Verschiedenes: Ihre Altersvorsorge beim Chinesen

von Peter M. aus Düsseldorf

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Heute mal das mit der Kürze und Würze. Sprich: eher kurze Berichte zu drei verschiedenen Themen. Das erste ist – zumindest aus meiner laienhaften Sicht – ein Aufreger. Es geht um die in Deutschland so beliebten Lebensversicherer.Kurzfassung: die schlauen Herren dort haben aus mancherlei Gründen seit Ewigkeiten das Versichertengeld in Zinsanlagen gesteckt. Nun gibt es praktisch kaum noch Zinsen. Problem!

Ein anderer Aspekt ist, dass gerade kleinere Anbieter die mühevolle Fortführung der abgeschlossenen Verträge jetzt gerne los wären. Die Arag, die Basler und einige andere Lebensversicherer haben bereits Kundenbeziehungen an Abwicklungsgesellschaften übertragen. Hunderttausende Kunden wurden durch ein Brieflein über einen neuen Vertragspartner informiert. Doch auch größere Kaliber der Branche liebäugeln mit der Idee, wie etwa Generali Deutschland. Der Ableger der Münchener Rück, Ergo, zog kürzlich solche Pläne nach Gegenwind wieder zurück.

Dick im Abwicklungsgeschäft: der chinesische Milliardär Guo Guangchang (Jahrgang 1967). Dessen Unternehmensgruppe Fosun besitzt in Europa zum Beispiel das Tourismusunternehmen Club Med und die Modekette Tom Tailor. Seine Frankfurter Leben will nun im großen Stil Lebensversicherungsverträge aufkaufen und verwalten, bis der letzte Policeninhaber verblichen ist. Vielleicht ist das bald der neue Verwalter der Ersparnisse für Ihren Lebensabend.

(Quelle: Anne Seith, Verbraucherschützer warnen. Warum ein chinesischer Milliardär deutsche Lebensversicherungen aufkauft, spiegel.online, 29.12.2017 – 0:13 Uhr, http://www.spiegel.de/spiegel/investoren-kaufen-den-lebensversicherern-teure-altvertraege-ab-a-1183956.html

Ich will Sie nicht am frühen Morgen mit Details langweilen, deshalb hier nur mein Kommentar: Generationen von Versicherungsvertretern haben sich an den Provisionen für diese Versicherungsverträge gesundgestoßen. Die Lebenversicherungsunternehmen haben daran nicht schlecht verdient, obwohl sie nichts anderes machten, als die angesparten Einzahlungen ihrer Kunden in Staatsanleihen und Zinspapieren anzulegen.

Nun wollen sie die Kunden einfach loswerden. Und da sind sie sich auch nicht zu schade, diese finanziell eher unbedarften Policeninhaber an Chinesen zu verhökern. Formal mag das alles in Ordnung sein und von mir aus ist auch Herr Guo Guangchang ein seriöser Geschäftspartner, das kann ich letztlich gar nicht näher beurteilen, aber insgesamt ist der Vorgang schon ein verwirrendes und wenig beeindruckendes Schauspiel.

Und nun kommt noch das I-Tüpfelchen. Aufsichtsbehörde für die Assekuranz ist eine Behörde mit dem Bandwurmnamen „Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“, kurz BaFin. Die beschreibt als ihre Aufgabe und ihr Ziel: „Das Versicherungswesen basiert auf Vertrauen: Kunden erwarten von einem Versicherer, dass er konstant und oftmals über einen sehr langen Zeitraum die vertraglich vereinbarten Leistungen erbringen kann. Mit ihrer Aufsicht über Versicherungsunternehmen erfüllt die BaFin daher wichtige soziale und wirtschaftliche Aufgaben und trägt zur langfristigen Stabilität des gesamten Finanzsektors bei.“ 

Noch einmal als Ergänzung: „Das Hauptziel der Versicherungsaufsicht ist nach § 294 VAG der Schutz der Versicherungsnehmer und der Begünstigten von Versicherungsleistungen.“ Die Jungs und Mädels bei der BaFin drehen ansonsten akribisch und inbrünstig jeden Aktenordner dreimal um. Und ich bin sicher, die werden das auch bei den neuesten Entwicklungen tun. Aber wenn das Ergebnis ist, dass irgendwann ein Vertreter gegen hohe Erfolgsgebühr einen Vertrag andreht, bei dem im Vergleich zur eigenen Kapitalanlage auch noch laufend hohe Kosten entstehen und dann die Abwicklung im Alter beim Chinesen landet, da ist man sich doch ein wenig unsicher, ob das nun der Weisheit letzter Schluss gewesen sein soll.

Themenwechsel: ich habe in diesen Mails öfter darauf hingewiesen, dass aus meiner Sicht nach der Finanzkrise Europas Aktien – mit Verlaub - zu tief in der Verschisskiste gelandet sind. Bitte schauen Sie sich dazu mal die folgende Grafik an, bei der Aktienindex von Euroland (EuroStoxx 50) seit 1994 mit dem guten alten Dow Jones in Amerika verglichen wird. Jawohl meine Damen und Herren Experten, da ist methodisch einiges schwer vergleichbar. Aber es geht hier nicht um ein paar Indexpunkte, sondern um die Dimension: während sich nach zuvor halbwegs Gleichlauf nach der Finanzkrise der EuroStoxx grob gesagt verdoppelt hat, hat sich der Dow derweil fast vervierfacht.       

