Bastian Schmalisch trifft Renée Fleming
Ihr strahlender Klang und die enorme Bühnenpräsenz machen Renée Fleming seit Jahren zu einer der besten und beliebtesten Sängerinnen der Welt. Bastian Schmalisch durfte die Sängerin 2008 in Wien treffen und sprach mit ihr über ihre Karriere und ihre CD "Vier letzte Lieder".
Bastian Schmalisch (BS): "Sie haben die "Vier letzen Lieder" zum 2. Mal auf CD eingespielt. Worin liegt der Unterschied zwischen der ersten Strauss-Aufnahme und dieser?"
Renée Fleming (RF): "Die erste Aufnahme war für mich eine Herausforderung. Es war das erste Mal, dass ich die Stücke überhaupt gesungen hatte, aber Christoph Eschenbach und ich sind sehr gute Freunde. Er hatte mir damals wirklich geholfen und mich unterstützt. Jetzt singe ich diese Stücke schon 13 Jahre lang, und das nun mit Thielemann zu machen war etwas ganz anderes, natürlich auch weil es eine Live-Aufnahme war. Wir haben auch kaum gesprochen, vielleicht 3 Sätze! Deswegen ist es sehr lebendig und flexibel und es klingt sogar modern. Was ich natürlich mit der Zeit gelernt habe ist, dass der Text präsenter geworden ist. Sie könnten mich nachts aufwecken und ich würde Ihnen den Text aufsagen können. Also die Worte sind Teil meines Körpers geworden!"
BS: "Haben Sie mittlerweile einen anderen Zugang zu diesen Liedern?"
RF: "Ja, denn es steckt eine unglaubliche Tiefe in diesen Liedern. Ich finde sie so fantastisch, ich bin nie gelangweilt und es ist immer wieder eine neue Erfahrung. Natürlich ist es auch wegen dem Orchester und dem Dirigenten jedes Mal anders. Und weil es eine Allegorie für das Leben ist, gibt es mir immer die Gelegenheit darüber nachzudenken. Ich hoffe, ich werde sie immer singen. Wenn es irgendwann nicht mehr gehen sollte, werde ich wahrscheinlich überhaupt nicht mehr singen!"
BS: "Sie haben mal gesagt, Ihr Lieblingslied sei "Im Abendrot". Warum gerade dieses?"
RF: "Im Abendrot" mochte ich schon immer, weil das Lied so ausgedehnte, ruhige Bilder zeichnet. Christian Thielemann meinte, das letzte "Abendrot" dürfe nicht traurig oder sentimental werden. Die Personen im Lied sind nicht tot, sondern auf Wanderschaft. Sie fragen sich nur "ist der Tod schön?"."
BS: "War es etwas Besonderes mit dem Strauss-Spezialisten Christian Thielemann und den Münchner Philharmonikern – dem "Heimatorchester" von Richard Strauss zusammenzuarbeiten?"
RF: "Ja, es war besonders. Es hat mir aber auch gleichzeitig Angst gemacht. Jedes mal wenn ich in München singe bin ich nervös aufgrund der langen Tradition. Es war sehr interessant, mit Christian Thielemann und dem Orchester zusammen zu arbeiten. Christians linke Hand ist so flexibel und so sensibel; er könnte die kleinste Geste mit ihr machen und das Orchester kommt mit, denn sie verstehen sich wunderbar."
BS: "War es Ihr Wunsch mit Thielemann zusammenzuarbeiten oder hat die Plattenfirma das für Sie initiiert?"
RF: "Die Plattenfirma hat das vorgeschlagen und ich habe sofort zugestimmt. Wir hatten den "Rosenkavalier" in London gemacht und das war die beste Aufführung. Ich habe ihn bestimmt 5 Mal gespielt, aber in London war es wirklich etwas Besonderes. Ich kenne viele Leute in London, die noch immer davon sprechen. Leider wurde es nicht aufgenommen."
RF: "Die Plattenfirma hat das vorgeschlagen und ich habe sofort zugestimmt. Wir hatten den "Rosenkavalier" in London gemacht und das war die beste Aufführung. Ich habe ihn bestimmt 5 Mal gespielt, aber in London war es wirklich etwas Besonderes. Ich kenne viele Leute in London, die noch immer davon sprechen. Leider wurde es nicht aufgenommen."
BS: "Wie kamen Sie denn auf das Repertoire für die CD? Ungewöhnlich, dass Sie neben den Strauss-Liedern auch Opernausschnitte gewählt haben."
RF: "Das ist eine lange Geschichte. Ich wollte ursprünglich nur Strauss-Opernszenen singen und dann habe ich Strauss und Wagner empfohlen. Thielemann wollte aber auch Stauss-Lieder haben und dann haben wir diese Mischung gefunden. Ich musste sehr schnell diese Lieder lernen."
BS: "Wie studieren Sie Ihr Repertoire ein? Hören Sie sich die Aufnahmen von Sopranistinnen-Kollegen an?"
RF: "Bei den Strauss-Liedern habe ich mir im Vorfeld Lisa della Casa angehört, bei "Ariadne" war es Leontyne Price und Christa Ludwig. Aber es gibt auch andere wie Schwarzkopf oder Maria Reining. Ich höre mir immer lieber diejenigen Sänger an, die die Gesangssprache sprechen. Für die Strauss-Lieder gab es kaum Material, einige sehr alte Tenöre kann man sich dazu anhören."
BS: "Haben Sie viel an der Klangfarbe Ihrer Stimme arbeiten müssen durch Stimmbildung und Training oder ist das eine natürliche Begabung?"
