Gescheiterter Putsch in der Türkei - Pressestimmen

Erdogan beginnt mit "Säuberungen"

gescheiterter-putsch-in-der-türkei-pressestimmen © Fotolia_Orlando Bellini
Was sind das für Zeiten!? Erst der Brexit, dann eine Terror-Amokfahrt in Nizza und dann noch ein Putschversuch in der Türkei! Die Nachrichtenlage der vergangenen Tage hätte früher gereicht, um zwei Jahre zu füllen, schreibt ein Journalist bei Twitter. Und tatsächlich: man kommt mit dem Verarbeiten all der Ereignisse nur noch schwer mit.
Putschversuch in der Türkei also: 265 Menschen sind tot, mehr als tausend wurden verletzt. Und die türkische Regierung feiert den gescheiterten Militärputsch mit schwer zu fassenden Sätzen. Ministerpräsident Yildirim spricht vom "Feiertag der Demokratie" und davon, dass "nach dem 15. Juli nichts mehr wie früher" sein werde. Zuvor hatte schon Präsident Erdogan den Putsch als "Glücksfall" und als „Geschenk Gottes“ bezeichnet und eine "Reinigung der Armee" angekündigt. Tatsächlich sind bis jetzt über 6000 Personen verhaftet worden, darunter Generäle, Richter und Staatsanwälte. Dementsprechend besorgt sind die Pressekommentare.

„Zu befürchten ist: Die türkische Regierung wird wohl Demokratie, Meinungsfreiheit und Grundrechte verletzen und die Gewaltenteilung weiter aushöhlen“, glaubt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. „Europa wird kaum verhindern können, dass das politische Klima in der Türkei noch restriktiver wird“.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU schreibt: "Man muss es so deutlich beim Namen nennen: Was Erdogan hier inszeniert, ist ebenfalls ein Umsturz - ein ziviler Putsch des Präsidenten. Der Boss vom Bosporus denkt gar nicht daran, Schritte zur gesellschaftlichen Versöhnung zu unternehmen.“

„Wie wird Europa darauf reagieren?“, fragt das FLENSBURGER TAGEBLATT. „Hoffentlich in aller Deutlichkeit. Klar ist: Die Zeit des Zuschauens und des Schweigens im Umgang mit der türkischen Staatsführung ist für Europa und die westliche Welt endgültig vorbei".

Die STUTTGARTER ZEITUNG meint dazu: "Für Europa bedeutet das ein kaum lösbares Dilemma: Einerseits braucht die EU die Türkei, nicht nur als Partner in der Flüchtlingskrise, sondern auch als Nato-Verbündeten und als wichtigen Anker der Sicherheitsarchitektur des Westens; andererseits kann die EU nicht zusehen, wie Erdogan sein Land in ein autoritäres Staatsgebilde verwandelt und  zum Despoten mutiert."

Die Zeitung DIE WELT kommentiert: "Es war ein Aufstand gegen den zwar demokratisch gewählten, aber sich zunehmend diktatorisch aufspielenden Präsidenten, ein Putschversuch, der so aussieht, als sei sein Scheitern von Anfang an geplant gewesen. War der Putsch getürkt? Die Merkwürdigkeit der nächtlichen Militärrevolte: Ein in sich ruhender Imperator, der in Wahlkampfmanier den Feinden den Krieg erklärte, so als hätte er nur darauf gewartet.“
   

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