190. Geburtstag von Josef Strauss

Walzer wider Willen

190-geburtstag-von-josef-strauss © clombumbus
Sein Bruder Johann sagte über ihn „Der Beppi ist der Begabtere, ich bin halt populärer“. Mit Beppi ist Josef Strauss gemeint, der heute seinen 190. Geburtstag gefeiert hätte. Josef Strauss ist nur widerwillig in das Familienbusiness Walzermusik eingestiegen, als es seinem Bruder – dem „Walzerkönig“ – über den Kopf gestiegen war.

Denn ursprünglich hatte Josef eine Karriere im Bauwesen und ein ruhiges Leben als Familienvater angestrebt.

„Josef Strauss war ein Familienmensch: Sehr besorgt um seine Frau, um sein Kind. Der war nach den ganzen schriftlichen Stellungnahmen, die wir haben, der charakterlich Beste.“, verrät Dr. Eduard Strauss, ein Nachfahre der Strauss-Familie.

Josef war im Walzergeschäft nicht glücklich:

„Der hat einmal geschrieben in einem Brief ‚Meine Liebe zur Musik wird sich nicht im ¾-Takt erschöpfen.‘ Das heißt er wollte immer höher hinaus. Er wollte immer weg aus diesem Walzergeschäft – konnte aber nicht. Und da hat er seine große musikalische Sehnsucht in die Einleitungen seiner Walzer verpackt.“

Trotz des großen Talents war Josef beim Publikum nicht so erfolgreich, wie sein Bruder Johann. Das erklärt sich Eduard Strauss so:

„Der Josef Strauss war natürlich - weil er etwas mehr wollte als Tanzmusik –etwas komplizierter in seiner ganzen Art des Musizierens, des Komponierens als der Johann Strauss Sohn. Und damit ist er nicht so leicht eingängig und daher ist er auch nicht so berühmt.“

Der „Walzerkönig“ schätzte außer des musikalischen Talents äußerst wenig an Josef. Während die Strauss-Brüder Johann, Josef und Eduard für ihre ausgelassene Walzermusik bekannt waren, ging es abseits der Bälle und Konzerte alles andere als harmonisch zu.

„Es gibt ja ein einziges Bild von Johann, Josef und Eduard Strauss – das geistert durch alle Biographien. Das ist eine Fotomontage! Sie konnten sich nicht einmal für ein Foto zusammentreffen. Und das zeigt ja schon sehr deutlich die Stimmung innerhalb der Familie.“

Dass die Strauss-Familie trotz innerer Konflikte Weltruhm erlangen konnte lag nicht nur an der Qualität ihrer Musik, sondern auch daran, dass das Geschäft für alle Familienmitglieder oberste Priorität zu haben hatte. 

„Wo man musste, hat man zusammengearbeitet, weil das Geschäft muss weitergehen. Vor allem die beiden Johanne waren ab ihren musikalischen Anfängen nur für die Musik da. Das Private war zweitrangig.“, sagt Eduard Strauss und meint, dass Johann Strauss Vater und seine Söhne schwierige Charaktere waren:

„Einseitig talentierte Menschen haben oft auf einer anderen Seite Defizite. Das möchte ich nicht für Josef Strauss sagen – keinesfalls – der war wirklich ein Lieber, glaube ich. Aber das sage ich sicher für Johann Strauss Vater, das sage ich auch für Johann Strauss Sohn, der ein bissl ein komischer Charakter war. Das sage ich auch für meinen Urgroßvater Eduard, von dem wieder Johann Strauss Sohn sagt: ‚Ein diffiziler Herr‘.“

Josef litt unter seinen Brüdern, die ihn regelrecht ausnutzten.

„Also die menschliche Seite lässt zu wünschen übrig. Umso erstaunlicher ist es für mich, immer wieder zu beobachten, was für eine lustige, freudenbringende Musik diese Familie, immer imstande war zu erzeugen. Ganz besonders mein Liebling Josef Strauss: Wenn’s ihm am dreckigsten gegangen ist, hat er die beschwingteste Musik komponiert.“

   

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