Handwerk: Ist Haareschneiden out?

von Peter M. aus Düsseldorf

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wer kennt die Malaise nicht, im Haushalt oder am Haus geht was kaputt und man muss den entsprechenden Handwerker rufen? Mal ganz abgesehen von der Qualität der Dienstleistung, es ist schon meist ein Gewürge, dass überhaupt und dann auch noch in Bälde jemand kommt. Man ahnt bereits anhand weniger dieser Erlebnisse, dem Handwerk dürfte es ganz gut gehen. Und in der Tat, mit Hilfe der Umsatzsteuervoranmeldungen kann man schon jetzt vermuten, 2017 war wieder ein Rekordjahr. Die gemeldeten Umsätze stiegen im zulassungspflichtigen Handwerk gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent. Da wird es auf der Internationalen Handwerksmesse in München wohl frohe Gesichter geben. Zumal der Anstieg mit nur 0,6 Prozent mehr Beschäftigten bewerkstelligt wurde. Pro Handwerkerkopf muss daher der Umsatz um komfortable drei Prozent zugenommen haben.

Allerdings Handwerk ist nicht gleich Handwerk. Hier mal ein Blick auf die Entwicklung der Beschäftigtenzahl in den letzten acht Jahren von 2009 bis 2017. Und das umgekehrt: in welchen Bereichen war es mit dem sprichwörtlichen „goldenen Boden“ des Handwerks am wenigsten weit her? Ganz an der Spitze der negativen Hitliste steht eine Dienstleistung, von der man nicht gleich glauben mag, dass sie an Bedeutung verloren hat: das Friseurhandwerk. Haare wachsen doch immer. Dort gibt es inzwischen 15,5 Prozent weniger Haarschneider als 2009. Deutschland eine Region der Glatzköpfe, legen sich die Damen ihre Dauerwelle mittlerweile in der Nachbarschaft gegenseitig?  
 




(Quelle der übrigen Zahlen: Handwerk: 3,6 % mehr Umsatz im Jahr 2017 gegenüber 2016, Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Nummer 087 vom 12.03.2018, https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/03/PD18_087_53211.html )

und: Mehr Schatten als Licht, Immer aktuell: SPC Salonticker, friseur-news, Schaefer & Parner, https://friseur-news.de/friseurbranche/zahlen-daten-fakten/umsatz-und-umsatzentwicklung/immer-aktuell-spc-salonticker )

Aber es wird im haarigen Gewerbe noch rätselhafter. Denn während die Beschäftigtenzahl so beachtlich zurückging, konnte der Umsatz im gleichen Zeitraum immerhin um gut sieben Prozent gesteigert werden. Aber versucht man tiefer in die Branchenzahlen zu schauen – was mir format- und zeitbedingt nur begrenzt möglich ist -, verblüffen einen eher deprimierende Zahlen. In einem durchschnittlichen Damensalon soll ein Mitarbeiter angeblich am Tag keine sechs Kundinnen (5,72) bedienen und dabei lediglich 336 Euro Umsatz machen.

Zudem scheint es viele Kleinstsalons zu geben. 25.000 bundesdeutsche Betriebe liegen unter 17.500 Euro Jahresumsatz. Da beutet sich vermutlich die Besitzerin selber aus und freut sich, dass sie fürs Rumquatschen noch ein paar Euro bekommt. Fast drei Viertel der Salons kommen nicht auf mindestens 100.000 Euro Jahresumsatz. Nimmt man davon eine wohl branchenübliche Gewinnspanne von einem Fünftel, klingen all diese Betriebe nicht gerade nach einem bombigen Geschäft für den Eigentümer. Kein Wunder, dass dort Personal abgebaut wird.        

Mit knapp 12 Prozent ebenfalls kräftig auf dem Rückzug ist der Handwerksberuf des Informationstechnikers. Er umfasst die Tätigkeitsbereiche des früheren Radio- und Fernsehtechnikers sowie des früheren Büroinformationselektronikers. Nun mag im Büro und im Computerbereich der Experte der Wahl noch gefragt sein, aber wann haben Sie das letzte Mal jemand für Ihren Fernseher oder gar Ihr Radio kommen lassen? Da sind die Techniker sozusagen ein Opfer der weniger reparaturanfälligen Technik. Warum es mit dem Handwerk der Steinmetze abwärts geht, weiß ich nicht. Bäcker und Fleischer leiden vermutlich unter dem Aufkommen der Ladenketten.

Na dann viel Spaß bei Ihrer Arbeit

Peter M. aus Düsseldorf
   

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