Blut, Öl, Mord: Caravaggio!!!

Faszination Hell-Dunkel

blut,-öl,-mord-caravaggio © Farbstudie Caravaggio "Der heilige Matthäus und der Engel" von Marc Adamczack
Michelangelo Merisi da Caravaggio gilt als einer der Begründer der römisch-barocken Malerei. Berühmtheit erlangte er vor allem durch die von ihm eingesetzte Hell-Dunkel-Malerei (ital. chiaroscuro), die eine ganze Malergeneration prägte und inspirierte. Heute vor 406 Jahren starb der italienische Maestro aus der Nähe von Mailand und fasziniert bis heute.
Es sind die letzten Tage des zweiten Weltkriegs und die Bombardierung Berlins ist in vollem Gange. Die wichtigsten Kunstschätze der zahlreichen Museen sind längst in ausgelagerten Depots untergebracht, so auch die Sammlung der „Gemäldegalerie Berlin“.
Eine Bombe trifft jedoch eines dieser Depots und zerstört dabei zahlreiche Meisterwerke. Eines davon ist „Der heilige Matthäus und der Engel“, von Michelangelo Merisi da Caravaggio (kurz: Caravaggio, geboren 1571), mit dem er seinen Ruhm im Rom des 17. Jahrhunderts begründete und zu einem der wichtigsten Künstler der Kunstgeschichte wurde. (Bild: siehe Farbstudie)

Doch was ist das Besondere an diesem Bild, seinem Schöpfer, ja gar der ganzen Zeit, die später als Epoche des Barock in die Geschichtsbücher eingehen wird?

Ein Blick auf den zeitlichen Kontext

Es ist die Zeit der Umbrüche und des konfessionellen Wandels: die Zeit der lutherischen Reformation die weite Teile Europas wie eine Welle überschwemmt.
Das „Konzil von Trient“ (1545 - 1563) versucht in insgesamt drei Sitzungen die katholischen Kirche und ihre Stabilisation zu bewirken. Es ist der Beginn der Gegenreformation: die Antwort auf die von Luther eingeleitete Reformation, die die Dogmatik und Lehren der katholischen Kirch bis ins Mark erschütterte.
Neben gewalttätigen Ausschreitungen, wie Bilderstürmen, der aufkommenden Inquisition oder dem 1618 beginnenden „Dreißigjährigen Krieg“ zeigt sich vor allem in der Musik und in der Kunst eine neue Form des Ausdruck.

In der Musik führt Claudio Monteverdi (1567 - 1643) die Oper zu ihrer ersten Blüte. In diesen (L´Orfeo; Il ritorno d´Ulisse) und seinen acht Madrigaldi erhebt er die Stimme zum leitenden und tragenden Element und Instrument. Als Erfinder des Ostinatobasses und des Lamentobasses konterkariert er den typisch, polyphonen Stil der Renaissance mit dem monidischen Stil des Barock.

 

In der Malerei und der Skulptur verbreitet sich ein neuer Realismus, der das Leid der Heiligen noch stärker, noch authentischer vor Augen führt. Denn nur so könne der Betrachter richtiges Mitleid (compassio) empfinden und sich so auf den ursprünglichen Katholizismus besinnen.

Grund hierfür findet sich unter anderem im besagten Konzil. Sei es nun die über Notwendigkeit der Buße, die Bedeutung der Sakramente oder die Frage über die Eucharistie, das Konzil berät all jene Dogmen und Themen der Heilsvermittlung neu, so auch die Frage über die Bilderverehrung an sich und die Darstellbarkeit der Märtyrer und Heiligen generell.
Es entwickelt sich ein neue Form des Dekorum; die Angemessenheit und die Schicklichkeit an sich, die vielfach Paradox erscheint. Auf der einen Seite fordert es die Bewahrung von Dignität, während es auf der anderen Seite die Reduktion von übermäßigem Schmuck fordert. Es soll die richtige und die nicht beschönigte Wahrheit gehen. Es geht um den ehrlichen, wahren Glauben.

Caravaggio und sein Werk

In dieser Zeit nun, genauer um 1600, schafft Caravaggio das benannte, heute zerstörte Werk und begründet dadurch seinen Rang als Malerfürst.

Der Grund: Das Werk ist zu radikal, zu anrüchig für ein Altargemälde. Matthäus streckt dem Betrachter die dreckigen Füße buchstäblich entgegen und suggeriert den Eindruck des hilflosen, dummen Analphabeten, dessen Hand, geführt von dem Engel, die Heilige Schrift in Hebräisch und nicht in Latein (ja Antisemitismus gibt es schon sehr lange) verfasst. Das Kongeniale daran: Das Bild wird zwar abgelehnt, geht jedoch direkt in die Sammlung von Vincenzo Giustiniani über. Eine zweite Version wird schon wenig später geliefert - von Caravaggio selbst.

Das Werk, so die These einiger Forscher, ist reines Mittel zum Zweck, zum Self-Fashioning, das nur aus dem weit verzweigten Patronagenetz möglich war, das bis in die Apostolische Kammer reichte. Und es klappt.
Weitere Bilder werden bestellt, wieder abgelehnt, jedoch von anderen erworben und der Ruhm Caravaggios steigt in Rom. Er wird in extra initiierte Künstlerwettbewerbe verwickelt und schafft Werke für die wichtigsten römischen Familien in den prominentesten Kirchen der Stadt.

Er wird berühmt für seinen gesteigerten Realismus, der bis dato seines Gleichen suchte: Da führt Christus die Hand des ungläubigen Thomas direkt in die Seitenwunde; da schneidet Judith mit Leichtigkeit den Kopf des Holofernes von seinem Körper (es scheint als würde das Blut einen beschmutzen) und da hält David den Kopf des Goliath triumphierend dem Betrachter entgegen.

Zu verdanken ist dies, neben einer gewissen Radikalität des Sujet, der besonderen Lichtregie, die das Geschehen wie im Spotlight beleuchtet und dem Ganzen dadurch eine besondere Plastizität und Flüchtigkeit verleiht, wenn harte Schlagschatten sich auf der Bildoberfläche abwechseln: Es ist dieser chiaroscuro, der eine ganze Anzahl von Künstlern inspiriert, die als  Caravaggisten bekannt werden.

Durch seine Radikalität, die nichts beschönigt, zählt Caravaggio zu einer neuen Künstlergeneration: Kulminiert in Künstlergrößen, wie Michelangelo Buonarroti oder Albrecht Dürer (Bild siehe HIER), die Idee des melancholisch, von Saturn beeinflussten Genies, so zeigt sich in Caravaggio die Idee des extrovertiert, exaltieren und vor allem exzentrischen Genius. Dem genialen Außenseiter, der gerne über die Stränge schlägt und sich von den gesellschaftlichen Normen und Konventionen abhebt.

Diese Lebensweise ist es jedoch, die ihm zum Verhängnis wird. 1606 wird er mit mehreren in einen Streit verwickelt, der tödlich endet.
Alle Beteiligten werden mit dem bando capitale belegt und aus Rom verbannt. Caravaggio flieht und geht ins Exil, sucht Zuflucht in Mailand, auf Malta und Sizilien, bis er schließlich am 18. Juli 1610, wenige Tage vor Erreichen seiner Begnadigung, stirbt.
   

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