Profilierter Einspringer

Hartmut Haenchen ersetzt Andris Nelsons

profilierter-einspringer © Fotolia_VTT Studio
Manchmal wird aus einem Notnagel ja eine große Nummer, der Einspringer wird quasi über Nacht berühmt. Beste Beispiele sind Leonard Bernstein und Esa Pekka Salonen. In Bayreuth ist dies nicht nötig – der Einspringer ist einer der profiliertesten deutschen Dirigenten: Hartmut Haenchen.
Eigentlich vorgesehen für den Parsifal bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth war der lettische Star-Dirigent Andris Nelsons. Der bat um die Auflösung seines Vertrages, angeblich weil sich der Musik Direktor Christian Thielemann „gewohnt zurückhaltend“ eingemischt haben soll.

Festspielleiterin Katharina Wagner sagt: „Ich bin Maestro Haenchen sehr dankbar, dass er sich kurzfristig bereit erklärte, das Dirigat der Neuproduktion zu übernehmen und freue mich auf sein erstes Mitwirken bei den Bayreuther Festspielen.“

„In der DDR war ‚Parsifal‘ verboten. Herbert Kegel brach dieses ‚Verbot‘ mit einer konzertanten Aufführung. Ich war der zweite Dirigent, der eine szenische Aufführung als Chefdirigent der Mecklenburgischen Staatskapelle durchsetzen wollte. Die szenische Aufführung wurde verboten, es wurden konzertante Aufführungen. Dann inszenierte Harry Kupfer ‚Parsifal‘ an der Berliner Staatsoper. Ich dirigierte dort zwei Vorstellungen (ausverkauft an Stasileute, damit das normale Publikum nicht hineinkonnte). Dann dirigierte ich die Götz-Friedrich-Produktion in Stuttgart. Danach kam Amsterdam zweimal (Grüber), Paris (Warlikowski), Kopenhagen (Warner), Brüssel (Castelucci; auch auf DVD erschienen)“, so Harmut Haenchen.

Für alle, die den Premierenretter Harmut Haenchen nicht kennen, stellen wir den Dirigenten hier einmal vor. 1943 wurde er  in Dresden geboren, viele Jahre war er Generalmusikdirektor der Niederländischen Oper, 34 Jahre lang künstlerischer Leiter des Kammerorchesters Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin, von 2003 bis 2008 war er Intendant der Dresdner Musikfestspiele, außerdem war er Gastdirigent der Opéra National de Paris und ist Gastdirigent des Royal Opera House in Covent Garden und am Teatro Real Madrid.

Ein angepasster, einfacher Dirigent ist Harmut Haenchen nicht. Seine erste Chefdirigentenposition in der ehemaligen DDR verließ er  im Streit mit der Parteileitung, es kam zum Eklat und faktisch zu einem landesweiten Arbeitsverbot. Nach seiner Ausreise aus der DDR  und seiner Berufung zum Generalmusikdirektor der Niederländischen Oper, wehrte er sich gegen Stellenkürzungen – und kündigte schließlich.  Und auch seine Zeit als Intendant der Dresdner Musikfestspiele endete im Streit: Aus Protest gegen finanzielle Kürzungen schlug er eine Vertragsverlängerung aus.



Wir sind gespannt wie seine Zeit in Bayreuth wird. Premiere des Parsifal ist schon in wenigen Wochen, am 25. Juli.
   

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