Deutsche Bank: Mal wieder ein neuer Boss

von Peter M. aus Düsseldorf

deutsche-bank-mal-wieder-ein-neuer-boss
Bevor wir mit den neuesten Wendungen bei der Deutschen Bank zum aktuellen Teil kommen, hier ein langfristiger Rückblick in die Börsengeschichte. Oft gewinnt man ja den Eindruck, die Akteure dort würden allen möglichen Nachrichten nachjagen und spekulieren. Dabei ist der Aktienmarkt auf lange Sicht eine Funktion der Unternehmensgewinne. Wie sollte es auch anders sein?

In Deutschland gab es diverse Strukturbrüche wie zwei Weltkriege, Hyperinflation, Landverluste im Westen (Elsass-Lothringen) oder im Osten (DDR). Da hatten es die Amerikaner besser. Bei denen lief die Börse mit nur einer kurzen Unterbrechung zu Beginn des Ersten Weltkriegs kontinuierlich weiter. Sie eignet sich daher als Vergleich von Aktienkursen und Unternehmensgewinnen besser als unsere. Nun schauen Sie erst mal in die Entwicklung seit 18.

Man sieht auf den ersten Blick: langfristig sehen die Kurven schon irgendwie ähnlich aus. Quod erat demonstrandum. Allerdings Vorsicht: die in der superlangen Grafik so unerheblich erscheinenden Abweichungen waren in der Praxis beachtlich. So liefen die Kurse nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst nur langsam hinter den Gewinnen her. Ende der 1990-er Jahre dann das Gegenteil: die Notierungen spurteten den Gewinnen davon. Mit bösem Ende.

Darüber unken auch zur Zeit die Skeptiker wieder. Denn offenkundig hat die Euphorie um einige Superaktien wie Alphabet (Google), Amazon, Facebook, Microsoft oder Tesla die Kurse auch in der Breite gepuscht. Die andauernde Beruhigung der Kurse hat daran noch nicht grundsätzlich etwas geändert.

Doch noch mal Vorsicht: eine Abweichung von Kursen und Gewinnen heißt noch nicht, dass sie morgen zu Ende ist. Und jetzt steht in Bälde an der Wallstreet ein spannendes Phänomen an: zu den laufenden Aktienrückkäufen der amerikanischen Industrieunternehmen kommen die Rückkäufe der großen Tech-Konzerne in Höhe von möglicherweise einigen hundert Milliarden Dollar hinzu, nachdem sie ihre Auslandsanlagen dank Trumps Steuerreform steuergünstig heim nach den USA holen können.

Nun zu Deutschlands größtem Geldhaus: Die Spatzen pfeifen es von den Bankdächern, die Deutsche Bank steht mal wieder vor einem Personalwechsel an der Spitze und damit möglicherweise auch einer Veränderung der Strategie. Als ich dieses schreibe ist es noch nicht amtlich, aber mehrere Medien berichten gleichlautend, dass Christian Sewing (Jahrgang 1970) als Nachfolger des Briten John Cryan im Chefsessel installiert werden soll.

Das Überraschende dabei: Sewing ist im Vorstand für das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden sowie das Wealth Management zuständig. Und er ist ein Eigengewächs, seit 1989 und damit fast drei Jahrzehnten in der Bank tätig. Bislang sah es so aus, als würde der Exponent des aus meiner Sicht leidigen Investmentbankings, Markus Schenck (Jahrgang 1965), als einer der Kronprinzen gehandelt. Ist der Stern des ehemaligen Goldman-Partners und Strommanagers (E.ON) schon wieder erloschen

Dabei schien der umstrittene Dauer-Aufsichtsratschef Paul Achleitner mit seinen Vorschlägen für eine Neubesetzung des Aufsichtsrates gerade erst in die andere Richtung zu deuten. Drei abgehalfterte Investmentbanker sollen bei der nächsten Hauptversammlung in das 20-köpfigen Aufsichtsgremium einziehen. Etwa der Ex-Chef der in der Finanzkrise untergegangenen Investmentbank Merrill Lynch, John Thain. Aber auch die ehemalige Morgan-Stanley-Bankerin Mayree Clark und die frühere UBS-Managerin Michele Trogni.

Ein merkwürdiges Zeichen an die deutschen Kunden des Geldhauses: denn mit Henning Kagermann und Johannes Teyssen scheiden zwei Vertreter der deutschen Industrie aus. Die Berufung Sewings könnte ein Signal sein, die Deutsche Bank wieder stärker in Deutschland zu verankern.   

Dieses Lichtlein am Ende des Tunnels könnte mich das erste Mal in meinem Leben für die Aktie der Deutschen Bank erwärmen, denn ich mag Papiere, die alle anderen Marktteilnehmer für Schrott erklären. Wenn da nicht noch der fahrige Österreicher Achleitner im Aufsichtsrat thronen würde. Bevor der nicht auch noch von Bord geht, hat die Bank die Glocken wohl immer noch nicht gehört. Vergleichen Sie dazu bitte meine Morgenmail „Deutsche Bank: von wo stinkt de Fisch?“ vom 28. März 2018.

Das Institut muss dem Würgegriff ihrer angestellten Investmentbanker aus aller Welt entkommen. Mit den angeblich so blöden Inlandsfilialen, der Nähe zur deutschen Industrie und der Bedienung der heimischen Anleger ist immer Geld verdient worden. Hier gab es keine selbstverschuldeten Katastrophen wie in New York oder London, keine gigantischen Strafzahlungen.

Hier musste nicht teures Eigenkapital dem Börsenspiel einiger weniger dienen, die bei Erfolg meilenweit mehr Geld abgriffen als der Vorstand und bei den oft folgenden Misserfolgen allenfalls ihren Sessel riskierten.

Warten wir mal ab, was die Börse am Montag daraus macht.

Von Peter M. aus Düsseldorf
   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Musik der Extraklasse

Finden Sie im Klassik Radio Shop

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Indem Sie auf den „OK“ Button klicken, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen zum Thema Cookies finden Sie unter Datenschutz und Sicherheit.

  Akzeptiere Cookies
CookiePolicy