Duplex-Piano: Wenn das Klavier zum Orchester wird

Duplex-Piano: Wenn das Klavier zum Orchester wird

Zwei Manuale, ein Pedal – und ein Klang, der nach mehr klingt. Viel mehr. Das Duplex-Piano sieht aus wie ein Klavier, spielt sich wie ein Klavier – und klingt doch wie ein kleines Orchester. Der Cellist David Stromberg hat das seltene Instrument wiederentdeckt und hat uns erzählt, was es damit auf sich hat.

DuplexFoto: Raimar von Wienskowski

Zwei Manuale für doppelten Klang 

„Das Duplex-Piano ist ein Klavier mit zwei Manualen und kann alles, was ein normales Klavier kann. Aber es kann noch mehr“, erklärt Stromberg. Das Besondere ist das Kopplungspedal, mit dem ein Tastenanschlag nicht nur einen, sondern zwei Töne erzeugt. „In tiefer Lage kann man so den Eindruck von Kontrabässen kreieren, in hoher Lage klingt es fast wie eine Piccoloflöte.“ Damit will das Duplex-Piano quasi ein ganzes Orchester imitieren.  

Klangschichtungen und Spieltechnik

Die zwei Manuale ermöglichen eine ganz neue Spielweise: „Der Pianist kann die Hauptstimme auf dem unteren Manual spielen und dort die Verdopplung aktivieren. Mit der anderen Hand spielt er auf dem oberen Manual die Begleitung.“ So lassen sich Melodie und Begleitung besonders reizvoll voneinander absetzen. Doch das Spiel erfordert deutlich mehr Kraft: „Beim normalen Klavier geht die Taste mit 50 bis 60 Gramm herunter, beim Duplex-Piano sind es 180 Gramm,“ erklärt Stromberg weiter. Diese größere Anschlagskraft fordert ein hohes Fingerspitzengefühl. 

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Die Geschichte eines Pioniers 

Entwickelt hat das Instrument der Komponist Emanuel Moór vor etwa 100 Jahren. Er war überzeugt, dass das klassische Klavier „unnötig begrenzt“ sei und wollte mit seinem Duplex-Piano neue Klangmöglichkeiten schaffen. Als große Hersteller zunächst skeptisch waren, baute Moór einen eigenen Prototypen in seiner Garage – und überzeugte später renommierte Firmen wie Bechstein, Steinway und Bösendorfer. Rund 100 Instrumente entstanden daraufhin und wurden „von den renommiertesten Musikern der damaligen Zeit gespielt“, so Stromberg. 

Von der Partitur zum Instrument 

Für Stromberg begann die Faszination ganz zufällig: „Im Jahr 2017 suchte ich nach Stücken für zwei Celli und fand ein Doppelkonzert von Emanuel Moór.“ Während er sich mit dem Komponisten beschäftigte, stieß er auf das Duplex-Piano – und begann, das Instrument selbst zu erforschen. Gemeinsam mit dem Pianisten Florian Uhlig spielt er heute Konzerte mit dem Duplex-Piano und lässt die besondere Klangwelt wieder lebendig werden.  

Wer dieses außergewöhnliche Instrument live erleben möchte, hat zum Beispiel am 8. Juli 2025 in der Elbphilharmonie Hamburg Gelegenheit dazu. Florian Uhlig wird dort am Duplex-Piano spielen, begleitet von David Stromberg am Cello. 

Die schönste Klaviermusik können Sie jederzeit in unserem Klassik Radio Plus Sender "Piano" nachhören:

Valeska Baader / 05.06.2025

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