Oscar-Ruhm und Mega-Pleite: Michael Cimino ist tot

Regisseur von „Die durch die Hölle gehen“ und „Heaven’s Gate“ gestorben

oscar-ruhm-und-mega-pleite-michael-cimino-ist-tot © Screenshot You Tube / Oscars
Er war ein Filmemacher, der alle Höhen und alle Tiefen erlebt hat – seine Karriere gleicht einer rasanten Achterbahnfahrt.
Mit seinem zweiten Spielfilm wurde Michael Cimino über Nacht in Hollywood berühmt. Der aufrüttelnde Vietnam-Film «Die durch die Hölle gehen» (The Deer Hunter) räumte bei der Oscar-Verleihung 1979 fünf Trophäen ab, darunter zwei für Cimino als Regisseur und Produzent des besten Films.



Dieser Film ist bis heute von einer unfassbaren Intensität. Cimino selbst sieht seinen Film nicht als Vietnamfilm, sondern als Film über die USA. Und genau das ist er auch. Er schildert die Lebensumstände von russisch-stämmigen Stahlarbeitern vor, während und nach dem Vietnamkrieg. Zeigt, wie selbstverständlich patriotisch sie vor dem Krieg sind, wie unbeschwert ihr Leben ist – zeigt aber auch wie qualvoll das einst harmonische Leben nach dem Vietnamkrieg geworden ist. Besonders eine Szene mit Robert De Niro und Christopher Walken beim «Russischen Roulette» geht unter die Haut.

Robert de Niro, Christopher Walken und Meryl Streep spielen die Hauptrollen in diesem Film, der auf der Berlinale 1979 einen Skandal verursachte: Die sowjetische Delegation bezeichnete ihn als "Beleidigung für das Volk von Vietnam" und reiste demonstrativ ab. Tatsächlich bleibt das Denken und Fühlen der Vietnamesen im Verborgenen. „The Deer Hunter – Die durch die Hölle gehen“ geht es mehr um die Wirkung dieses Krieges auf die Amerikaner, darum, wie er das Leben vieler zerstört hat.

Ein Jahr später lieferte Hollywoods Wunderkind mit dem teuren Western «Heaven's Gate» dann einen der größten Flops der Filmgeschichte.



Das über drei Stunden lange und teure Westernepos erlebte eine Bruchlandung, von der sich der Regisseur nie richtig erholte. Der Film mit Kris Kristofferson und Isabelle Huppert über Siedler, die von Viehbaronen brutal vertrieben werden, wurde von den Kritikern zerrissen und fiel an den Kinokassen durch. Die anfangs harsche Kritik an dem bildgewaltigen Film flaute später ab. Bei einer Wiederaufführung 2012 beim Filmfest in Venedig erntete Cimino lauten Applaus. Diese Rechtfertigung habe er eigentlich nie gebraucht, sagte der Regisseur im Februar 2015 in einem seiner seltenen Interviews dem US-Branchenblatt «Hollywood Reporter». „Ich wusste immer, was ich geschaffen hatte.“

Nun trauern Kollegen und Fans nach Ciminos plötzlichem Tod. Wie sein langjähriger Anwalt am Samstag (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, wurde der Regisseur leblos in seinem Haus in Beverly Hills aufgefunden. Zur Todesursache konnte Eric Weissmann keine Angaben machen. Cimino sei bei guter Gesundheit gewesen, sagte der Anwalt. Den Tod des 77 Jahre alten Filmemachers beschrieb er als «völlig unvorhersehbar».

Kollegen reagierten schockiert. „Ich wünschte, ich hätte Michael Cimino Tribut gezollt, als er noch lebte“, schrieb „Der Exorzist“-Regisseur William Friedkin auf Twitter: „Er war ein wichtiger und meisterhafter Filmemacher“.
   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Musik der Extraklasse

Finden Sie im Klassik Radio Shop

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Länder dieser Erde

Von gutem Geschmack für guten Geschmack

Die Webcam

Der schönste Blick auf Augsburg