Keine Fans

Klassik Radio Meinungssache

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Nach den Fan-Krawallen bei der Fussball-EM hat die UEFA England und Russland damit gedroht, sie aus dem Turnier auszuschließen. Wenn sich die Fans weiter so benehmen wie in den letzten Tagen, ist die EM für die Nationalmannschaften von England und Russland vorbei - das hat das Exekutivkomitee mitgeteilt.
Tagesspiegel

In Zeiten der Terrorangst setzt Frankreich auf massive Polizeipräsenz und scharfe Kontrollen. Beide Maßnahmen sind wichtig und richtig, wenn es um potenzielle Attentäter geht. Im Fall der Fußball-Touristen sind sie mitunter aber kontraproduktiv. Wer Fußballfans nur als Problem wahrnimmt und behandelt, bekommt in der Regel auch Probleme mit ihnen. Diese selbsterfüllende Prophezeiung ist die Erfahrung etlicher Spiele und Turniere.

Die Welt

Am Ende drang die Gewalt auch noch in den letzten Winkel vor. An einen Ort, der während der Fußball-Europameisterschaft der sicherste in ganz Marseille sein sollte. Kein Bombenattentäter, kein Terrorist werde es hierhin schaffen. So hatten es Organisatoren und Sicherheitsbehörden gesagt. Tatsächlich zündeten russische Fans während des Spiels gegen England einen Knallkörper und schossen eine Leuchtkugel auf die Gegentribüne. Nach dem Schlusspfiff stürmten sie problemlos die angrenzenden Zuschauerränge und schlugen auf alles und jeden ein. Polizei und Sicherheitsbehörden versagten auf ganzer Linie.

Volksstimme

Seit der Terror-Nacht von Paris beherrschte die Organisatoren der Fußball-EM eine Frage: Wie ist ein sicheres Turnier zu organisieren? Dafür wurde offenbar bisher vieles richtig gemacht, dafür ein anderes Phänomen aus den Augen verloren: Hooligans. Die gewaltbereiten Fußball-Touristen aus Russland und England wurden massiv unterschätzt. Das mussten UEFA, Behörden und Polizei mit einer Korrektur ihres Sicherheitskonzeptes nach der Schlacht von Marseille einräumen. Die Gewaltexzesse sind deshalb besonders erschreckend, weil Russland in zwei Jahren Gastgeber der WM sein soll. Das Riesenreich hat seit Jahrzehnten ein massives Hooliganproblem. Eine friedliche WM in zwei Jahren ist derzeit nur schwer vorstellbar.

Frankfurter Rundschau

Es ist dem Fußball trotz einiger Bemühungen nicht gelungen, die schmuddeligen Verwandten loszuwerden, die man noch immer der Fan-Kultur zurechnet, obwohl sie das Spiel nur als äußeren Anlass für ihre Prügeleien benötigen. Möglicherweise sind die Exzesse auch eine zynische Reaktion auf die reglementierten Verhältnisse in einem Sport, der Emotionalität verlangt, aber darauf aus ist, einen geschmeidigen und moralisch integren Athleten zu präsentieren. So trifft man sich in Frankreich wohl nicht nur zum sportlichen Kräftemessen. Zur Austragung kommen auch jene Spannungen, die derzeit Europa unter Druck setzen.

Darmstädter Echo

Gehirnamputierte Schlägertrupps haben viele Mannschaften - auch deutsche - über Jahrzehnte immer wieder begleitet. Englische Hooligans hatten Marseille 1998 schon einmal in ein Schlachtfeld verwandelt, damals ging es gegen Tunesien. Gegen sowas helfen keine Geldstrafen oder Punktabzüge, sondern nur langfristig angelegte Präventionsprogramme. Und kurzfristig die härteste aller denkbaren Maßnahmen: Für den Verband, der seine Anhänger nicht in den Griff bekommt, werden das laufende Turnier oder künftige abgepfiffen. Echte Fans nämlich - die große Mehrheit - sind patriotisch, friedlich und fröhlich.

Spiegel Online

Die Bilder aus Marseille bekommt man nur schwer aus dem Kopf: Blutüberströmte Hooligans werfen mit Stühlen und Flaschen um sich, Menschen liegen auf dem Asphalt und werden trotzdem noch getreten. Ein Mann ringt seit Stunden mit dem Tod, die Ärzte konnten noch keine Entwarnung geben. Kaum jemand wollte sich vorstellen, dass es bei dieser Europameisterschaft solche Bilder geben könnte. Hooliganismus, so erklären es Funktionäre gerne gebetsmühlenartig, sei ein Phänomen der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre. Betrieben von zahnlosen, tätowierten, dickbäuchigen Männern, die sonst nichts im Leben hätten. All dies war schon immer falsch.

Zeit

In den vergangenen Jahren hatte sich eigentlich ein anderes Bild des Fußballfans durchgesetzt. Mit bunt bemalten Gesichtern, mit Klatschpappen, viele Frauen und Kinder, der fröhlich feiernde Eventfan. Gerade bei den Großveranstaltungen, bei denen alles fast aseptisch durchkommerzialisiert ist, dominierte der Typus des unbeschwerten Gelegenheitsfans. Dass diese brutalen Bilder, die in kaum größeren Kontrast zu den Hawaiiketten stehen könnten, also ausgerechnet bei einer Fußball-EM wieder auftauchen zeigt: Die Fußballschläger waren nie weg.

Abendzeitung München

Wer mit Füßen auf den Kopf eines wehrlos am Boden liegenden Menschen eintritt, wer mit Waffen aufeinander einprügelt, nimmt den Tod eines Menschen billigend in Kauf. Das sind keine Körperverletzungsdelikte, das sind Mordversuche, denn das Mordmerkmal des niederen Beweggrundes ist zweifelsfrei erfüllt. Verbrechern, die Gewalt, ja, die Zerstörung von Körpern und Seelen als Zeitvertreib betrachten, kann man nur mit aller Härte entgegentreten. Als Staat, als Gesellschaft. Gerne wird gesagt, sie wären wie die Tiere. Nein, dieser Gewaltmob verhält sich nicht wie Tiere. Bei Tieren geht’s um Nahrung, um Arterhaltung. Der Mensch rühmt sich, die Krone der Schöpfung zu sein, diese Schläger sind eher der Bodensatz.
   

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