Rotkehlchen singt grammatikalisch richtig
aundrup
Rotkehlchen singt grammatikalisch richtig
Die ungeschriebenen Regeln des Vogelgesangs:

Auch Vögel können Grammatik!

Grammatik ist überlebenswichtig! Vielleicht nicht unbedingt bei uns Menschen - doch zumindest in der Vogelsprache.

Komplexe Kommunikation im Tierreich

Tiere haben ganz zweifellos eine komplexe Kommunikation. So gibt es Laute für Gefahr, zum Flirten oder auch, um auf Nahrungsmittel aufmerksam zu machen.  Manche Tiere erlernen sogar andere Sprachen. Das bekannteste Beispiel dafür ist der Papagei, der Menschenworte nachplappert, es gibt aber auch Affen, die die Gebärdensprache erlernt haben oder Orcas, die Laute von Delfinen übernehmen. Doch folgen diese Laute auch einer bestimmten Synthax oder Grammatik. Forscher haben herausgefunden: bei Vögeln ist das so! 

Die Tonleiter der Kohlmeisen

Diese Erkenntnis haben sie durch das Beobachten von japanischen Kohlmeisen gewonnen. Die Vögel haben vier verschiedene Laute: A, B, C und D.

Um vor einem Raubvogel zu warnen, pfeifen sie ABC, um eine andere Meise zu sich zu rufen, stoßen sie kurz hintereinander den Laut D aus. Manchmal kombinieren sie aber auch alle vier Noten ABC und D und sagen damit sozusagen: "Pass auf und komm her",  z.B. wenn sie einen Artgenossen warnen und zu sich rufen möchten, um gemeinsam einen Raubvogel zu vertreiben.

Kleiner Ausflug in die Vogelsprache
Vogelsprache lernen - die Sprache der Natur
Vogelsprache lernen - die Sprache der Natur

Reihenfolge ist Trumpf!

Um herauszufinden, wie wichtig die Reihenfolge der Laute ist, führten die Forscher einen Test durch. Sie stellten Lautsprecher in der Nähe der Vögel auf und spielten zunächst ABCD hintereinander: Die Meisen reagierten sofort und sahen sich um, ob ein Feind in Sicht sei, danach flatterten sie zum Lautsprecher, ihrem vermeintlichen Artgenossen, der gerufen hatte. Der Ruf "Pass auf und komm her", hatte also funktioniert.

Rolle rückwärts

Kurz darauf spielten sie den Ruf in umgekehrter Reihenfolge: DCBA. Die Vögel regten sich nicht. So kamen die Forscher zu dem Schluss: ABCD entspricht einem Satz. Jedes einzelne der beiden "Wörter": "ABC" und "D" hat eine eigene Bedeutung, die, wenn man sie zusammenfügt, eine veränderte Bedeutung erhält. Also so etwas wie eine rudimentäre Syntax bzw. Grammatik. 

(14.06.21/K. Jäger)

Quellen: Scinex: "Auch Vögel beherrschen Grammatik", Toshitaka Suzuki: Experimental evidence for compositional syntax in bird calls)