurde am 10. November 1967 in Eltville am Rhein geboren. Er wuchs in Kiedrich auf, wo er im Alter von 7 Jahren bei den Kiedricher Chorbuben zu singen begann. Sein Talent für den Gesang fiel schon früh auf – mit 13 wurde er aus einer Gruppe von 20.000 Chorsängern ausgewählt, im Petersdom vor Papst Johannes Paul II ein Solo zu singen. In dem Alter übernahm er auch den Part des zweiten Buben in Mozarts Oper die Zauberflöte. Seine Schwester Elisabeth, die heute eine bekannte Sopranistin ist, sang den ersten Buben.

Nach dem Stimmbruch wurde Scholls Gesangsstimme kaum tiefer, er wechselte lediglich vom Sopran in den Alt. Das erweckte die Aufmerksamkeit der Chorbuben-Gesangslehrerin. Sie sagte ihm, dass seine Stimme immer mehr nach der eines Countertenors klänge und legte ihm ein Gesangsstudium nahe, da Countertenöre eher selten seien. Scholl  sang daraufhin bei dem Tenor/Countertenor Herbert Klein vor, der die Vermutung der Gesangslehrerin bestätigte.

1987 begann Scholl ein Gesangsstudium in Basel, an der Schola Cantorum Basiliensis, bei Richard Levitt und René Jacobs. Dieses schloss er 1993 ab. Der Schola Cantorum Basiliensis blieb er jedoch treu – er ist noch heute dort als Dozent tätig. 

Seine erste große Opernrolle sang Scholl 1998: Er übernahm in Händels Oper Rodelinda die Rolle des Bertarido. Diese Rolle sang er auch 2006 in der Metropolitan Opera in New York.  Eine weitere Rolle, die Scholl öfters singt, ist die des Giulio Cesare in Händels gleichnamiger Oper. Obwohl er als Opernsänger gefragt ist, singt Scholl doch eher seltener Oper. Der Grund dafür ist so einfach wie einleuchtend: Er möchte nicht so oft auf längere Zeit von seiner Familie getrennt sein, was bei Opernproduktionen meistens nötig ist.

Wie gefragt Scholl auf den bedeutendsten Bühnen der Welt ist, zeigt auch sein Auftritt 2005 bei der Last Night of the Proms in London, wo er als erster Countertenor überhaupt auftrat und großes Lob bekam. Kritiker schrieben nachträglich, er habe den anderen die Show gestohlen.

Obwohl er auf allen großen Bühnen der Welt auftritt, kehrt Scholl doch immer wieder nach Kiedrich zurück. Er brauche das als Ausgleich und um auf dem Boden zu bleiben, sagt er. Er und seine Frau, die israelische Pianistin und Cembalistin Tamar Halperin haben hier in ihrem Haus einen Musikraum, eine Art professionelles Tonstudio, in dem sie auch regelmäßig Musikerfreunde empfangen.

Seit Beginn seiner Karriere hat Andreas Scholl  schon zahlreiche CDs aufgenommen, eine davon auch gemeinsam mit seiner Frau. Sein musikalischer Scherpunkt liegt dabei auf der Barockmusik. Allerdings beschränkt sich Scholl musikalisch keinesfalls nur auf die „klassische“ Musik, so war er auch schon in Pop- und elektronischer Musik tätig. 2013 wurde von der ARD ein Dokumentarfilm über ihn produziert: „Caesar der Töne – Andreas Scholl und das Geheimnis des Countertenors“.
   

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