Jahresprognose 2018: Lohnt sich die Vorschau?

von Peter M. aus Düsseldorf

jahresprognose-2018-lohnt-sich-die-vorschau © Peter Zsuzsa
bald werden sie wieder überall in den Zeitungen und Fachzeitschriften auftauchen: die Jahresprognosen für 2018. Ob Wirtschaftswachstum, Zinsen, Dollarkurs oder Aktienbörse, kaum etwas wird da nicht vorhergesagt. Beliebt sind zum Beispiel die langen Tabellen, in denen zig Banken den genauen DAX-Stand am Jahresende 2018 prophezeien. Ich halte das für eine eher harmlose Belustigung, denn wohl kaum jemand wird seine letzten Kröten auf so eine Tabelle setzen. Zu offenkundig ist, dass nicht ein mittlerer Bankangestellter die Fähigkeit erworben hat, wie einst die sprichwörtliche Zigeunerin mit Blick auf die Handfläche, die Zukunft vorauszusagen. Ein Typ der das könnte, würde im Bentley umherkutschiert werden und müsste nicht in einem kleinen Bankbüro sehnsüchtig auf die nächste Gehaltsüberweisung warten. Hier mal ein Blick in die Welt des Menschen, der auch nur eine Woche in die Zukunft schauen könnte.

Jahresprognosen haben auch einige logische Nachteile. Das geht schon mit dem angepeilten Zeitraum los. Die Weltwirtschaft richtet sich einfach nicht nach dem Kalender. Nur wenige Entwicklungen – etwa Bilanzabschlüsse – richten sich nach dem Jahresultimo. Die meisten Trends aber enden vor einem Jahresultimo oder gehen weit darüber hinaus bis sie enden.

Mir scheint in diesen Prognosen auch die Gefahr von zu wenig Demut des Propheten zu stecken. Kein Mensch auf dieser Welt kann auch nur fünf Minuten in die Zukunft schauen. Schon gar nicht ein paar Monate oder ein Jahr. Das einzige was möglich scheint ist, die bekannten Voraussetzungen zu sortieren und mit gewissen Wahrscheinlichkeiten daraus eine Vorstellung der Zukunft abzuleiten. Wer die Tendenz einer Entwicklung richtig zu erahnen vermag, der ist schon gut dran. Eine genaue Zahl für den 31.12.2018 angeben zu wollen ist reine Spielerei.

Einen Vorteil hat die Sache: man ist bei dieser Gelegenheit gezwungen, sich seine lang gebrauchten Argumente noch einmal gesammelt zurechtzulegen. Dabei fällt dann in manchen Fällen auf, dass sie ihr Verfallsdatum bereits überschritten haben.

Und – aus meiner Sicht ganz wichtig – man sollte stets lieber einmal zu viel als zu wenig den Risiko- und Warnhinweis einbauen: diese Prognose gilt unter Berücksichtigung der heute mir bekannten Fakten und für einen Zeitraum bis sich an diesen Fakten etwas ändert oder aber neue auftauen. Und wenn das morgen der Fall ist, dann gilt die Prognose halt nur bis morgen. Und wenn es in zwei Jahren so sein sollte, dann bis dann und nicht bis zum 31.12.2018.

Und noch eine letzte Überlegung zum Thema Prognose: warum muss eine wirtschaftliche Prophezeiung eigentlich langfristig sein? Aktien kann man doch zum Beispiel jeden Tag verkaufen. Wenn ich vorhersage, dass der Aktienmarkt möglicherweise nach der Faktenlage steigen könnte, dann genügt das doch zunächst einmal für eine schöne Gewinnchance. Sollte das nach einem schwer abschätzbaren Zeitraum X nicht mehr der Fall sein, dann genügt doch an diesem Tag eine neue Prognose (Kurse könnten jetzt fallen!), um rechtzeitig reagieren zu können. Da verkauft man halt dann. Punkt. Wieso sich da vorher über diesen Zeitpunkt hinaus festlegen?

Ich saß neulich mit zwei guten Freunden bei Speis und Trank zusammen und da wir alle aus dem Börsenmetier kommen, diskutierten wir auch die Zukunft des Aktienmarktes. Schnell waren wir uns einig, vieles oder zumindest einiges spräche für ein paar gute Monate zu Jahresbeginn 2018. Aber dann kamen wir zum Austausch von Argumenten, ob und warum danach im Jahresverlauf schwierigere Zeiten aufziehen könnten. Und ich gab dazu meine Meinung kund: lass uns doch diese guten Monate erst mal vorüberziehen bzw. genießen und dann können wir die Diskussion über den weiteren Verlauf mit zusätzlichen Erkenntnissen wieder aufnehmen.               

Ich möchte mal den Miesepeter sehen, der kurz vor Gewinn der Meisterschaft seines Lieblings-Fußballvereins eine lange Diskussion beginnt, ob man nach Empfang der Meisterschale möglicherweise in der nächsten Saison in der Tabelle abrutschen könnte. Ich bin sicher, der genießt an der Festtafel der Meisterfeier nicht das größte Interesse der Mitfeiernden.

Ich vermute mal, nach all der Vorrede erwarten Sie nun dennoch von mir eine Art Jahresprognose 2018. Und ich bin sogar bereit - mit den gerade genannten Einschränkungen – eine solche abzugeben. Aber, nach Länge dieses Textes, nicht heute, sondern erst morgen. Schließlich müssen Sie jetzt zum Dienst, Golfplatz oder ins Fitness-Studio. Also dann bis morgen.

Von Peter M. aus Düsseldorf
   

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