Boris will nicht

Klassik Radio Meinungssache

boris-will-nicht © Fotolia_Orlando Bellini
In der Debatte um die Nachfolge des britischen Premierministers David Cameron hat es heute eine Überraschung gegeben: Der Wortführer der Brexit-Befürworter, Boris Johnson, kündigte seinen Verzicht auf eine Kandidatur an. Als Favoritin auf die Cameron-Nachfolge gilt Innenministerin May.
Berliner Zeitung

Boris Johnson ist ein Spieler. Ihm geht es nicht um politische Inhalte, es geht ihm ums Risiko und ums Gewinnen. Gerade noch rechtzeitig hat er offenbar gemerkt, dass ab sofort nicht mehr gezockt wird und seine Partie zu Ende ist. Denn seit dem Referendum wird sowohl bei den Gesprächen mit den EU-Verantwortlichen als auch zu Hause in Großbritannien ein Premier gebraucht, der in der Lage ist, überlegt zu agieren und zu liefern. Gebraucht wird einer, der Verantwortung tragen will, einer der nicht zuallererst an sich, seine Berühmtheit, seinen Beifall, sein Fortkommen denkt, der nicht nur selbstverliebte Schlagzeilen, sondern der ernsthafte Politik machen kann.

Rheinpfalz

Johnson musste erkennen, dass sein Spiel radikale Auswirkungen auf die Wirklichkeit hat. Auf die Lebenswirklichkeit von Millionen (junger) Briten, auf Jobs, auf Unternehmen. Es ist nicht völlig verkehrt anzunehmen, dass sich Johnson der Brexit-Bewegung anschloss in der Annahme: Das wird sowieso nichts. Er rechnete sich aber aus, getragen vom Wohlwollen Millionen europamüder Briten neuer Premierminister werden zu können. Jetzt, da er erfolgreich war, kneift Mr. Johnson: Soll doch ein anderer aufräumen! Mr. Johnson ist das Paradebeispiel für Politiker, die in allererster Linie an sich selbst denken. Man kann sie Populisten nennen oder Zocker - auf jeden Fall sind sie verantwortungslos.

Tagesschau

Ein typischer Boris Johnson: großes Theater und dann am Ende, kurz bevor der Vorhang fällt, die große Überraschung. Einmal mehr wird klar: Johnson ist ein großartiger Verkäufer, aber kein Staatsmann. Manche sagen, er sei eine Mischung aus Pumuckl und Churchill. Heute zeigte sich, er ist ein Pumuckl, aber eindeutig kein Churchill.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist nicht auszuschließen, dass Johnson annahm, die Woge der „Leave“-Kampagne, die er ritt, werde ihn bis in die Downing Street tragen, aber nicht so gewaltig sein, dass sie Großbritannien tatsächlich aus der EU hinaus spülen würde. Jetzt aber, da sich zeigt, in welche Katastrophe die planlosen „Brexiteers“ ihr Land führten, verließen ihn sein Mut und seine Großmäuligkeit. Seine Versprechen sind nicht zu erfüllen. Spätestens seit seiner Fahnenflucht kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass er nicht der Richtige für das Amt des Premierministers gewesen wäre. Die Briten aber müssen sich nach seinem Offenbarungseid um so mehr fragen, warum sie ihm nachliefen. Der leuchtende Haarschopf allein kann es nicht gewesen sein.

Stuttgarter Zeitung

Boris Johnson wird nun also nicht britischer Premierminister. Er tritt nicht zur Wahl um den Tory-Vorsitz an. Der Londoner Ex-Bürgermeister und landesweit populärste Politiker Großbritanniens, der sich selbst als den ungekrönten König der Konservativen Partei betrachtete, ist an einem Morgen dramatischer Entwicklungen einfach so aus dem Spiel gekegelt worden. Jahrelang hatte „Boris“ auf diesen Sommer des Umbruchs, auf seine Krönung, hingearbeitet. Jetzt ist ihm die Krone aus den Händen gefallen. Andere, eilfertige Rivalen, bücken sich danach.
   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Musik der Extraklasse

Finden Sie im Klassik Radio Shop

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Länder dieser Erde

Von gutem Geschmack für guten Geschmack

Die Webcam

Der schönste Blick auf Augsburg