Bastian Schmalisch trifft Erwin Schrott
Bastian Schmalisch traf 2009 den Sänger Erwin Schrott zum Interview und sprach mit ihm über seine Leidenschaft zur Musik. Unter anderem erzählt der uruguanische Bassbariton davon, dass er nicht nur Wagner in seiner Freizeit hört, sondern gerne auch mal Tango oder auch Jazz.
Bastian Schmalisch (BS): "Ihr Name lässt vermuten, dass Sie nicht ausschließlich Uruguayaner sind. Haben Sie irgendeine Verbindung zum deutschsprachigen Raum? Wo liegen Ihre Wurzeln?"
Erwin Schrott (ES): "Offensichtlich ist einer meiner Ur-ur-ur-ur-ur-Großväter Süddeutscher gewesen. Und als ich das erste Mal in Wien war, stellte sich auch heraus, dass ich wohl auch in Österreich Verwandte habe. Aber abgesehen von meinem Namen bin ich hundertprozentig Urugayaner."
BS: "Ihre Stimme ist beeindruckend – sowohl die Gesangs- als auch die Sprechstimme. Wann haben Sie Ihre Stimme entdeckt und beschlossen, professioneller Sänger zu werden?"
ES: "Ich begann zu singen, da war ich noch ein kleines Kind. Das erste Mal, als ich auf einer Bühne stand, war ich acht! Aber ich glaube, ich habe mich relativ professionell verhalten, denn ich wurde danach oft angerufen und um Auftritte für andere Opern gebeten. Mein ganzes Leben habe ich mit der Oper zu tun gehabt. Natürlich habe ich auch andere Dinge gemacht, denn in Uruguay kann man nicht alleine von der Musik leben."
BS: "Wie ist Ihr Bezug zu den Lehrern, die Sie in Ihrem Leben begleitet haben? Waren einige besser als andere?"
ES: "Alle Lehrer, von denen ich gelernt habe, hatten Recht. In einer gewissen Art hat jeder einzelne von ihnen mir etwas gegeben, das ich immer noch benutze. Das heißt aber nicht, dass ich an einem Punkt angelangt bin, wo ich denke, dass alles was ich mache richtig ist. Ich werde immer auch weiter zu Lehrern gehen, um herauszufinden was ich verbessern kann. In meinem Herzen behalte ich all das Wissen, das ich von ihnen bekommen habe – von jedem einzelnen."
ES: "Alle Lehrer, von denen ich gelernt habe, hatten Recht. In einer gewissen Art hat jeder einzelne von ihnen mir etwas gegeben, das ich immer noch benutze. Das heißt aber nicht, dass ich an einem Punkt angelangt bin, wo ich denke, dass alles was ich mache richtig ist. Ich werde immer auch weiter zu Lehrern gehen, um herauszufinden was ich verbessern kann. In meinem Herzen behalte ich all das Wissen, das ich von ihnen bekommen habe – von jedem einzelnen."
BS: "Obwohl Sie im Wettbewerb in Wien ja leider nicht gewonnen haben, hatten Sie niemals Zweifel an sich, ob Sie…"
ES: (unterbrechend) "Nein, nein; Als ich die Gelegenheit bekam, mich in „Operalia“ vorzustellen, hatte ich viele Zweifel, denn ich hatte schon genug Arbeit zu erledigen. Danach dachte ich mir, dass ich nicht mehr zu Wettbewerben gehen würde, es sei denn, es wäre mein letzter."
BS: "Was veränderte sich als Sie dann den Operalia-Wettbewerb gewannen? Haben Sie danach mehr Angebote bekommen, oder was ist passiert?"
ES: "Ich bekam danach viele Jobangebote, aber ich musste mindestens 90 Prozent der Angebote absagen. Ich wusste, dass ich das Potenzial hatte, aber ich wollte und will immer noch erst einmal weiter lernen."
BS: "Wie kommt das?"
ES: "Meine Ziele sind bodenständig, ich hebe nicht ab. Das Ganze war bloß ein weiterer Schritt nach vorn auf meinem Weg, bloß eine weitere Erfahrung von der ich lernen kann, und davon gab es viele. Das ist wie beim Schwimmen: Wenn die Wellen gegen mich preschen, möchte ich erst richtig weiter schwimmen."
