70 Jahre "DIE ZEIT"

Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zum Jubiläum

70-jahre-die-zeit © Jim Rakete für "DIE ZEIT"
Am 21. Februar 1946 erschien in Hamburg die erste Ausgabe der ZEIT mit gerade mal acht Seiten. Unter erschwerten Bedingungen: jeder Artikel musste vor Veröffentlichung dem britischen Zensurbüro vorgelegt werden; und das in der Nachkriegszeit rationierte Papier reichte für eine Auflage von 25.000 Exemplaren.
Heute druckt „DIE ZEIT“ 20mal so viele Exemplare. Wir haben mit Giovanni di Lorenzo gesprochen - über das aktuelle ZEIT-Geheimrezept und über journalistische Coups und Pannen der letzten 70 Jahre.

"Wir haben zu Beginn den Vietnamkrieg für richtig gehalten, wir haben zu Beginn den Irak-Krieg zum Teil mit Verständnis gesehen, wir haben die Perspekektiven im Hinblick auf die deutsche Einheit komplett falsch eingeschätzt".

So viel Offenheit und Selbstreflexion hört man nicht alle Tage von deutschen Journalisten; aber dem Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo, fallen natürlich zum 70. Geburtstag der Hamburger Wochenzeitung nicht nur die Fehleinschätzungen der letzten Jahrzehnte ein, sondern auch viele brillante Geschichten und Interviews.

"Wir haben große investigative Themen angepackt, wir haben Porträts und Reportagen, von denen ich glaube, dass sie zum Besten gehören, was in Deutschland erscheint".

In der ersten Ausgabe vom 21. Februar 1946 hat die Zeit-Redaktion ihre Aufgabe folgendermaßen beschrieben: „Es gilt heute, Trümmer nicht nur in den Straßen der zerbombten Städte wegzuräumen, sondern auch geistige Belastungen einer untergegangenen Epoche, und das kann nur geschehen, wenn wir den Mut haben, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen“.

"Ja, ich glaub, das ist, was gute Journalisten immer und zu allen Zeiten leisten müssen: die Realität so darzustellen, wie sie auch ist. Und nicht manchmal der Versuchung erliegen, etwas nicht so richtig zum Vorschein zu bringen, weil nicht sein darf, was nicht sein soll".

 

In den ersten Jahren nach ihrer Gründung war die Redaktion der ZEIT noch stark rechtskonservativ geprägt, erst Marion Gräfin Dönhoff hat für einen liberalen Ton gesorgt, der in den Jahren danach von Gerd Bucerius, Helmut Schmidt und Theo Sommer weiter gepflegt wurde.

"Dass die ZEIT das geworden ist, was sie ist: nämlich eine Stimme, die nicht indoktrinieren will, die nicht ideologisch ist und die immer für liberale Bürgerrechte gekämpft hat".

Und vielleicht ist genau das auch der Grund, warum die ZEIT im Gegensatz zu fast allen anderen Print-Produkten ihre Auflage in den letzten Jahren sogar gesteigert hat.

"Vielleicht finden es viele Menschen in Deutschland angenehm, wenn es ein Blatt gibt, das zwar engagiert ist und leidenschaftlich und kontrovers an die Themen rangeht, aber nicht zynisch. Und wenn es irgendwie geht, versuchen wir auch, die Häme zurückzuhalten."



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