Europas Zukunft

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Welchen Weg nimmt Europa nach dem Brexit und wer hält in Zukunft die Fäden in der Hand? Die Pressestimmen:
Neue Osnabrücker Zeitung

Das Vereinigte Königreich war nie so zerrissen wie nach dem Brexit. Bei der Abstimmung stand nicht die EU zur Wahl, sondern das gesamte britische System. Der Bruch geht durch beide großen Parteien, die das Land mit einem überholten Wahlrecht unter sich aufgeteilt haben. Der arme englische Norden fühlt sich abgehängt und straft das Establishment im Süden ab. Je eher nun eben dieses politische Establishment aufhört, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen und sich ineinander zu verbeißen, desto besser. Das Zwei-Parteien-System ist am Ende. Fragt sich, ob die zwei Parteien das noch merken, ehe das Land ganz im Chaos versinkt.

taz

73 Prozent der 18- bis 24-Jährigen war für den Verbleib in der EU. Aber nur 36 Prozent dieser Altersgruppe haben überhaupt gewählt. Befragungen deuten darauf hin, dass viele junge Leute das Wahlverfahren für anachronistisch halten. Mit einem Stift ein Kreuz auf einem Blatt Papier machen? Vielleicht hätte man das Referendum über Facebook aufziehen sollen. Dann hätte die EU genügend 'Likes' für den britischen Verbleib bekommen. Natürlich kann man das Volk nun erneut an die Wahlurne bitten. Mit einer Wiederholung der Brexit-Abstimmung würde die EU allerdings den letzten Rest demokratischer Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Welt

Die Zukunft Europas wird ab Herbst in den Händen von Frauen liegen; in den deutschen von Angela Merkel, den schottischen von Nicola Sturgeon und den englischen von Theresa May. Ein Zustand, den es noch nie gab: Drei Frauen werden über die politische und ideelle Form der Union entscheiden, die eines in sich zerrissenen Kontinents und die einer in sich zerrissenen Insel, und dann könnte im November noch eine vierte Frau hinzukommen, als Präsidentin des mächtigsten Landes der Welt. Überall Frauen an der Macht!.

Landeszeitung

Die seismischen Wellen des Brexit-Erdbebens erreichen Berlin und zertrümmern auch hier die Gewissheiten, wie es weitergehen sollte mit dem Projekt Europa. Die EU müsse wieder Probleme lösen, meint Wolfgang Schäuble; Jugendlichen eine Perspektive geben, die Kanzlerin; die Verelendung des Südens verhindern, Sigmar Gabriel. Alle drei haben Recht - und kommen doch zu unvereinbaren Schlüssen. So erteilt Schäuble als oberster Kassenwart staatlichen Konjunkturprogrammen sogleich eine Absage. Dabei kann ein ausgeglichener Haushalt kein Wert an sich sein. Er bekommt erst einen Wert, wenn er eine Demokratie stabilisiert. Sorgt er dagegen für die Erosion ihrer Grundfesten, weil sich Europa eine verlorene, leicht zu radikalisierende Generation leistet, ist er nachrangig.

Rheinische Post

Erst allmählich entfaltet das Brexit-Votum seine ganze Sprengkraft. Jene, die die Briten immer schon als Blockierer ihres schönen Traums vom Vereinigten Europa sahen, wollen die Störenfriede schnell und rüde aus dem Club werfen. Frankreichs Präsident François Hollande will das auch, aber mit anderen Hintergedanken. Er möchte ein Exempel statuieren, denn ihm sitzt Marine Le Pen im Nacken, die ebenfalls ein Austrittsreferendum fordert. Und dann gibt es noch jene, darunter auch SPD-Politiker, die mit dem Ausscheiden Großbritanniens die Chance sehen, endlich die große Umverteilungs-EU zu installieren, die die Deutschen mit britischer Hilfe bisher verhindert habenDoch statt den Brexit nun für politische Interessen zu instrumentalisieren, die Europa nur noch weiter auseinanderdividieren, geht es jetzt erst einmal darum, den Laden zusammenzuhalten. Und dabei ist auch der Rücktritt vom Brexit eine seriöse Option.
   

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