Jahresprognose 2018: Was wichtig sein könnte

von Peter M. aus Düsseldorf

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Gestern ging es an dieser Stelle um die Tücken und gebotenen Warnhinweise bei Jahresprognosen. Die kann ich mir demnach heute bei meinem persönlichen Jahresausblick 2018 schenken. Zunächst mal, ich lasse alle Prognosen zu Weltpolitik, Europapolitik und einheimischer Politik sowie alle geopolitischen Entwicklungen bewusst weg.

Die können zwar bei der Lagebeurteilung durchaus wichtig sein, sind aber noch schwerer als ökonomische Trends vorherzusehen. Wenn das überhaupt geht. Denken Sie an die letzten Wahlen in Europa. Oder hätten Sie ein Jahr vor seiner Wahl auf Emmanuel Macron als französischen Präsidenten getippt? In dieser Hinsicht muss man sich einfach aktuell der entstehenden Lage anpassen, Oder wissen Sie, ob und wann der Nordkorea-Konflikt brandheiß werden könnte? Meine Wanzen an Donald Trumps Schreibtisch arbeiten gerade nicht so zuverlässig.

Ich beschränke mich daher auf die Wirtschafts- und Finanzwelt, wo ich in den letzten Jahrzehnten ein wenig Erfahrung gesammelt habe. Beherrschendes Faktum für die Finanz- und insbesondere Aktienmärkte bleibt dort auch im kommenden Jahr die Politik der großen Zentralbanken. Es gibt keinen Anlass an ein schnelles und vor allem scharfes Ende ihres Geldnachschubs zu glauben.

 Zwar hat die US-Notenbank nach ihrer aggressiven Geldpolitik 2012 bis Anfang 2015 ihre Haltung auf neutral verändert (siehe stagnierende rote Linie der Grafik). Auch hebt sie die Leitzinsen in Trippelschrittchen an. Aber von einer Bremsung kann auch in den USA nicht die Rede sein. Aber andere große Zentralbanken, vor allem die Bank von Japan (grüne Linie) und die Europäische Zentralbank (EZB) sind bei der Expansion ohnehin an ihre Stelle getreten. Nicht zu vergessen die People’s Bank of China, die seit geraumer Zeit die längste Bilanzsumme der Welt aufweist. Bei ihr lag das Bilanzwachstum übers Jahr zuletzt bei über 11 Prozent, nur durch ihre schwache Landeswährung ging die Kurve in Dollar umgerechnet lediglich so bescheiden nach oben.

Wieso geht es bei der Liquiditätsversorgung der Welt überhaupt um die Bilanzsummen der Notenbanken? Für die Nichtfachleute unter Ihnen gerne dazu noch ein Hinweis: Geld kommt – außer bei Bitcoin & Co. - global in Umlauf, wenn die Zentralbanken Kredite an das Bankensystem gewähren oder aber Aktiva ankaufen – im Anklang an frühere Zeiten volkstümlich „Geld drucken“. Und beides bläht buchhalterisch ihre Bilanz auf. Größere Bilanzsummen deuten daher auf verbreitete Liquidität hin. Zurück zum Bild der globalen Finanzwelt. Hier die gerade gezeigten Notenbanken zusammengefasst und auf Dollar umgerechnet.


Ist Geld für die Finanzanlage demnach weiterhin reichlich vorhanden, stellt sich die Frage nach der Solidität der wirtschaftlichen Entwicklung. Denn natürlich sollte man nicht mit vollem Portemonnaie blauäugig Aktien kaufen, bei denen in Bälde die Gewinne einbrechen. Nun kann ich als Einzelkämpfer natürlich nicht die Konjunktur in jedem Land checken.

Aber bei allem Misstrauen gegenüber volkswirtschaftlichen Zahlenspielereien, der Internationale Währungsfonds in Washington (IWF oder englisch IMF) hat dazu Unmassen von Zahlen angehäuft. Vertraut man seinen Ausarbeitungen, liegt das weltweite Wirtschaftswachstum nach Abzug der Preissteigerungen dieses Jahr etwa auf dem Durchschnitt des letzten Vierteljahrhunderts und vor allem soll es dort auch in nächster Zeit bleiben.

So etwas ist für Börsen ein idealer Zustand. Denn dann zwingen nicht zu hohe Wachstumsraten die Notenbanken in Bremsaktionen, bleiben jedoch in der Erfolgsrechnungen der Unternehmen unter dem Strich ein paar Dollar, Euro oder Yen übrig. Ausreichend Liquidität, niedrige Zinsen und moderates Wachstum – so etwas nennen die Angelsachsen Goldilock-Szenario. Dies im Anklang an das dortige Märchen von „Goldlöckchen und den drei Bären“. Es umschreibt zuzusagen einen Idealzustand.

Der natürlich – seit Vertreibung aus dem Paradies – auf dieser Erde nicht ewig anhalten kann. Aber darüber sollten wir dann reden, sobald das Ende in Sicht kommt. Also etwa wenn die Notenbanken doch eher bremsen, die Zinsen deutlich nach oben gehen, die Konjunktur an Fahrt verliert oder ein externes Großereignis wie Krieg oder so etwa eintritt. Im Moment ist das alles – zumindest mit meiner bescheidenen Beobachtungsgabe – nicht unmittelbar in Sicht.

Übrigens, für alle, die wegen der Dauer der aktuellen Konjunkturaufschwungs seit dem Katastrophenjahr 2009 eine Rezession in Bälde für unabdingbar halten: auch Konjunkturzyklen laufen immer länger als man so denkt. Zwischen dem oberen Wendepunkt im letzten Zyklus 1992 und dem nächsten vor der Finanzkrise 2008 lagen – gemessen an der Industrieproduktion – 194 Monate oder 16 Jahre. Der davor liegende Zyklus dauerte von der ersten Ölkrise 1974 bis 1992 gar fast 18 Jahre. Auch wenn bei diesem vorletzten Zyklus wegen einer Delle Anfang der 1980-er Jahre die Datierung etwas problematischer ist.