Terror in der Türkei

Klassik Radio Meinungssache

terror-in-der-türkei © Fotolia_Orlando Bellini
Bei einem Bombenanschlag in Istanbul auf einen Polizeibus sind mindestens 11 Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag hat sich noch bislang noch niemand bekannt.
Heilbronner Stimme

Der Friedensprozess mit der Türkei ist am Ende, die Gewaltspirale hat eine Dynamik erreicht, aus der in absehbarer Zeit kein Entkommen möglich scheint.

Kölner Stadt-Anzeigers

Wer Gewalt sät, der wird Gewalt ernten, heißt es sinngemäß in der Bibel. Wer kurdische Städte in Trümmer legt, muss mit den Folgen leben. Es ist ein Jammer anzusehen, wie die Türkei sich ins Chaos lenke. Urlaubern muss man leider sagen: Wer jetzt noch Ferien in der Türkei macht, tut das auf eigene Gefahr.

Nürnberger Nachrichten

In der Türkei fehlt - anders als etwa in Nordirland - die Entschlossenheit auf beiden Seiten, die Waffen ein für alle Mal schweigen zu lassen. Waffenruhen wurden im Kurdenkonflikt bisher stets als taktisches Mittel eingesetzt - die Gewalt gelte nach wie vor als Ultima Ratio. Solange sich an diesem Denken nichts ändere, könne die Spirale der Gewalt nicht durchbrochen werden. Wenn Erdogan nach dem jüngsten Anschlag ankündigt, die Täter würden bezahlen, deutet er damit neue Militäroperationen im Kurdengebiet an. Im Internet schreien nationalistische Türken nach Rache. Schon 2015 forderte ein nationalistischer Mob in Istanbul bei einer Demonstration ein 'Massaker' an den Kurden. Von einer neuen Friedenspolitik sei die Türkei weiter entfernt als je zuvor. Der heutige Anschlag dürfte nicht der letzte gewesen sein.

Leipziger Volkszeitung

Wie andere autoritäre Herrscher auch kündigt Erdogan immer wieder an, den Terror mit besonders starker Hand zu bekämpfen. Erstaunlicherweise aber erweisen sich gerade die autoritären Strukturen im Land dabei als nicht besonders effektiv. Die Türkei hat härtere Anti-Terror-Gesetze als alle Länder Europas und konnte trotzdem die neue Terrorserie nicht verhindern. Innerer Zusammenhalt eines Landes lässt sich nicht erreichen durch großspuriges Auftreten des Präsidenten. Wenn die Türkei gegen den Terror zusammenrücken will, dann muss Gewissheit herrschen, dass ihr Staatsführer kein politisches Kapital aus Bombenanschlägen schlagen will.

Rhein-Neckar-Zeitung

Die Aufkündigung des Friedensprozesses mit den Kurden stürzte das Land in eine neue Spirale der Gewalt. Und selbst die härtesten Anti-Terror-Gesetze Europas konnten das Blutbad nicht beenden. Im Gegenteil: Die Kurden tragen den Krieg vom Osten des Landes in die westlichste Metropole der Türkei. Leidtragende seien aber in beiden Landesteilen vor allem die Zivilisten. Und der Blutzoll dürfte noch bei Weitem nicht erschöpft sein.

Fränkische Zeitung

Denn weder Erdogan noch der radikale Arm der PKK - um vom IS erst gar nicht zu sprechen - sind derzeit an einer Lösung des Konflikts interessiert. Beiden nützt die bürgerkriegsähnliche Situation in Wirklichkeit ja. Sie immunisiere Erdogan gegen die Kritik an seinem Staatsumbau, der PKK stifte der zum Freiheitskampf verbrämte Terror Sinn und Gefolgschaft.

Süddeutsche Zeitung

Bei vielen Türken hat sich der Eindruck festgesetzt, ein Anschlag in Paris schmerze Europa weit mehr als ein Anschlag in Istanbul. Diese Wahrnehmung fügt sich in ein komplexeres Bild - das einer großen Enttäuschung. Im Kampf gegen den IS verfolgt man in Europa und in der Türkei zwar noch den gemeinsamen Gegner. Beim Kurdenkonflikt sieht das aber schon ganz anders aus. Das ist aus europäischer Sicht allein Erdogans Krieg. Andererseits verlangt die EU von der Türkei in diesen Tagen des Terrors, die türkischen Anti-Terror-Gesetze zu beschneiden. Erdogan versteht es, dieses Gefühl der Enttäuschung für sich einzusetzen. Anfangs hat er sich mit Reformen an der Macht gehalten. Heute tut er das mit brutaler Härte.

Die Welt

Feinde, Feinde überall. Wer so viele Feinde hat, braucht eigentlich dringend Freunde. Deutschland war bereit, wegen der Flüchtlingsfrage Erdogans Partner zu sein. Aber Erdogan fühlt sich offenbar politisch viel zu schwach, um noch Vertrauen zu irgendjemandem zu haben. Das ist bei Menschen, die sich zum Autokraten wandeln, häufig so. Der Kontrollwahn, der aus solcher Wandlung spricht, wird von Angst genährt. Je größer die Angst, desto größer die Zahl der offiziell und inoffiziell deklarierten Feinde. Angela Merkel hat Erdogans Angriffe auf frei gewählte deutsche Abgeordnete als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet. Merkel möchte die Tür nicht zuschlagen. Aber lange kann sie nicht mehr so defensiv reden. Erdogans Politik beginnt, gefährliche statt nur bizarre Züge zu tragen. Fraglos muten aus seiner Sicht auch die westlichen Staaten der Türkei einiges zu. Aber Erdogan ist der Präsident. Polemik könnte er anderen überlassen. Doch so denkt er nicht. Spürt er, dass er dabei ist, sein Land vollständig zu isolieren?
   

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