Im Zeichen des Balles

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Heute um 21:00 ist es endlich so weit. Im Pariser Vorort ist Anstoß des Spiels Frankreich gegen Rumänien – und es beginnen vier Wochen Fußball-Wahnsinn. Die Europameisterschaft 2016.
taz

Erdoğan, AfD, Brexit, Idomeni, Eurorettung, Terrorismus, Rechtsruck, Flüchtlinge – Europa 2016 im Schnelldurchlauf. Und nun kommt die Fußball-EM. Seit dem Ende des Kalten Krieges war kein kontinentales Sportereignis mit mehr Problemen belastet als diese Europameisterschaft in Frankreich, wo derzeit ja auch heftig protestiert wird. Man muss ja nicht gleich sein gesamtes Hirn für einen Monat auf Standby schalten – aber ein bisschen Eskapismus powered by Uefa EURO 2016, da gibt's wahrlich Schlimmeres. Und, mal ehrlich: Wem tun ein paar Wochen Auszeit von der europäischen Dauerkrise nicht ganz gut?

Stuttgarter Nachrichten

Es ist wieder großer Fußball. Und Deutschland bietet eine Premium-Elf. Die Europameisterschaft im Nachbarland Frankreich weckt die vielleicht unverfänglichste Emotion, die Deutschland zu bieten hat: das Ballgefühl. Patriotismus der unverfänglichen Art entlädt sich beim Massengucken im öffentlichen Raum. Der Erfolg lässt sich planen, das Glück dagegen nicht. Doch ganz gleich, ob es nach dem Welt- auch zum Europameister reicht. Das deutsche Ballgefühl bleibt im Spiel. So oder so.

Deutsche Welle

Nie trafen so viele "Kleine" auf so viele "Große". Nie war die Schere zwischen Außenseitern wie Albanien, Nordirland oder Ungarn und Favoriten wie Deutschland, Frankreich oder Spanien größer. Nie gab es mehr Stars und zugleich nahezu unbekannte Kicker bei einer EM. Dies ist die Gelegenheit, eine andere Story zu erzählen als die eines Turniers der Angst. Von mutigen Underdogs, wankenden Riesen, überraschenden Nobodys und strahlenden Helden soll diese Geschichte handeln. Von rein sportlichen Gegensätzen eben. Vielleicht liegt genau hier die Chance auf ein Happy End: Wenn es etwas gibt, das uns zumindest für einen Moment lang alle Sorgen vergessen lässt, dann ist es doch die schönste Nebensache der Welt.

Reutlinger General-Anzeiger

In Frankreich bemühen sich alle um größtmögliche Gelassenheit, aber die Terroranschläge vom November wirken nach. Grindel, ein Ex-Politiker, betont die größtmögliche Abstimmung zwischen deutschen und französischen Sicherheitsbehörden, man sei fest davon überzeugt, dass alles für die Sicherheit getan werde. Was überhaupt nichts am Restrisiko ändert, das auch bei der Europameisterschaft nicht auszuschließen ist. Man kann nur hoffen, dass ausschließlich der Sport einen Monat lang die Schlagzeilen beherrscht.

Westfälische Nachrichten

Diese Europameisterschaft wird kein Fest, schon gar kein Sommermärchen. Noch nie wurde ein kontinentales Fußball-Turnier in einem Land ausgetragen, das sich im Ausnahmezustand befindet. Frankreich erlebt nun diesen Albtraum, es ist erneut eine schwere Prüfung für die ohnehin von Leid heimgesuchte Grande Nation.

Saarbrücker Nachrichten

Der Terror hat bereits eines seiner Ziele erreicht: Furcht verbreiten. Aber ob Moslem, Christ oder Atheist: Fußball verbindet. Daher ist es richtig, dass das Turnier stattfindet.

Weser Kurier

Mit Frankreich gegen Rumänien geht es los, danach spielt die Schweiz gegen Albanien, und die Slowakei trifft auf Wales - das klingt nach der Routine von Qualifikationsspielen. Das ist in Wirklichkeit aber schon EM-Endrunde. Wer weiß: Vielleicht ist die Aufstockung ja auch eine Chance auf überraschende Ergebnisse, mitreißenden Fußball, tolle Tore, damit auch diese EM das wird, was große Turniere zuletzt fast immer waren: ein großes Fest.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Europa sucht seinen Meister. Augenscheinlich nur auf dem Fußballfeld. Doch auf 7.000 Quadratmeter Rasen schaffen 44 Männerbeine etwas, das die große Mehrheit ganzer Nationen emotional bewegt. Die Banalität des Balles schafft eine Bindung auf Zeit, die auch in einer Gesellschaft, die immer mehr in Parallelwelten zerfällt, nicht nachlässt. Die 24 Nationalteams, die von diesem Freitag an einen Monat lang den neuen Europameister ermitteln, bilden Europa in nie dagewesener Weise fast vollständig ab. Bei dieser EM schwingt die Hoffnung mit: Fußball als Urlaub Europas von sich selbst, vier Wochen lang. Doch so schwer wie diesmal hatte der Fußball es noch nie, genau dies zu leisten - auf einem Kontinent, der sich von Aggression und Flüchtlingsströmen von den Rändern und von Populismus und Terrorismus im Inneren bedroht sieht. Dieses Turnier bietet eine seltene Chance, Europa nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als lebendiges Gebilde zu erleben, als große Show der Vielfalt.

Badische Neueste Nachrichten

Die EM ist als potenzielle Zielscheibe für Attentäter wie gemacht. Die französischen Sicherheitsbehörden betonten vor dem Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien, bestens gerüstet zu sein. Doch vergaßen sie nicht, die hässliche Wahrheit zu ergänzen, die wir alle gerne verdrängen: hundertprozentigen Schutz vor irregeleiteten Wahnsinnigen und deren zynischer PR gibt es nicht. Niemals und nirgendwo, also auch nicht in den Tagen des Public Viewings hierzulande.

Die Welt

Als Europäer kann man sich eine rasche therapeutische Wirkung für den Gastgeber und den ganzen Kontinent durch eine berauschende Fußball-Europameisterschaft nur wünschen. Denn ein funktionierendes Europa ist ohne ein Frankreich, das mit sich selbst im Reinen ist, nicht denkbar. Das Land ist zu wichtig, und es hat nach wie vor ein immenses kreatives, akademisches und ökonomisches Potenzial. Wie widerstandsfähig Frankreich ist, zeigt sich bereits darin, dass es seit Jahren unter Wert regiert wird und keineswegs abstürzt. Es stagniert lediglich auf hohem Niveau. Im europäischen Interesse gönnen wir Frankreich deshalb von Herzen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis - beispielsweise, dass es im Finale nur ganz knapp gegen Deutschland verliert.
   

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