Das schreibt die Presse zum Harnoncourt Rücktritt

Pressestimmen

das-schreibt-die-presse-zum-harnoncourt-rücktritt © Marco Borggreve
„Meine körperlichen Kräfte gebieten eine Absage meiner weiteren Pläne.“ Mit diesen einfachen handgeschriebenen Worten in einem Programmheft beendet der große Nikolaus Harnoncourt seine Karriere. Die Presse verneigt sich vor einem musikalischen Forschungsreisenden.
Die Salzburger Kulturzeitung DrehPunktKultur schreibt:

Niemand wird Harnoncourts historische Verdienste anzweifeln. Bei diesen Verdiensten geht es keineswegs nur um die „Originalklangbewegung“. Denn was Harnoncourt stets auszeichnete, war die Fähigkeit, Musik immer wieder neu zu denken. Oder korrekt gesagt: Neu nachzudenken über Wege und Mittel, wie die Musik heutigem Publikum so nahe zu bringen wäre, dass es vom Alten eben aufs Neue gepackt würde. So wurde also aus einem Musiker, der in den ersten Jahren und Jahrzehnten natürlich nach dem „originalen“ Klang suchte, ein eigentlich ganz anderer: Einer, der etwa mit dem Chamber Orchestra of Europe oder dem Concertgebouw Orchester auf ergiebige tönende Forschungsreisen auszog. Einer, der sich auch die Wiener Philharmoniker zum Freund zu machen wusste.

Und die Neue Zürcher Zeitung ergänzt:

Dafür spricht auch, dass er, der große Unbequeme und unbeugsame Reformator eines in falscher Routine erstarrten Musikbetriebs, in späteren Jahren nahezu alle bedeutenden Orchester der Welt dirigiert hat, darunter immer wieder auch Traditionshüter wie die Berliner und Wiener Philharmoniker. Diese Wendung ist das eigentliche Wunder in Harnoncourts großer Karriere – hat doch sein nachdrückliches Eintreten für die Verwendung historischer Instrumente und musikgeschichtlich reflektierter Spielweisen noch bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein zum Teil vehementen Widerstand bei Musikern wie Hörern hervorgerufen. Mittlerweile aber – und das ist ein bleibendes Verdienst Harnoncourts – kommt kein ernstzunehmender Dirigent der jüngeren Generation mehr darum herum, bei der Interpretation von Musik zu Fragen des richtigen Instrumentariums, des historisch korrekten Stils, der Artikulation und der Tempogestaltung eine eindeutige Stellung zu beziehen.

Die Presse aus Österreich schreibt

Sein Name gilt längst weltweit als Synonym für einen interpretatorischen Neuansatz, der die Hörgewohnheiten einer ganzen Generation von Musikfreunden entscheidend geprägt hat. Die Wiedereroberung eines jahrhundertelang verschütteten, prächtigen Repertoires und die Hinterfragung aller Hör- und Spielgewohnheiten bei Musik, die zum Dauerbestand der Programme in unseren Opern- und Konzerthäusern gehört, hat auch neue Zuhörerschichten auf die dieserart entstaubte sogenannte Klassik neugierig gemacht. Dass das Musizieren nun ein Ende gefunden hat, wird nicht gleichbedeutend damit sein, dass einem Nikolaus Harnoncourt je langweilig werden könnte: Man ahnt die Schlangen von Wissbegierigen voraus, die sich vor seinem Haus bilden werden, um seinen Rat einzuholen.

   

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