Should I Stay or Should I Go

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Es ist die große Brexit-Woche. Europa guckt ängstlich und gespannt auf Großbritannien. Die Pressestimmen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es mag für die Wähler unmaßgeblich sein, aber sie entscheiden dabei auch über die Zukunft einer Union mit, die trotz ihrer Mängel auch im 21. Jahrhundert gebraucht wird. Viele Engländer, von Verdruss über die Eliten erfüllt, sehen im Austritt die Antwort auf Brüsseler 'Fremdbestimmung' - und auf soziale Veränderungen, die sie als Verlust von 'Heimat' im weitesten Sinn erleben - Stichwort Einwanderung. Ähnliche Erfahrungen machen viele Leute auf dem Kontinent. Aber ein Zerfall der EU und die Rückkehr zur nationalen Parzelle würden in Sackgassen führen. Einem Brexit wohnt kein Glücksversprechen inne.

Heilbronner Stimme

Stimmungen, Ressentiments und Ängste werden die Abstimmung entscheiden, nicht mehr Argumente. Der Frust über ein Scheitern der britischen Teams während der Fußball-EM könnte den Ausschlag für die Brexit-Befürworter geben, mutmaßen Meinungsforscher. Ebenso könnte der Mord eines mutmaßlich psychisch kranken Täters an der Labour-Abgeordneten Jo Cox den Brexit-Gegnern zum Sieg verhelfen. Das alles sagt viel über den Zustand der EU und über die Geschichtsvergessenheit vieler Anti-Europäer aus.

Die Welt

Mit Unbehagen reagieren die Briten auf alle Versuche, sie auf den letzten Metern mit Liebesappellen auf die kontinentale Seite zu ziehen. 'Bitte geht nicht', titelte der 'Spiegel' jüngst. Französische, deutsche, spanische Europhile fluten die sozialen Netzwerke mit Fotos von netten Menschen, die Schilder mit Aufschriften wie 'We will miss you', 'Hug a Brit' oder 'Please don’t go' in die Kameras halten. Der Durchschnittsbrite quittiert das im besten Fall mit Irritation, im schlechtesten mit Misstrauen. Sind sie auf dem Kontinent mittlerweile so verzweifelt? Geht es vielleicht gar nicht um uns, sondern um die ganze EU? Wäre Letzteres der Fall, dann spräche das erst recht für den Brexit. Wer will schon in einem Klub bleiben, der vor dem Konkurs steht?

Thüringer Landeszeitung

Vermutlich würde ein Brexit die Briten letztlich härter treffen als die anderen Bürger der EU. Denn es muss auch dem verbohrtesten EU-Gegner klar sein, dass ein Austritt nicht zwangsläufig der Anfang vom Ende der EU wäre. Die Europäische Union wäre einen ständigen Quertreiber los, der unentwegt Extrawürste für sich einforderte, ohne dazu eine wirkliche Begründung liefern zu können. Andererseits wäre es aber eben auch ein großer Verlust, weil mit Großbritannien auch jene Kraft aus der Gemeinschaft verschwände, die Brüssel immer wieder die Notwendigkeit von Reformen verdeutlicht hatte. Die Briten verlören international an Gewicht, die EU ebenso.

Rheinische Post

Noch bevor die Briten überhaupt für oder gegen den Austritt aus der EU gestimmt haben, steht eines fest: Die erbittert geführte Brexit-Diskussion hat zu einem nur schwer zu schließenden Riss quer durch das Königreich geführt. Der Ton war so verroht, dass er den Mord an der jungen Politikerin und Brexit-Gegnerin Jo Cox zumindest befördert haben dürfte. Nach knapp drei Tagen der Trauer ist die Wahlkampfmaschine gestern wieder angelaufen. Es ist nun eine Frage des Anstandes, dass sich beide Lager zumindest auf den letzten Metern verbal mäßigen. Auch die Brexit-Gegner sollten nicht der Versuchung erliegen, Cox' Tod zu instrumentalisieren. Ein solch erwartbares Vorgehen würde den Riss nur auf Dauer zementieren.
   

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