Terror-Alarm in Chemnitz

Klassik Radio Meinungssache

terror-alarm-in-chemnitz © Fotolia_Orlando Bellini
"Wir sind geschafft, aber überglücklich: der Terrorverdächtige Albakr wurde in der Nacht in Leipzig festgenommen. " Das twitterte die Polizei Sachsen heute Morgen um sechs nach sechs. Also doch noch ein Fahndungserfolg, nachdem gestern Abend noch die Panne bei der Festnahme im Vordergrund stand. Was war passiert. Spezialeinsatzkräfte der Polizei hatten am Samstagvormittag eine Wohnung in Chemnitz gestürmt und mehrere Hundert Gramm Sprengstoff gefunden. Ein nun gefasster 22-jähriger Syrer steht im Verdacht, einen Sprengstoffanschlag auf einen deutschen Flughafen geplant zu haben. Was schreiben die deutschen Zeitungen zum Terroralarm von Chemnitz?
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Daran werden wir uns gewöhnen müssen: Deutschland ist Kampfgebiet des internationalen Terrorismus. Islamistische Attentäter leben unbehelligt, sind als Flüchtlinge eingereist und wurden womöglich mit einem Mordauftrag hierhergeschickt. Wir haben uns schon an das offizielle Mantra gewöhnt, dass Deutschland im Fadenkreuz stehe. Nicht gewöhnen wollen wir uns an Pannen wie in Chemnitz. Es ist schon eine Leistung, einen Verdächtigen überhaupt auszumachen - dann sollte aber auch gleich der Zugriff gelingen. Der Staat muss souverän auf die unübersichtliche Lage reagieren, die er teils selbst verschuldet hat. Noch vor kurzem erweckten die Spitzen von Wirtschaft und Politik den Anschein, in jedem geflüchteten Syrer sei ein künftiger Steve Jobs zu sehen, in jedem Migranten ein Lotto-Gewinn für die Gesellschaft und in jedem muslimischem Einwanderer eine Bereicherung. Der Staat muss sich von einigen Lebenslügen verabschieden.

Südwest Presse

Der Terrorismus gehört zu unserer Zeit, und wir sind Ziel. Es wird wieder Anschläge geben, auch bei uns. Menschen werden sterben. Als Bürger kann man das alles nicht verhindern. Man kann nur mit Gelassenheit die Tatsachen betrachten. Ein Beispiel: 562 Spreng- und Brandvorrichtungen wurden vergangenes Jahr bei Neonazis gefunden. Deutschland braucht keine Syrer, um Terror kennenzulernen.

Neue Osnabrücker Zeitung

Ob die Festnahme von drei Anhängern des Islamischen Staates, die ein Attentat in der Altstadt von Düsseldorf verüben wollten, die Verhaftung eines 16-Jährigen in Köln, der einen Sprengstoffanschlag plante, oder nun die Fahndung nach einem Terrorverdächtigen aus Chemnitz. In allen drei Fällen waren es syrische Flüchtlinge, die einen Anschlag auf deutschem Boden planten. Diese Tatsache gibt all jenen Kräften Auftrieb, die in den offenen Grenzen Deutschlands und der Aufnahme Hunderttausender Asylbewerber eine völlig verfehlte Politik sehen. Natürlich kann man zu Recht den zumindest zeitweiligen Kontrollverlust der deutschen Bundesregierung kritisieren, als sie im vergangenen Jahr Zehntausende Flüchtlinge ungehindert einreisen ließ. Trotzdem gibt es angesichts der katastrophalen Lage in Syrien keine Alternative zu der Aufnahme derer, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen.

Freie Presse

Mit solchen Vorfällen wie dem Bombenbastler von Chemnitz wächst die Gefahr, dass der islamistische Terror zu einer Chiffre für Fremdenfeindlichkeit und Ablehnung von Flüchtlingen ganz allgemein wird. Es wird genügend politische Scharfmacher geben, die künftig jeden Migranten als ein potenzielles Terrorrisiko ansehen und damit fremdenfeindlichen Übergriffen rhetorisch den Weg bereiten. Dabei leben auch im Chemnitzer Fritz-Heckert-Wohngebiet viele Flüchtlinge seit Jahren mit ihren deutschen Mitbewohnern in friedlicher Nachbarschaft. Die Terrorangst darf nicht dazu führen, dass humane Grundsätze in den Keller gesperrt werden.
   

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