Trauer um Schimmi

Götz George

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Der große Schauspieler Götz George ist im Alter von 77 Jahre gestorben - und die deutsche Presse trauert.
Spiegel Online

Noch 2013, da war George 75 Jahre alt, vermöbelte sein Duisburger Proll-Cop mit Pommes rot-weiß auf der Hand Zuhälter. Alle Action-Szenen hatte der Schauspieler selbst gespielt, er sah verdammt gut aus, es knackten nur die Knochen der anderen. George hatte den Kampf gegen sich selbst mal wieder haushoch gewonnen! Wir träumten davon, das würde noch ewig so weitergehen. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Götz George bereits am 19. Juni verstorben. Es wird keinen Zweiten wie ihn geben. Der deutsche Film hat seinen mächtigsten Gegner und größten Star verloren.

Die Zeit

Bemerkenswert an Schimanski – und charakteristisch für Georges Rollen – ist nicht zuletzt, dass der Outlaw dennoch innerhalb der Institution entworfen wird. Götz George war ein Deutschlandkörper, ein Schauspieler, der nach 1945 eine Karriere gemacht hat in Filmen, die das Karrieremachen in Deutschland immer wieder erzählt haben. […] Als Götz und sein Bruder Jan am Ende in der Gedenkstätte stehen, die das frühere KZ und Speziallager Sachsenhausen heute ist, sagt Götz den auf den Tod des Vaters gemünzten Satz: "Menschen kapieren einfach zu spät, dass da was ganz Besonderes verloren gegangen ist, das ist das Trauma, das Schlimme." Der Satz handelt von Schmerz und Beschwichtigung und damit auch von Götz George. In seinen Widersprüchlichkeiten war er etwas ganz Besonderes im (west)deutschen Nachkriegsfilm. Am 19. Juni ist er im Alter von 77 Jahren gestorben.

Süddeutsche Zeitung

Einfach gemacht aber hat es sich Götz George nie. Er hat es sich nicht etwa bequem gemacht auf dieser Rolle, die ihm Berühmtheit und Auskommen garantierte. George spielte auch Rollen wie die des homosexuellen Massenmörders Fritz Haarmann in "Der Totmacher" von 1995, wofür er unter anderem in Venedig ausgezeichnet wurde und einen Deutschen Filmpreis gewann, vier waren es insgesamt in seiner Karriere. Er spielte auch den KZ-Arzt Josef Mengele ("Nichts als die Wahrheit") und einen an Alzheimer erkrankten Busfahrer ("Mein Vater"), einen Taschendieb ("Das Trio") und einen blinden Klavierlehrer ("Der Novembermann").

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am Bild seines Vaters in der Öffentlichkeit litt Götz George, aber auch an seinem eigenen. Nie schien ihm im eigenen Land die angemessene Anerkennung zuteil zu werden, mochte es noch soviel Zuspruch des Publikums, Lob der Kritiker und Preise geben. Georges Ausbrüche sind legendär, er konnte – gerne auch der Presse gegenüber – eine große Diva sein. Bei ihm wusste man nie, ob ein Talkshowauftritt, bei dem es eigentlich um seinen neuen Film gehen sollte, im Affront und in einer Generalabrechnung endete – mit der Filmbranche, mit dem Fernsehen, in dem es nur noch um Quote, aber nicht um Qualität gehe, oder gleich mit der gesamten Öffentlichkeit.

Frankfurter Rundschau

Götz George war ein vielseitiger und talentierter Schauspieler, doch das allein vermag seinen Erfolg nicht zu erklären. Er besaß eben jenes auch unter großen Filmstars seltene Etwas, das man den Befehl zum Hinsehen nennen könnte. Egal, was er in einer Rolle anfing, man sah ihm einfach zu. Er besaß eine Leinwandpersona von internationalem Format, in Deutschland war sein einziger Konkurrent sein persönlicher Freund Horst Buchholz.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Mit darstellerischem Perfektionismus und unerhörter Vielfalt in der Rollenwahl gewinnt er in der 90ern endlich die Statur, mit der er aus dem kolossalen Schatten seines Übervaters Heinrich heraustritt, bis er sich sogar traut, den Alten, den Film- und Theaterriesen, der ihn einst mit der Reitpeitsche züchtigte, selbst zu spielen. „War ich so gut wie Heinrich?“, soll Götz seine Mutter, die Schauspielerin Berta Drews, schon nach seinem ersten Bühnenauftritt mit 13 gefragt haben. Zuletzt hätte sie es bejahen müssen.
   

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