Aber wie das nun auch immer zustande gekommen ist, derzeit ist das Wirtschaftswachstum recht ähnlich. So schätzt der Internationale Währungsfonds in Washington den realen Zuwachs der Wirtschaft von 2016 bis 2020 in den USA auf rund 10 Prozent, in Euroland auf 9,5 Prozent. Derzeit liegt Europa nach echten Zahlen sogar vorne. Im Jahresvergleich stieg das reale US-Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal 2017 um 2,3 Prozent. Die gleiche Kennzahl und Methodik zeigte sowohl in der gesamten EU als auch in Euroland hingegen 2,6 Prozent.

Und nun schauen Sie sich zur Ergänzung dieser frohen Kunde mal die Zinsen in den verschiedenen Regionen an. Das ist das kurze Ende von ein paar Monaten Laufzeit, das idealtypisch die Politik der Notenbank widerspiegelt. Die Europäischen Zentralbank hat die Zinssätze in Euroland sogar noch weiter nach unten gedrückt als die seit Jahrzehnten expansive Bank von Japan. Die USA liegen im Zinsniveau ein ganzes Eckchen darüber.   

(Quelle: Word Economic Outlook Database, IMF, October 2017, http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2017/02/weodata/index.aspx und: National Economic Accounts, Bureau of Economic Analysis, https://www.bea.gov/national/index.htm#gdp

und: Schätzung des BIP und der Hauptaggregate für das dritte Quartal 2017. BIP im Euroraum und in der EU28 um 0,6% gestiegen, Pressemitteilung eurosta Nummer 186/2017 vom 7.12.2017, http://ec.europa.eu/eurostat/documents/2995521/8515982/2-07122017-AP-DE.pdf

und: Comdirect, https://www.comdirect.de/inf/maerkte/index.html  )

Und dabei wird es wohl auch noch ein Weilchen bleiben. Ich zitiere mal aus einer kürzlichen Rede von Jens Weidmann, dem Bundesbankpräsidenten, beim Clubabend des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten e.V.

Und selbst nach einem Auslaufen der Nettokäufe wird die Geldpolitik im Euroraum ja weiterhin sehr expansiv sein. Denn für die Wirkung des Kaufprogramms kommt es zum einen nicht so sehr auf die Höhe der monatlichen Zukäufe an, sondern vor allem auf den Gesamtbestand der Anleihen in unseren Büchern. Und der vom Eurosystem gehaltene Wertpapierbestand wird bis mindestens September nächsten Jahres weiter zunehmen - die Geldpolitik wird also expansiver - und bliebe auch dann weiter hoch, wenn nicht mehr netto hinzugekauft würde: Der EZB-Rat hatte ja bereits beschlossen, die Erlöse aus den fällig werdenden Anleihen bis auf Weiteres zu reinvestieren.

Zum anderen hat der EZB-Rat kommuniziert, dass die Zinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont der Nettokäufe hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.

Lange Rede kurzer Sinn: Mit den geldpolitischen Beschlüssen von vor sechs Wochen wird weiter geldpolitisch Gas gegeben, wenn auch nicht mehr ganz so kräftig wie zuvor.

(Quelle: Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, Einleitendes Statement beim Clubabend des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten e.V., Frankfurt am Main 19.12.2017, https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2017/2017_12_19_weidmann.html )

Deutlicher kann man es als gediegener Zentralbanker nicht aussprechen: Geld gibt es in Europa auch weiterhin in Hülle und Fülle.

Und noch für heute ein letzter Aspekt oder besser eine Anregung: wenn Sie des Englischen halbwegs mächtig sind und mal nachlesen wollen, was diese Separatistentrottel in Katalonien angerichtet haben, dann schauen Sie doch mal in den folgenden Artikel im ECONOMIST mit dem Titel „Adéu to Catalonia. Companies in the region vote with their feet against political uncertainty“ rein. Der zeigt einfach mal anhand von Zahlen und Statements auf, wohin die Verunsicherung wirtschaftlich geführt hat.

Hier der entsprechende Link:

https://www.economist.com/news/business/21732569-over-3000-firms-have-moved-legal-headquarters-elsewhere-spain-1000-have-shifted-their

Meine Kurzfassung davon: 3.000 Firmen haben ihren juristischen Sitz, rund 1.000 auch ihre Verwaltung aus dem für spanische Verhältnisse reichen Katalonien in den Rest Spaniens – vorzugsweise nach Madrid – verlegt. Vor dem Durcheinander hatten sieben der 35 im Top-Aktienindex gelisteten Konzerne ihren Sitz in der Region. Jetzt noch einer. Fünf große Versicherungen gingen mit ihren Firmensitz nach Madrid, die Tochter des französischen AXA-Konzerns nach Bilbao. Die beiden größten katalanischen Banken, CaixaBank and Banco Sabadell, haben berichtet, dass auf dem Höhepunkt der Unabhängigkeitskrise wöchentlich Milliarden Euro an Einlagen abflossen.

Heute findet in Katalonien die Neuwahl zum Regionalparlament statt. Kann man den Katalanen eigentlich nur wünschen, dass sie dabei ruhigere Verhältnisse schaffen. Ansonsten scheint mir der Katzenjammer in England nach dem Brexit und die doch eher gespaltene Begeisterung für Unabhängigkeit von Spanien und damit der Europäischen Union zu zeigen, dass die Austrittsängste (Brexit, Frexit, Nexit usw.) doch langsam – zumindest temporär – ihren Höhepunkt überschritten zu haben scheinen.

von Peter M. aus Düsseldorf
   

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