Investitionen: mehr Forschung als Bau

von Peter M. aus Düsseldorf

investitionen-mehr-forschung-als-bau © Tatjana Shepeleva
Wenn ich hier gerne einen Schwerpunkt auf die positiven Aspekte der deutschen und europäischen Wirtschaft lege, dann soll das nicht heißen, dass in unseren Regionen alles zum Besten steht. Beileibe nicht, ich lebe schließlich auch hier und sehe durchaus einige Missstände, wenngleich sicher andere als die herrschende sozial geprägte Meinung. Ich möchte damit eher einen Gegenpunkt zu den diversen Jammerberichten setzen, die immer so tun, als sei Deutschland dem Untergang geweiht. Und dies, obwohl man hierzulande kaum eine Wirtschaftszahl findet, die aktuell auf üble Zeiten hinweist.

Hier ein neues Beispiel. Glaubt man den Medien und der Politik, gilt es als ausgemachte Sache, dass die deutsche Wirtschaft diverse Zukunftstrends verpennt. Wenn sich ein Slogan zum Thema deutsches Management eingebrannt hat, dann war das „Nieten in Nadelstreifen“. Obwohl schon bei Erscheinen des Buches aus der Feder des Wirtschaftsjournalisten Günter Ogger (Jahrgang 1941) im Jahr 1995 kein Manager mehr in Nadelstreifen umherstiefelte. Woher bei so viel Missmanagement die Exporterfolge kommen, fragt sich kein Mensch mehr, die sind einfach so da – wahrscheinlich trotz der miesen Manager und nur dank der fleißigen Arbeiter und aufpassenden Gewerkschaften.

Dabei könnte man umgekehrt auf die Idee kommen, die heimischen Wirtschaftselite habe allerhand richtig gemacht. So kam Deutschlands Wirtschaft zum Beispiel verblüffend gut durch die Finanzkrise und gibt es heute die höchsten Beschäftigtenzahlen seit Urzeiten. Auch mit dem Verpennen von Trend kann es bei den stattlichen Exporterfolgen nicht so weit her sein.

Schauen wir einfach mal auf harte Zahlenreihen. Jahr für Jahr stecken hiesige Unternehmen – schon nach Abzug der Inflation – 2,3 Prozent mehr in Ausrüstungsinvestitionen, das heißt neue Maschinen und Fahrzeuge. Für diese Angaben habe ich versucht, so weit wie möglich von Zufallsergebnissen wegzukommen. Die folgende Tabelle vergleicht den Durchschnitt der letzten drei Jahre (2015-2017) mit dem Durchschnitt der drei Jahre rund um das Referenzjahr 2000 (1999-2001). Der Anfangspunkt ist eine relativ gute Konjunkturperiode gewesen, so dass die Trendaussage eher vorsichtig ist. Und nun liste ich die jährlichen Zuwachsraten der Investitionen für wichtige Zukunftsaufgaben auf.

Sie sehen, real jährlich 2,3 Prozent plus bei den Ausrüstungsinvestitionen (Maschinen und Fahrzeuge) ist schon mal relativ üppig. Aber deutlich mehr noch wurde in die Sektoren „Forschung und Entwicklung“ sowie „Software und Datenbanken“ gesteckt. Fast neun Prozent pro Jahr Zuwachs bei Software über einen langen Zeitraum hinweg ist schon ganz schön heavy. Was lahmt, ist der Baubereich. Da wäre meine Vermutung, dass viele der nagelneuen Einrichtungen auch noch in den älteren Gebäuden untergebracht werden können, beim Neubau demnach nicht so ein großer Bedarf besteht.

Ich habe Ihnen mal für die beiden Zukunftsbereich die langfristige Entwicklung seit der deutschen Wiedervereinigung aufgemalt. Da scheint mir kein großes Zurückfallen zu drohen. Die gepunkteten Linien sind die jeweiligen Trends: stramm aufwärts. 

Was für ein Unsinn es ist, einfach nur die breit zusammengefassten Zahlen anzuschauen, soll die nächste Grafik veranschaulichen. In den gesamten Bruttoanlageinvestitionen ist zum Beispiel auch der Wohnungsbau enthalten. Nun mag das ein wichtiges Feld für die Bürger sein, aber für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist eine bessere Wohnung nur begrenzt entscheidend.

Aber selbst wenn man – wie im Schaubild  - nur die Nicht-Wohnungsbau-Investitionen nimmt, geht die Bedeutung dieser jährlichen Ausgaben der Wirtschaft zurück, während Investitionen in den Forschungsbereich an Bedeutung gewinnen. Das scheint mir Sinn zu machen, denn vermutlich hängt die Wettbewerbsfähigkeit der Zukunft eher von neuen Produkten ab als zum Beispiel von schmucken neuen Verwaltungsgebäuden.

Der Aspekt, dass Investitionen der deutschen Wirtschaft auch ins Ausland fließen und erst langfristig den hiesigen Unternehmen wieder zugute kommen, lasse ich hier mal außen vor. Das würde dieses Format sprengen. Obwohl dies in einer globalisierten Welt sicherlich keine Nebensächlichkeit ist. Jedes heimische Unternehmen muss sich bei Aufbau oder Ausbau seiner Produktion hierzulande die Frage vorlegen, ob man das nicht bessert anderswo ins Werk setzt. Denken Sie mal an eine neue Bleihütte und die Genehmigungen und begeisterten Anwohner in deutschen Landen.

Von Peter M. aus Düsseldorf
   

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