Bastian Schmalisch trifft Nils Mönkemeyer
Auch Bratscher können durchaus erfolgreich sein: Nils Mönkemeyer. Er ist Professor für Bratsche an der Hochschule für Musik in Dresden und schaffte mit seiner CD "Ohne Worte" direkt den Sprung in die deutschen Klassik Charts. Bastian Schmalisch traf Mönkemeyer 2009 zum Interview.
Bastian Schmalisch (BS): "Wie sind Sie eigentlich zur Bratsche gekommen? Geige hatten Sie ja wie viele Bratscher ursprünglich gelernt."
Nils Mönkemeyer (NM): "Ich wollte das auch zuerst überhaupt nicht und dachte so „Ach nee…“, aber dann wollten Leute Kammermusik mit mir spielen und es fehlte eine Bratschen-Stimme. Ich hatte erst einmal gar keine Lust, aber dann ließ ich mich überreden, nahm das Instrument in die Hand und dann war das so „Zack“ und ich habe sofort besser gespielt als je zuvor auf der Geige. Insofern war es dann klar, dass die Bratsche genau mein Ding ist."
BS: "Von der Geige zur Bratsche: War das eine große Umstellung? Die Bratsche ist ja größer, die Fingerabstände sind etwas weiter."
NM: "Ja, das ganze Instrument ist etwas schwerer und länger. Das heißt, die Finger müssen weiter auseinandergreifen und man braucht mehr Druck für den Bogen. Das Ganze bedeutet also etwas mehr Arbeit als mit der Geige, aber das Ganze lag mir einfach. Da meine Arme auch ziemlich lang sind, fühlte ich mich an der Geige auch nie wirklich frei. Aber alles war sofort super, als ich die Bratsche in der Hand hatte."
BS: "Sie hatten ja auch sicherlich anfangs noch gar keine Literatur oder nur wenig Noten für die Bratsche und mussten das alles erst besorgen. Wie ging es dann weiter?"
NM: "Ich hatte anfangs noch ganz wenig Ahnung. Ich habe einfach so vor mich hin gespielt und fand das so ganz schön. Dann hab ich eben Kammermusik gemacht und es machte Spaß, mit anderen Leuten zusammen zu spielen. Es ist ja auch etwas ganz anders: Wenn man die erste Geige spielt, ist man immer „oben drüber“ und mit der Bratsche ist man so mitten drin im Klang. Da kann man sich so richtig drin baden und das macht total viel Spaß! Dann habe ich angefangen, auch Solostücke zu spielen. Ich war unter anderem in der Musikbibliothek in Bremen, die haben eine ganz große Sammlung. Da habe ich mir Noten ausgeliehen und viel ausprobiert. Ein Jahr später habe ich dann nur noch Bratschenunterricht genommen und wurde Jungstudent in Hannover: Dann war die Sache klar!"BS: "Hatten Sie dann damals schon eine Bratsche oder hat ein Kollege gesagt: Hier ist die Bratsche, probier einfach mal?"
NM: "Ja, meine Geigenlehrerin hat mir damals eine Bratsche in die Hand gedrückt. Es war auch nicht mal das tollste Instrument, aber es hat gereicht, dass ich mich verliebt habe."
BS: "Sie hatten ja auch sicherlich anfangs noch gar keine Literatur oder nur wenig Noten für die Bratsche und mussten das alles erst besorgen. Wie ging es dann weiter?"
BS: "Wie war es dann, wenn Sie Kammermusik und Streichquartette gespielt haben: Haben da wirklich nur die Geigerkollegen, vor allem die 1. Violine den Ton angegeben?"
NM: "Das ist schon lange nicht mehr so. Ich meine und glaube, dass alle Quartette, die heute groß auf dem Markt sind und die viel spielen, demokratisch sind. Die Arbeit dauert dann halt länger: Wenn man nur einen hat, der sagt wo’s lang geht, gibt es keine Diskussionen. Wenn vier Leute anfangen zu diskutieren, dann gibt es mindestens drei, wohl aber eher vier verschiedene Meinungen und bis man die unter einen Hut kriegt, dauert das etwas länger. Aber andererseits ist ja genau das das Schöne an der Kammermusik: Dass man vier Individualisten hat und dann und daraus eine gemeinsame Sache macht."
BS: "Als Sie sich dann auf die Bratsche als Hauptinstrument festlegten, haben Sie auch gleich an eine Solokarriere gedacht, um dieses unterschätzte Instrument zu würdigen, oder wollten Sie erst einmal nur spielen und einfach Spaß an der Musik haben?"
