"Glücksfall" und "Gralsretter" - Hartmut Haenchen

Pressestimmen zum "Parsifal"-Einspringer in Bayreuth

glücksfall-und-gralsretter-hartmut-haenchen © Fotolia_stokkete
Vom „Kasperletheater auf dem Grünen Hügel“ lesen wir, vom „Scherbenhaufen in Bayreuth“ und von „Gralsrittern und Gralsrettern“.
Einen Tag, nachdem die Bayreuther Festspiele erleichtert verkündeten, dass Dirigent Hartmut Haenchen einspringen wird für Andris Nelsons, ist der Ersatzmann schon auf dem Weg zum Grünen Hügel. Er hat nicht viel Zeit. Am Mittwoch musste er gleich zu seiner ersten Probe für den "Parsifal". Danach gibt es noch eine weitere, und am 25. Juli ist schon Eröffnungspremiere.

„Ein Festival der alten Männer! Wie schön. Wider die Konsens- und Jugendkultur!“, schreibt DIE WELT. „Hartmut Haenchen hat "Parsifal"-Erfahrung in Berlin, Stuttgart, Amsterdam, Paris, Kopenhagen und Brüssel gesammelt. Es ist ja seltsam. Manche schaffen es eben einfach nicht, sich in die enge Dirigierschleife in Bayreuth einzufädeln. So wie der geschätzte, lyrisch ruhige, dabei fast antiromantische Wagner-Interpret Haenchen. Insofern waltet hier nach den Abgängen von Kirill Petrenko und Andris Nelsons die Göttin der Gerechtigkeit.“

Der TAGESSPIEGEL weist darauf hin, wie kurzfristig Haenchen engagiert wurde: „Da die Generalprobe in Bayreuth traditionell bereits eine Woche vor der Premiere stattfindet, bleiben Einspringer Haenchen nun noch 12 Tage vor Ort inklusive zweier Orchesterproben, um seine Sicht des Werkes zu vermitteln. Darauf ist der 73-Jährige gut vorbereitet: Er hat nicht nur 34 komplette Ring-Zyklen dirigiert, er kann auch auf eine beständige Auseinandersetzung mit dem „Parsifal“ zurückblicken. Überall hinterließ der Dirigent einen überzeugenden Eindruck. Sogar mit der speziellen Akustik des Bayreuther Festspielhauses hat er sich schon einmal auseinandergesetzt – als Assistent von Pierre Boulez. Haenchens Berufung auf den heißesten Arbeitsplatz der anbrechenden Festspielsaison bringt vorerst Ruhe in das erschütterte Bayreuther Gefüge.“

Die RHEINISCHE POST schreibt: „Man darf Haenchen als eine solide Wahl bezeichnen; Bayreuth brauchte jetzt jemanden, der das Werk drauf hat, wie man so sagt. Das darf man Haenchen uneingeschränkt bescheinigen.“

Die STUTTGARTER ZEITUNG meint: „Nach naturgemäß schwieriger Ersatzdirigentensuche ist Bayreuth ausgerechnet in Dresden fündig geworden, wo Christian Thielemann chefamtiert. Hartmut Haenchen, sträflicherweise vorher niemals richtig in Erwägung gezogen, übernimmt, und man möchte von einem Glücksfall sprechen.“

Und auch die BADISCHE ZEITUNG ist begeistert: „Von Ersatz kann im Falle Hartmut Haenchens nun wirklich nicht gesprochen werden. Der 73-jährige Dirigent gehört zu den Bedeutenden seines Fachs. Ausgestattet mit exzellenter Repertoirekenntnis in Oper und Konzert. Und mit großem Rückgrat. Schon zu DDR-Zeiten war der gebürtige Dresdner streitbar und unbequem, setzte sich für Aufführungen des – verbotenen – "Parsifal" ein, mit Konsequenzen wie Ausreise- und Arbeitsverbot. Ein großer Deutscher, möchte man ausrufen. Fragen könnte man, warum ein Wagner-erfahrener Dirigent wie Haenchen erst als Einspringer nach Bayreuth darf? Wie auch immer – besser spät als nie.“
 
Nur die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ist skeptisch: „Jetzt steht Katharina Wagner mit dem "Parsifal" vor dem Scherbenhaufen ihrer Politik. Den Meisterprovokateur Meese hat sie entlassen. Der Meisterdirigent Nelsons hat von sich aus hingeworfen. Die Nachfolger der beiden garantieren zwar eine solide "Parsifal"-Aufführung, es wird aber wohl nicht zu dem von Katharina Wagner favorisierten Mix aus musikalischem Geniestreich und szenischem Spektakel reichen.“
   

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