Raus oder nicht?

Klassik Radio Meinungssache

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Heute ist der Tag der Abstimmung. Heute stimmen die Briten über einen Austritt oder einen Verbleib in der Europäischen Union. Die Pressestimmen.
Westfälischen Nachrichten

Die Briten sind ein selbstbewusstes Volk, sind zu Recht stolz auf ihre Historie. In zwei Weltkriegen stand das Land auf der Seite der Sieger. Aber: Warum musste Britannien überhaupt in den Krieg ziehen? Weil es kein geeintes Europa gab. Bei allen Unzulänglichkeiten in diesem Europa: Die EU bleibt ein einzigartiges Friedensprojekt. Es steht viel auf dem Spiel - nicht nur für die Briten, sondern auch für den Kontinent.

Straubinger Tagblatt

Der Austritt der Briten mag wirtschaftlich wie politisch verkraftbar sein. Doch gehen sie wirklich, und das Beispiel macht Schule, kehren beispielsweise auch die Franzosen der EU den Rücken, dann wird von Europa nicht mehr bleiben als eine schöne Idee. Darum ist heute tatsächlich ein Schicksalstag für gesamt Europa.

Deutsche Welle

Wie auch immer das Referendum ausgeht - eines ist jetzt schon sicher: Der britische Premier Cameron hat ausschließlich aus innerparteilichen Gründen - um die Skeptiker in seiner konservativen Partei ruhig zu stellen - das Referendum gewollt und gewagt. Und er hat die EU damit in eine schicksalshafte Krise gestürzt. Er hat genau jene euroskeptischen Geister gerufen, die er eigentlich loswerden wollte. Er hat das Schicksal seines Landes und der gesamten EU in die Hände eines sinnlosen und völlig unnötigen Referendums gelegt. Und selbst wenn die Briten so pragmatisch und vernünftig entscheiden, wie in vielen Staaten der EU gehofft wird: Cameron hat einen Riss in sein Land getragen. Und er hat die Fundamente der EU an ihre Belastungsgrenze geführt. Politisch war der Entschluss zum Volksentscheid deswegen eine Torheit. Und der äußerst emotionale Verlauf der vergangenen Wochen - bis hin zur Ermordung der britischen Abgeordneten Cox - hat nur unterstrichen, dass solch komplexe Fragen fürs Parlament taugen, aber nicht für einen Volksentscheid.

Abendzeitung

Wirkliche Eu(ropa)phorie kam bei der „Remain“-Kampagne jedoch ebenso wenig auf. Europa ist auf der Insel ein verbranntes Thema – und das wird es wegen des Referendums nun auch lange bleiben. Klar ist auch: Mit einem in EU-Fragen derart zerstrittenen Großbritannien ist in Brüssel nichts Substantielles mehr anzufangen – selbst wenn die Briten sich zu einem zaghaften „Dann bleiben wir halt“ durchringen können. Das ist für alle Europäer bitter.

Bild

Selbst wenn die Briten den Brexit heute ablehnen, wäre das nur ein Votum gegen den Austritt, keines für die EU. Kein Grund zur Freude also. Höchstens erleichtert dürfte man sein. Brüssel hat seine Strahlkraft verloren – keineswegs nur für viele Briten. Ob mit oder ohne Brexit – die EU muss ihre Anziehungskraft zurückgewinnen. In dem sie abspeckt, bei Kommission und Regulierung. Und zuhört, den Bürgern. Sonst hören die Bürger irgendwann nur noch den Europa-Feinden zu.
   

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