RF: "Also es fing eigentlich mit dem Meisterkurs bei Schwarzkopf an. Sie war die erste, die mir sagte: "Renee, Du bist verantwortlich für die Schönheit deiner Stimme." Ich hatte nie daran gedacht, denn ich war auch noch ziemlich jung, erst 23 Jahre alt. Ich habe nur an die Gesundheit und an die Technik gedacht, aber nicht an den Klang. Farbe und Klang, das war eine ganz neue Idee. Man muss immer an die Gesundheit seiner Stimme denken. Ich konnte damals viel dunkler singen als jetzt. Aber heute müsste ich da aufpassen, um meine jetzige trainierte Höhe nicht zu gefährden."
BS: "Wie legen Sie Ihr Repertoire fest?"
RF: "Ich stelle mir die Frage, ob die Rolle interessant ist, also ob die Frau komplex ist. "Faust" habe ich zum Beispiel aufgegeben, da Sie eine zu große Opferrolle war. Das wäre einfach keine dankbare Rolle gewesen: Sie singt so viel am Ende und das ist so schwierig und dann entwickelt sie sich nicht so sehr. Deswegen sind die Strauss-Frauen so interessant, sie sind echte Frauen.
Mirella Freni hat mir mal erzählt, sie hätte eine Rolle aufgrund eines Tones abgelehnt. Das kann ich wirklich nachvollziehen! Wenn ein Ton zu unangenehm ist, dann kann man wirklich noch Lampenfieber bekommen. Natürlich muss man auch Risiken eingehen, denn ohne Risiken kann eine Karriere nicht sehr lange interessant bleiben."
BS: "Sie sind ja in einem "reiferen" Sopranistinnen-Alter. Wohin möchten Sie sich entwickeln und welche Rollen würden Sie in Zukunft interessieren?"
Mirella Freni hat mir mal erzählt, sie hätte eine Rolle aufgrund eines Tones abgelehnt. Das kann ich wirklich nachvollziehen! Wenn ein Ton zu unangenehm ist, dann kann man wirklich noch Lampenfieber bekommen. Natürlich muss man auch Risiken eingehen, denn ohne Risiken kann eine Karriere nicht sehr lange interessant bleiben."
BS: "Sie sind ja in einem "reiferen" Sopranistinnen-Alter. Wohin möchten Sie sich entwickeln und welche Rollen würden Sie in Zukunft interessieren?"
RF: "Ich habe mir neulich "Alcina" und "Ariadne" angeschaut und genau mit dieser Frage beschäftige ich mich zurzeit. Gestern habe ich mir zum Beispiel einige Opern angeschaut und die Partituren mitgelesen, um darüber nachzudenken. Ich habe insgesamt schon 51 Rollen gesungen, französische, slawische Musik, zeitgenössische Musik, viel Verdi. Mein Repertoire ist sehr breit gefächert und es wird sicher noch ein paar Sachen geben."
BS: "Was reizt Sie mehr: Die Belcanto-Richtung oder lieber die dramatischere Richtung?"
RF: "Das Problem bei den Opern ist, dass wir schon 5 Jahre im Voraus festlegen müssen, was wir machen wollen. Meine Stimme wird wahrscheinlich nicht viel schwerer oder tiefer werden. Meine Technik ist besser geworden und ich habe die Freiheit verschiedene Sachen zu machen. Obwohl ich ehrlich sagen muss, nach "Lucretia Borgia" und "Armida" werde ich kein Belcanto mehr singen, denn das ist wirklich immer sehr stressig."
BS: "Sie werden eine eigene Parfum-Serie auf den Markt bringen. Eigentlich ist das doch eine Sache für Models oder Filmstars."
RF: "Ich bin sehr froh, dass ich der Firma mein Gesicht leihen durfte. Was ich in der Fachsprache des Parfums so interessant finde ist, dass sie die gleiche ist wie die Sprache in der Musikwelt. Wir sprechen von Akkorden, hohen und tiefen Tönen und darüber wie man die Harmonie baut und herstellt."
BS: "Sie haben also aktiv beim Parfum mitgewirkt?"
RF: "Ja! Die haben gesagt "Renee, Du musst das mögen, du musst es tragen!" Also wurde es nach meinen Vorstellungen abgemischt, mit weißem Trüffel, Vanille und doch einer kleinen blumigen Note."
RF: "Ja! Die haben gesagt "Renee, Du musst das mögen, du musst es tragen!" Also wurde es nach meinen Vorstellungen abgemischt, mit weißem Trüffel, Vanille und doch einer kleinen blumigen Note."
BS: "Sie haben Mal den Beruf eines Sängers als schwierig und einsam bezeichnet. Was würden Sie jungen Menschen, die Berufssänger werden wollen, raten?"
RF: "Es ist gut, wenn man von Anfang an versteht, wie schwierig dieser Lebensstil ist. Er bedeutet nicht nur reisen, sondern auch immer wieder weg von Freunden und Familie zu sein. Am Ende braucht man sehr viel Disziplin. Es ist aber auch wunderschön, jeden Tag von Kunst und Musik umgeben zu sein. Es macht süchtig! Kein Wunder, dass Sänger Schwierigkeiten haben, mit dem Singen aufzuhören, denn der Sängerberuf ist nie langweilig!"
BS: "Wie verbinden Sie Karriere und Familie? Und möchten Ihre Töchter Ihrem Beruf nacheifern?"
RF: Meine Mädchen sind Teenager und die Kleine will unbedingt Sängerin werden. Zwar nicht klassisch, aber immerhin war sie im Chor. Die Ältere liebt Kultur und weiß auch schon, dass sie es als Hobby machen möchte. Die Balance zwischen Karriere und Familie zu finden ist natürlich sehr schwer und ich glaube jede Frau, die so arbeitet, befürchtet, es nicht zu schaffen."
BS: "Danke Renée Fleming!"
















































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