BS: "Sie haben gerade Ihre erste CD aufgenommen, können Sie den Unterschied für Sie zwischen den Live-Auftritten und den Studioaufnahmen beschreiben?"
ES: "Es ist eine komplett andere Erfahrung. Ich musste wirklich erstmal schlucken, als ich mich vor das Mikro stellte, und als ich dann nach den Aufnahmen meine Stimme hörte, mochte ich das überhaupt nicht. In der zweiten und dritten Session fing ich erst an, mich an meine Stimme zu gewöhnen, denn als Künstler hat man hohe Ansprüche an sich selbst."
BS: "Wie kam es zu dem Repertoire der CD? War alles Ihre Wahl, oder half die Plattenfirma nach?"
ES: "Hauptsächlich sind das die Arien, die ich mit Lehrern und Freunden besprochen habe. Es war nicht der Fall, dass ich behauptete: „Okay, ich singe jetzt das und danach singe ich jenes“, ich suchte mir einfach die Stücke aus, die mir persönlich am nächsten sind."
BS: "Wenn Sie auf der Bühne stehen, stellen Sie Ihre Charaktere immer sichtbar mit vollem Herzblut dar. Wie stellen Sie sich Ihren jetzigen Charakter „Liporello“ vor?"
ES: "Ich habe so lange darauf gewartet, die Rolle des Liporello zu spielen! Ich habe Don Giovanni schon fast zu oft gespielt; das ist jetzt erst das zweite Mal, dass ich Liporello spiele – davor habe ich ihn einmal im Covent Garden im Royal Opera House gespielt. Ich finde den Charakter jedoch viel interessanter als Don Giovanni, also wünsche ich mir, dass ich ihn in Zukunft öfter darstellen kann."
BS: "Wie wollen Sie sich weiterentwickeln? Momentan sind Sie ja hauptsächlich für Mozart-Arien bekannt und berühmt. Wie wäre es mal mit deutschen Komponisten?"
ES: (lacht) "Ich würde das wirklich gerne machen, aber dafür muss ich auf jeden Fall zuerst Deutsch lernen. Aber ich arbeite daran. (lacht) Natürlich liebe ich auch Komponisten wie Wagner; ich höre Richard Wagner sehr viel zu Hause in meiner Freizeit. Aber das ist eines meiner Prinzipien, dass ich immer zuerst die Sprache lerne, bevor ich mich überhaupt an einen Titel traue."
BS: "Wie ist es für Sie, jetzt diese Hauptrolle in Salzburg spielen zu dürfen?"
ES: "Es ist eine Ehre! Ich fühle mich nicht unter Druck gesetzt und habe auch keine Angst, etwas falsch zu machen, es ist nur eine riesige Ehre, die mir dieses Jahr gewährt wurde – vor allem wenn man sich mal vor Augen führt, wie viele verdammt gute Künstler bereits hier aufgetreten sind."
BS: "Was machen Sie in Ihrer Freizeit?"
ES: "Ich liebe zum Beispiel die Natur. Salzburg gibt mir die Möglichkeit, diese fantastische Luft zu atmen, diese schönen Seen und epischen Berge zu bewundern. Aber ich bin auch ein sehr heimischer Mensch; wenn ich nicht arbeite, dann versuche ich so viel Zeit wie möglich zu Hause mit meiner Familie zu verbringen, das ist mein eigentlicher Fulltime-Job."
BS: "Was hören Sie für Musik?"
ES: "Ooohoo, alles! (lacht) Flamenco, Tango und ganz viel Jazz! Einen Großteil des Tages über höre ich Musik. Ich spiele auch Gitarre. Bossa Nova und andere brasilianische Musik natürlich auch. Ich tanze auch sehr viel. Ja, eigentlich dreht sich mein Leben um Musik. (überlegt kurz) Vollständig, ja."
















































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