Lorin Maazel

lorin-maazel © insidesonymusic.de
Ein kleiner Junge, keine 1,50 Meter groß, betritt die Bühne auf der Weltausstellung 1939 in New York. In kurzen Hosen und mit einem Stab, so lang wie sein Arm, betritt er das Pult vor dem New York Symphony Orchestra um kurz darauf die Aufführung als Dirigent dieses Weltorchesters zu leiten.
Lorin Maazel, das Wunderkind des 20. Jahrhunderts, war mit seinen neun Jahren offenbar so gut, dass ihn der Meister Toscanini selbst einlud, um sein Orchester zu dirigieren.

1930 bei Paris als Sohn einer Musikerfamilie geboren wuchs Maazel in Los Angeles auf. Schon früh erhielt er Klavier- und Violinunterricht; später studierte er in Pittsburgh Orchesterleitung. Als dirigierendes Wunderkind in Amerika bekannt geworden, wendete er sich im Erwachsenenalter zunächst der Violine zu und spielte vier Jahre lang bei den zweiten Geigen des  Pittsburgh Symphony Orchestra. Daneben studierte er Mathematik, Philosophie und mehrere Sprachen. Eine Lungenentzündung verhinderte die Teilnahme an einem Geigenwettbewerb, rückblickend ein Glücksfall, denn es führte ihn zurück ans Pult.

Sein Weg als Dirigent führte ihn zunächst nach Europa, wo niemand von seiner Vergangenheit als Wunderkind wusste. Doch auch hier fiel er schnall auf. Innerhalb kürzester Zeit eroberte er die wichtigsten Konzerthäuser des Kontinents. Bereits 1955 dirigierte er an der Mailänder Scala, wenig später debütierte er als erster Amerikaner mit dem „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen.

Maazel wurde Chef der Deutschen Oper Berlin, des Orchestre National de France und Direktor der Wiener Staatsoper. Er ging auf Tournee, produzierte Fernsehfilme, gastierte in Salzburg, leitete die Orchester in Pittsburgh und Cleveland, spielte mehrere Hundert Platten ein.
Unvergessen bleibt auch seine Dirigat der 6. Sinfonie Gustav Mahlers mit dem Berliner Radiosymphonieorchester, welche er mit geradezu erschreckender Genauigkeit und Unmittelbarkeit dirigierte.

Lorin Maazels Markenzeichen war, dass er nahezu alles auswendig dirigieren konnte und nur in seltenen Ausnahmen überhaupt mit einer Partitur ans Podest trat. Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass er oft als geradezu gelangweilt wahrgenommen wurde, wie er so ganz lässig am Pult stand, eine Hand auf dem Geländer, in der anderen den Taktstock, der ohne große Ausschläge zuverlässig den Takt vorgab und dabei das Orchester äußerst präzise durch alle Werke führte. Diese Haltung war wohl seiner Konzentration geschuldet, irritierte aber seine Kritiker, die ihm deswegen sogar eine gewisse Arroganz unterstellten. 

So setzte sich auch das weniger sympathische Image als ein eitler Maestro und Jetsetter, der sich für seine Hochbegabung fürstlich bezahlen lässt – er gilt bis heute als einer der teuersten Dirigenten überhaupt – fest. Weniger bekannt sind jedoch seine Wohltätigkeitsaktivitäten. Er organisierte zum Beispiel Classic Aid, das Pendant zu Bob Geldorfs Live Aid und engagierte sich sehr für den musikalischen Nachwuchs. 2009 gründete er gemeinsam mit seiner dritten Frau, der deutschen Schauspielerin Dietlinde Turban, auf seinem Landsitz in Virginia das Castleton Festival für junge Künstler. Zur Finanzierung versteigerte er seine kostbare Guadagnini-Geige von 1783, auf der er seit seiner Jugend spielte.

Am 13. Juli 2014 verstarb Lorin Maazel in Castleton Farms an den Folgen einer Lungenentzündung.
   

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