NM: "Es war so, dass ich mich erst einmal an das Instrument und seine anderen Anforderungen gewöhnen musste. In gewisser Weise habe ich angefangen, nochmal alles neu zu lernen. Ich habe das auch als Chance genutzt, Dinge zu verbessern, die vorher nicht so gut gewesen waren. Und wie man besser wird, so steigt auch der Anspruch. Ich war von jeher sehr ehrgeizig und der Ehrgeiz wurde mit der Zeit größer und so habe ich angefangen, Wettbewerbe zu spielen. Und dann fiel mir schnell auf, dass Konzertveranstalter sagten: „Das mit Bratsche können wir gar nicht verkaufen“, oder „Da kommt ja dann niemand!“ und „Das ist jetzt nicht so unser Ding.“ Es hat eine ziemlich lange Zeit gegeben, in der ich die Leute erst davon überzeugen musste, dass man auch mit der Bratsche schöne Konzertabende mit Klavier oder Orchester geben kann."
BS: "Ein Plattenvertrag hilft da wohl auch schon eine ganze Menge, weil die Konzertveranstalter mitbekommen, was los ist und mehr gute Kritiken lesen können."
NM: "Absolut! Vor allem auch die Tatsache, dass ein Major Label jemanden wie mich unter Vertrag nimmt. Ich meine: Bratsche ist ja nicht gerade das Kassenschlager-Instrument. Wenn man singt, Geige oder Klavier spielt, kann man eine Karriere ganz normal aufbauen und man weiß, es wird immer wieder Leute geben, die zum Beispiel „Die vier Jahreszeiten“ kaufen werden. Bei der Bratsche gibt es so etwas nicht und das bedeutet auch für das Label sehr viel mehr Arbeit. Von daher freut es mich umso mehr, dass mich SONY unter Vertrag genommen hat."
BS: "Wie kam es zur Zusammenarbeit mit SONY? Sind Sie an SONY herangetreten und haben gesagt: „Ich spiele zwar ein ungewöhnliches Instrument, Bratsche, aber hört Euch das doch mal an?“ Oder wurden Sie im Konzert gehört und die von SONY fanden das super?"
NM: "Ich bin da ziemlich hartnäckig: Ich habe meine Sachen hingeschickt und dann habe ich mich immer wieder mal gemeldet. Irgendwann kam es dann zu einem Gesprächstermin und sie sagten mir, dass ihnen meine Aufnahmen gefallen. Dann kamen sie ins Konzert und auch das hat ihnen gut gefallen. Danach erst habe ich den Vertrag bekommen."
BS: "Waren Sie dann auch überrascht, dass Ihre erste CD „Ohne Worte“ so dermaßen eingeschlagen ist? Als unbekannter Solist und mit einem ungewöhnlichen Instrument haben Sie sich monatelang in den Klassik-Hitparaden gehalten."
NM: "Darüber war ich natürlich total glücklich – vor allem weil’s noch nie einen Bratscher gab, der das geschafft hat. Da war ich insgeheim schon sehr stolz. Ich meine, wenn man eine CD aufnimmt, steckt man sein ganzes Herzblut rein und bereitet sich darauf wirklich gründlich vor: Man überlegt, wie man einen schönes ungewöhnliches Programm zusammenstellen kann, das die Leute anspricht. Man überlegt die Reihenfolge und jedes Stück übt man ganz genau, weil die CD ja auch in zehn Jahren noch da ist. Das ist eine ganz schöne Bestätigung! Und die CD-Aufnahme liegt ja schon zurück. Irgendwann kommt die CD raus und erst dann kommt die Reaktion. Das ist interessant für mich, weil ich in dem Moment ja schon etwas Abstand zu den Aufnahmen habe und dann wird das eine ganz andere Erfahrung als ein Konzert – und das war schön."
BS: "Für die Plattenfirma war „Ohne Worte“ vergleichsweise kostengünstig: eine Kammermusik-Einspielung nur mit Klavier und Bratsche. War „Ohne Worte“ also auch erst einmal als eine Art Probe-CD gedacht?"
NM: "Also wir hatten am Anfang sofort zwei CDs geplant und tatsächlich haben wir die CDs in sehr kurzem Zeitraum hintereinander aufgenommen. Nur ist es eben so, dass die zweite CD „Weichet nur, betrübte Schatten“ etwas später erschienen ist. Ich denke, dass das auch richtig ist: Die Leute müssen ja erst einmal wissen, wer ich bin und dann kann man wieder etwas Neues machen. Wir wollten vor allem auch zwei ganz unterschiedliche CDs machen."
BS: "War es bei der CD „Ohne Worte“ Ihre Idee, Lieder zu nehmen, die normalerweise für Gesang gedacht sind und kein typisches Bratschen-Repertoire?"
NM: "Ich fand einfach das Repertoire wunderschön und in erster Linie gehe ich gar nicht so sehr vom Instrument aus. Vor allem nicht bei einer CD: Die Stücke sollen ja dem Hörer etwas Schönes geben, auch wenn es vielleicht nur auf der Autofahrt ist. Das war so ein bisschen die Idee, dass man einen Mikrokosmos von verschiedenen Stimmungen auf einer CD vereint."
BS: "Das Konzept von „Weichet nur, betrübte Schatten“ ist auch nicht mehr so klar wie das der ersten CD, auf der es nur romantische Lieder mit Klavier und Bratsche gab: Zwei Bratschenkonzerte und dazu Bach-Arien mit sparsamen Ensemble. Wie kamen Sie auf diese Kombination? Warum nicht noch ein drittes Bratschenkonzert?"
NM: "Ja, das hatten wir auch überlegt, aber das war mir dann alles zu ähnlich. Ich bin ein absoluter Barockmusik-Fan: Diese Musik ist einfach wunderschön und Bach hat mich schon immer begleitet. Ich mochte Bach schon als Kind und habe immer seine „Brandenburgischen Konzerte“ gehört. Deswegen wollte ich auf der zweiten CD unbedingt einen Bach haben. Es sind alles Bearbeitungen, denn es gibt keine Bratschenkonzerte von Bach, aber wenn man sie dann auf dem Instrument spielt, dann sind diese Stücke plötzlich wie die Violinkonzerte."
BS: "Wie sind Sie auf die jeweiligen Arien gekommen? Es sind ja teils ganz neue Arrangements und Zusammenstellungen."
NM: "Es gibt einfach ein paar Arien, die ich wunderschön finde und unbedingt machen wollte, wie zum Beispiel „Ich habe genug“. Ich finde das einfach ein unglaublich schönes Stück Musik. Ich habe das ein paar Mal im Konzert gehört und war immer total neidisch auf die Oboisten, die diese wunderschönen Melodien haben. Ich habe einfach ausprobiert, ob es auch geht, dass man diese Linie auf der Bratsche spielt."
BS: "Haben Sie auf die Stücke auf „Weichet nur, betrübte Schatten“ selbst arrangiert oder haben Sie nur Ihre eigene Stimme für Bratsche bearbeitet und jemanden beauftragt, sich um die weiteren sechs Solisten kümmern?"
NM: "Es gab einige Titel, bei denen mir Maren Exner geholfen hat. Sie ist eine Komponistin aus Hannover, die sich sehr gut mit Tonsatz und der barocken Stimmführung auskennt. Denn Barockmusik hat ja ganz klare Regeln, wie die Orchesterstimmen verteilt sein müssen und ich hatte da ein bisschen Angst, dass ich Fehler mache, wenn ich alles alleine umschreibe. Maren Exner hat mir dabei geholfen, aber die Bratschenstimmen habe ich alle selber eingerichtet."
BS: "War das dann die Essenz Ihrer Lieblingsarien oder hätten Sie noch einige mehr parat für eine weitere Arien-CD?"
NM: "Wenn man sich ein CD-Programm überlegt, hat man immer noch gleich drei weitere dazu, weil man verschiedene Ideen hat. Ich habe noch genug Ideen für viele weitere CDs, also daran soll’s nicht scheitern. Aber ich bin sehr zufrieden mit dieser Auswahl: Es ist eine ganz persönliche Auswahl von mir und ich finde vor allem den Kontrast mit den klassischen Konzerten sehr schön. Da eben Bach ein bisschen ernster ist und die Konzerte, gerade Antonio Rosetti, einfach gute Laune machen."
BS: "Stammen die Musiker alle aus der Staatskapelle Dresden?"
NM: "Das Orchester nennt sich Dresdner Kapellsolisten und die Musiker haben sich aus der Staatskapelle herausgefiltert. Sie haben sich gegründet, um vor allem Barock und Klassik zu spielen."
BS: "Hat die Zusammenarbeit mit den Dresdner Kapellsolisten auch damit zu tun, dass Sie dort demnächst eine Professur antreten werden? Oder war es reine Sympathie, weil es eben das perfekte Orchester für Ihre neue CD war?"
NM: "Ich wollte mit diesem Orchester einfach gerne zusammen arbeiten. Das hatte mit Dresden damals noch gar nichts zu tun, denn die Stelle habe ich erst hinterher bekommen. Aber das war nett, denn jetzt kenn ich da schon ein paar Leute."
BS: "Wie hat sich Ihr Leben seit Beginn Ihrer Blitzkarriere verändert?"
NM: "Ach, ich stimme ja mit diesem Begriff „Blitzkarriere“ gar nicht überein und glaube ehrlich gesagt, dass es das nicht gibt. Ich denke, dass man die Arbeit, die man im Vorfeld geleistet hat, einfach nicht so sieht. Die Hauptkonstante ist ja sowieso nicht, dass ich Karriere machen möchte! Ich möchte gerne spielen, mich weiterentwickeln und ich möchte Leuten meine Geschichten erzählen – und das wird immer so bleiben. Die Karriere ist eigentlich nur ein Teil. Und der andere – eigentlich viel wichtigere Teil – ist das, womit man sich als Künstler jeden Tag beschäftigt."
BS: "Tauschen Sie sich mit anderen Bratschisten aus?"
NM: "Mit Yuri Bashmet bin ich in sehr gutem Kontakt und er hat mich sehr lange unterrichtet. Ich habe auch seinen Wettbewerb in Moskau gewonnen und oft mit ihm zusammen gespielt. Bashmet ist vielleicht sogar eine der Personen, die mich am meisten beeinflusst haben."
BS: "Wenn das Repertoire für die Bratsche dann doch mal ausgereizt wäre, würden Sie auch auf Dirigent umsatteln?"
NM: "Ach nein. Im Moment habe ich noch genug zu tun. Also ich könnte mir gut vorstellen, vielleicht mal mit einem eigenen Ensemble etwas aufzunehmen, das wäre schon reizvoll. Aber eher auf einer demokratischen Basis. Auf keinen Fall würde ich mich vor eine Art Turnierorchester stellen, bloß um zu dirigieren. Ich möchte erst einmal noch spielen!"
BS: "Finden Sie es schade, dass es de facto so wenig Repertoire für die Bratsche gibt und würden Sie bei einem Engpass gegebenenfalls auch adaptieren?"
NM: "Natürlich bin ich ein bisschen traurig, dass es zum Beispiel kein Bratschenkonzert von Brahms gibt. Das fände ich einfach schön. Aber auf der anderen Seite gibt es so viele Musikstücke und ich bin ganz offen für Bearbeitungen. Gerade das finde ich eigentlich spannend: Dass ich mir überlege, wie das auf der Bratsche klingen würde und dass man dann oft etwas ganz Neues an dem Stück entdeckt."
BS: "Was sind Ihre nächsten Ziele? Was würden Sie gerne noch aufnehmen und können Sie schon etwas verraten?"
NM: "Das ist alles noch ein bisschen früh und noch nicht ganz spruchreif, aber ich möchte auf jeden Fall gerne noch eine weitere Barock-CD machen. Und ich möchte dann gerne etwas Romantisches aufnehmen. Außerdem gibt es ein Sonderprojekt, das gar nichts mit SONY zu tun hat: Da nehme ich ein rumänisches Konzert mit dem Radio-Sinfonie-Orchester Berlin auf. Ich habe also noch vieles vor."
BS: "Seit Ihrer ersten CD Veröffentlichung sind Sie auch viel bekannter geworden: Ist damit Ihr Konzertplan schon internationaler geworden oder beschränken sich Ihre Auftritte noch auf Deutschland?"
NM: "Es öffnet sich tatsächlich mehr und mehr. Vor allem werden die Konzerte jetzt einfach größer, das merke ich schon. Das ist ja genau das, was mich daran so freut: Dass man – übertrieben gesagt – eben nicht nur für 20 Leute spielt, sondern vielleicht für 2.000 wenn‘s gut läuft."
BS: "Hatten Sie eigentlich niemals Lust auf normalen Orchesterbetrieb? Sie haben Ihre Karriere ja gleich als Solist gestartet. Wäre es nicht interessant gewesen, auch in einem großen Sinfonieorchester-Apparat mitzuspielen?"
NM: "Überhaupt nicht. Ich muss sagen, ich höre mir das zwar wahnsinnig gerne an und ich liebe es, in ein Orchesterkonzert zu gehen. Aber ich finde im Orchester mitzuspielen extrem stressig: Mich macht es nervös, wenn ich in einer Gruppe bin und weiß, dass wenn ich jetzt die bestimmte Note länger spiele, den ganzen Gruppenklang kaputt mache! Man muss es ja wirklich schaffen, als Gruppe, als Ganzes zu funktionieren und darin bin ich gar nicht so gut. Ich bin tatsächlich besser, wenn ich alleine spiele."
BS: "Gibt es eine Höchstgrenze an Konzerten, die Sie pro Jahr spielen würden?"
NM: "Ich glaube mehr als 80, 90 Konzerte würde ich nicht machen wollen. Ich habe ja auch noch die Professur in Dresden. Dort muss ich mich um meine Schüler kümmern und finde es auch richtig, dass ich regelmäßig dort bin. Wenn ich mir vorstelle, jede Nacht woanders zu sein, das wäre mir zu viel! Ich bewundere Leute wie Julia Fischer oder Lang Lang – wie die das aushalten, weiß ich nicht."
BS: "Wenn Sie unterwegs sind, wohin gehen Sie in Ihrer Freizeit in den fremden Städten?"
NM: "Ins Kino gehe ich wahnsinnig gerne und finde das das allerbeste, um mal auf ganz andere Gedanken zu kommen. Und tatsächlich auch, um Inspiration zu kriegen. Und ich liebe es auch, sich in einer neuen Stadt einfach so treiben zu lassen. Dann setze ich mich in ein Cafe. Die Stimmung und das Tempo sind in jeder Stadt ein bisschen anders und dann beobachte ich die Leute."
BS: "Haben Sie noch andere Hobbies oder steht nur das Instrument im Vordergrund?"
NM: "Ich mache noch ein bisschen Sport, ich gehe laufen. In München an der Isar kann man das ganz schön, so in der Natur. Das mache ich ziemlich oft, wenn ich mich entspannen will. Oder ich lasse einfach die Gedanken mal so treiben. Ich lese auch viel, zum Beispiel bei Zugfahrten."
BS: "Was für ein Instrument haben Sie eigentlich? Und wie pflegen Sie es und passen darauf auf?"
NM: "Es gibt ja Geigenbauer, die diese Instrumente selber bauen. Sozusagen die Stradivaris der heutigen Zeit – wenn sie gut sind. Und da geht man dann hin und dort gucken sie, ob der Lack ok ist und man die Saiten auswechseln oder die Bogenbehaarung erneuern muss. Solche Sachen muss man regelmäßig machen und je mehr man spielt, umso öfter."
BS: "Gehört das Instrument einer Foundation oder ist es Ihr eigenes?"
NM: "Es ist mein eigenes, ein modernes Instrument von Peter Erben aus München. Er ist ein Geigenbauer, der sich auf Bratschen spezialisiert hat und meine Bratsche habe ich jetzt seit zwei Jahren."
BS: "Ganz anderes Thema: Was sagen Sie eigentlich zu Bratscherwitzen? Ärgert Sie das oder finden Sie das lustig?"
NM: "Ich finde die lustig, also die meisten jedenfalls. Es gibt natürlich auch blöde, aber meistens finde ich sie witzig. So zum Beispiel: Was ist ein Bratscher in Salzsäure? – Ein gelöstes Problem. Ach ja, wenn man da drüber nicht lachen kann, dann spielt man glaube ich nicht Bratsche! Man braucht dafür schon Humor, das ist wichtig, sowieso wichtig im Leben."
BS: "Was war Ihr bisher ungewöhnlichstes oder aufregendstes Konzerterlebnis? Zum Beispiel, dass Ihnen eine Saite gerissen ist und Sie mit drei Saiten weiterspielen mussten."
NM: "Dieser Saiten-reißen-Alptraum! Das ist mir komischerweise noch nicht in einem öffentlichen Konzert passiert. Das ist mir nur mal in der Hochschule passiert. Aber ein Beispiel habe ich schon: Wenn man etwas ganz locker spielen muss, dann hält man zwar mit den Fingern wie gewohnt den Bogen, aber die Finger sollen ganz entspannt sein – und wenn man zu entspannt ist fliegt einem der Bogen aus der Hand. Und das ist mir einmal passiert. Aber dann gab’s so eine Kette von Leuten, die mir den Bogen zurückgegeben haben und ich habe gefragt: „Ist auch niemand verletzt?“ Und dann haben wir weitergespielt. Das war eigentlich ganz lustig."
"Herr Mönkemeyer - Vielen Dank für das Gespräch!"
















































.jpg)





